Beschneidung

Miniatur zu den Feierlichkeiten zur Beschneidung der drei Söhne eines Sultans. (Surname-i Vehbi 18. Jh.)
Beschneidung - Zirkumzision

Aussprache: chitaan
arabisch:
ختان
persisch:
ختنه
englisch: Circumcision

bullet Beschneidung beim Mann
bullet Beschneidung bei der Frau

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Beschneidung beim Mann

Die Beschneidung des männlichen Geschlechtsteils und damit Entfernung der Vorhaut ist für die muslimischen Männer Pflicht und wird in der Regel bei männlichen muslimischen Kindern schon frühzeitig - oft als Baby - von den Eltern veranlasst. Bei später konvertierten Muslimen kann dies durch einen einfachen Eingriff mit örtlicher Betäubung nachgeholt werden. Die Beschneidung ist Voraussetzung für die Gültigkeit des Umkreisens der Kaaba bei der Pilgerfahrt und der Wallfahrt. Es entspricht dem Vorbild der Propheten beschnitten zu sein. Es gilt als eines der Zeichen des Prophetentums, dass die Propheten bereits beschnitten - also ohne Vorhaut - geboren werden.

Vom medizinischen Standpunkt hat die Beschneidung des Mannes u.a. folgende Vorteile:

bulletHygiene, die Ablagerung unter der Vorhaut wird verhindert.
bulletDie Übertragung des Papilloma-Virus auf die Frau (eines Genital-Warzen-Virus, der eine Vorstufe von Krebs, vor allem Gebärmutterhalskrebs, auslösen kann), wird dadurch weitgehend verhindert, da sich diese Viren nicht mehr unter der Vorhaut verbergen können.
bulletDas Vorkommen von Penis-Karzinomen bei beschnittenen Männern ist etwa gleich Null, bei nicht beschnittenen um einige Prozent höher.
bulletGenerell wird durch die Entfernung der Vorhaut die Übertragung infektiöser Erkrankungen im Genital-Bereich entscheidend reduziert.
bulletDurch frühe Beschneidung wird die bei männlichen Babys natürliche Vorhaut-Verengung aufgehoben. Die Verengung kann zu Harnwegs-Infekten und anderen Entzündungen führen.

Nachteile der Beschneidung des Mannes sind praktisch keine bekannt, wenn diese sachgerecht durch einen medizinischen Fachmann durchgeführt wurde.

In manchen Ländern (z.B. der Türkei) werden Jungen erst im späteren Kindesalter beschnitten und die Zeremonie mit einer großen Familienfeier verbunden, wobei sich islamische Elemente mit traditionellen Elementen mischen.


Beschneidungsraum der Sultane im Topkapi-Saray (Istanbul) mit Wasserbrunnen zur Reinigung (2006)

Beschneidung bei der Frau

Die Beschneidung der Frau ist ein sehr kontroverses Thema unter Muslimen. Während einige Rechtsschulen (z.B. die dschafaritische) dieses ablehnen, wird es in manchen anderen Rechtsschulen geduldet bzw. sogar begrüßt und bedauerlicherweise auch praktiziert.

In den Rechtsbücher der vier sunnitischen Rechtsschule kommt an einigen Stellen die Rede über die Beschneidung der Frauen vor. Man findet aber unterschiedliche Meinungen zwischen "erlaubt", "empfohlen" oder sogar Pflicht. Entsprechend ist auch die Verbreitung der Frauenbeschneidung geographisch auf die Regionen begrenzt, in denen es religiös geduldet bzw. gefördert wird. So ist es z.B. in Ägypten und Indonesien bekannt und teilweise verbreitet aber z.B. im Iran oder Algerien weitestgehend unbekannt. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass die oben genannten Argumente einiger Rechtsbücher zunehmend an Bedeutung verlieren und die religiöse Rechtfertigung zunehmen schwieriger fällt, da die Glaubhaftigkeit bzw. Authentizität und Sachlichkeit derartiger Rechtsurteile und der dazu gehörenden Überlieferung angezweifelt wird.

Die Herkunft der Frauenbeschneidung ist nachweislich nicht islamischer Art, zumal sie auch pharaonischen Frauenbeschneidung genannt wird und in Ägypten auch von den Christinnen praktiziert wird.

Die Beschneidung der Frau weist im Gegensatz zur Beschneidung des Mannes keine medizinisch relevanten Vorteile auf, jedoch eine Reihe von Nachteilen, so z.B.

bulletWundinfektionen sind bei der weiblichen Beschneidung aufgrund der weiblichen Anatomie sehr häufig.
bulletNarbenbildung, die bei Geburten hinderlich und gefährlich ist.
bulletGefahr von Harnwegsinfektionen durch Vernarbung, da die Blase oft nicht vollständig oder nur mit großen Schwierigkeiten entleert werden kann.
bulletUnterleibs-Infektionen und Stauungen, da Menstruationsblut nicht oder nur ungenügend abfließen kann.
bulletDadurch entsteht Infektionsgefahr für das Baby bei der Geburt (Keime gelangen in Augen und Nase etc.)
bulletDie stark vernarbten weiblichen Geschlechtsteile begünstigen Infektionen im Genitalbereich.
bulletDurch Entfernung oder Beschädigung der Klitoris wird die Frau der sexuellen Erfüllung beraubt.
bulletDurch starke Vernarbung kann die Geburt derart verzögert werden, dass das Kind unter Sauerstoffmangel leidet. Im Extremfall kann dies zu Totgeburten führen.

Eine muslimische Ärztin hat in Westafrika festgestellt, dass durch solche schwierigen Geburten oft vesico- und recto-vaginale Zysten entstehen, wodurch das Ausscheidungssystem der Frau nicht mehr funktioniert.

Aus den oben genannten Gründen und dem hohen Gebot des Islam, die Gesundheit des Menschen zu schützen, ist eine Frauenbeschneidung abzulehnen.

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