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Der Cezayirli Gazi Hassan Pascha Landsitz (Cezayirli Hasan
Paşa Köşkü) ist ein spätosmanischer Landsitz, welches von
Cezayirli Gazi Hassan Pascha gebaut und genutzt wurde.
Es handelte sich um einen befestigt wirkender Aussichtsbau
bei Ezine in der Provinz
Tschanakkale (Çanakkale). Er liegt zwischen den Dörfern Üvecik und
Mahmudiye im Gebiet Yerkesiği, heute am Rand des
Troia-Nationalparkraums. Um auf dem schwer zugägnlichen
Gelände das Landhaus erreichen zu können, ist ein Fahrzeug mit
hohem Radstand hilfreich.
Von dem früher größeren Gutskomplex sind nur noch Ruinen
und ein markanter steinerner Turmbau erhalten. Offizielle
lokale Quellen nennen ungefähr 1785 n.Chr. als Grundsjahr.
Der Bau gehörte zu einem größeren Çiftlik, also einem
landwirtschaftlichen Gut. Deshalb ist die heute oft gebrauchte
Bezeichnung „Köşk“ (Pavillion, Landhaus) vereinfachend. Was
heute steht, ist eher ein burgartiger Wohnturm (Ayan-Kule),
also ein repräsentativer, zugleich defensiv wirkender
Landsitz. Lokale Überlieferungen bezeichnen ihn auch als
Jagdhaus
Hassan Paschas.
Architektonisch fällt der Bau durch seinen kompakten,
nahezu turmartigen Charakter auf. Er besitzt mehrere
Geschosse, massive Steinmauern und kleine vorspringende
turmartige Erker bzw. Aussichtskanzeln an den oberen Ecken.
Gerade diese ungewöhnliche Form hebt ihn von normalen
osmanischen Landhäusern des 18. Jh.n.Chr. ab.
Der Standort war wahrscheinlich nicht zufällig gewählt. Von
dort konnte man die umliegende Ebene und wichtige Verkehrswege
überblicken. In populären Darstellungen wird außerdem
behauptet, Hasan Paşa habe von hier aus den Schiffsverkehr in
Richtung
Dardanellen (Çanakkale Boğazı)
überwacht. Diese strategische Funktion ist plausibel, sollte
aber nicht mit einer regulären Festung verwechselt werden.
Tatsache ist die Nähe zum Meer und den Häfen in
Tschanakkale (Çanakkale), die damals in wenigen Stunden erreichbar gewesen
wären.
Nach
Hassan Paschas 1790 n.Chr. scheint das Anwesen relativ
schnell an Bedeutung verloren zu haben. Quellen deuten darauf
hin, dass das Gut im 19. Jh. n.Chr. bereits teilweise
verfallen war. Eine historische Darstellung von
Choiseul-Gouffier zeigt den Bau noch zusammen mit weiteren
Gebäuden und einer nahe gelegenen
Moschee und Siedlungsstruktur, die es heute nicht mehr
gibt.
Der Köşk wird seit einigen Jahren archäologisch untersucht.
Die Anlage wurde 2021 n.Chr. unter Denkmalschutz gestellt.
Neuere Ausgrabungen unter wissenschaftlicher Leitung von
Forschern der Çanakkale Onsekiz Mart Üniversitesi und unter
Beteiligung des Troya-Museums haben weitere Mauern,
Hofbereiche und Nebengebäude des ursprünglichen Gutskomplexes
freigelegt.
Das erklärt auch, warum man heute im Wesentlichen einen
isolierten Turm mitten in der Landschaft sieht: Ursprünglich
stand er nicht allein, sondern war Bestandteil eines deutlich
größeren landwirtschaftlichen und herrschaftlichen Ensembles.
Ein reizvolles Detail betrifft
Hassan Paschas berühmten gezähmten Löwen. Bei den
archäologischen Arbeiten wurde sogar öffentlich darüber
spekuliert, ob sich Hinweise darauf finden lassen könnten, wo
das Tier auf dem Gut gehalten wurde. Bislang ist aber kein
archäologischer Nachweis eines „Löwengeheges“ bekannt.