Achund Chorasani
Achund Chorasani

Aussprache: achund al-churaasaaniy
arabisch:
آخوند الخراساني
persisch:
آخوند الخراسانی
englisch:
Akhund Khurasani

1255 - 1329 n.d.H.
1839 - 1911 n.Chr.

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Muhammad Kazim Chorasani, bekannt als Achund Chorasani war ein Groß-Ayatollah im 14. Jh. n.d.H. (20. Jh. n.Chr.).

Er ist 1255 n.d.H. in der Stadt Maschhad geboren und am 12. Dezember 1911 (1329 n.d.H.) in Nadschaf, was damals zum Osmanischen Reich gehörte, gestorben.

Chorasani wuchs in Maschhad als Sohn eines Wanderpredigers auf.

Für seine Studien reiste er unter anderem nach Sabzawar, wo er Islamische Philosophie studierte, und später nach Teheran.

Etwa 1862 (1279/1280 n.d.H.) zog er nach Nadschaf. Dort studierte er unter bekannten Gelehrten [faqih].

Ab dem Jahr 1874 begann er, selbst Vorlesungen am Seminar zu halten. Nach dem Tod seines Vorgängers und Gelehrten [faqih] von Mirza Schirazi (1894) wuchs Chorasani zu einem der führenden Vorbilder der Nachahmung auf. Ab etwa 1895 n.Chr. galt er selbst als solche Instanz.

Sein berühmtestes Werk ist Kifayat al‑Usul („Genügsamkeit der Prinzipien“) — ein zweibändiges Werk über den Stamm der Religion [usul-ad-din] und über die Islamische Rechtswissenschaft [fiqh]. Dieses Buch gilt bis heute als eines der Standardwerke in schiitischen Seminarien weltweit.

Chorasani war bekannt für seine intellektuelle Strenge, methodische Klarheit und Bereitschaft, Urteile an veränderte Zeiten anzupassen. Er forderte, dass Jurisprudenz und selbständige Rechtsfindung [idschtihad] flexibel bleiben müssten, eine Innovationsbereitschaft, die in vielen schiitischen Kreisen als fortschrittlich galt.

Über viele Jahre entfaltete er großen Einfluss als Lehrer: Hunderte von Studenten aus verschiedenen Ländern kamen nach Nadschaf, um bei ihm zu lernen; damit prägte er generationenweit schiitische Gelehrsamkeit.

Eines der wichtigsten Kapitel in Chorasanis  Leben war seine Rolle als geistlicher Führer bei der Persische Konstitutionelle Revolution (1905–1911) — der ersten größeren demokratischen Revolution und Verfassungsbewegung im modernen Iran.

Chorasani betrachtete die konstitutionelle Monarchie mit einem Parlament und Begrenzung der absolutistischen Macht als ein geeignetes politisches System in der Abwesenheit des verborgenen Imam Mahdi (a.).

Er hatte mit zwei anderen führenden Geistlichen der Nadschaf — Mirza Husayn Tehrani und Abdallah Mazandarani — eine Allianz geformt, die sich entschieden gegen absolute Macht und Tyrannei stellte und die Idee eines verfassungsgemäßen Staates als islamisch legitim propagierte.

Während der Revolution erließen sie Rechtsurteile [fatwa], sendeten Telegramme an Stammesführer und führende Politiker, mobilisierten die öffentliche Meinung und gaben dem politischen Wandel eine religiöse Legitimität. Als die Qadscharen versuchten, das Verfassungsparlament zu zerstören, verteidigten Chorasani und seine Mitstreiter öffentlich das Parlament und riefen das Volk zum Widerstand auf.

Aus seinen Schriften und politischen Stellungnahmen lassen sich mehrere zentrale oolitisch-theologische Kernüberzeugungen herausarbeiten:

bulletAblehnung absoluter Herrschaft durch Geistliche.
bulletUnterstützung demokratischer und verfassungsmäßiger Ordnung.
bulletFlexibilität und Anpassung der Rechtswissenschaft.
bulletSkepsis gegenüber formaler Theokratie.

Chorasani gilt als Schlüsselgestalt der schiitischen Theologie des späten 19. und frühen 20. Jh.n.Chr. Sein Einfluss auf die Usul-Forschung und auf nachfolgende Generationen von Gelehrten gilt als immens.Sein Engagement für Verfassung, Rechtsstaat und Beteiligung der Bevölkerung machte ihn zu einem pionierhaften Reform-Denker — oft als „Vater der schiitischen Demokratie“ bezeichnet.

Viele der später wichtigen schiitischen Geistlichen und Intellektuellen sahen in ihm Vorbild und Ausgangspunkt für moderne Debatten über Religion, Gesellschaft und Regierung.

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