.Bücher
zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Dars al-Charidsch ist die höchste Lehrstufe in der
inoffiziellen Studienordnung bei der Ausbildung zur
selbständigen Rechtsfindung [idschtihad] an den Seminaren
in Qum,
Nadschaf und anderen Orten.
Dars al-Charidsch bedeutet wörtlich: „Unterricht außerhalb
(des Buches)“. Gemeint ist ein Unterricht, der nicht mehr an
ein bestimmtes Lehrbuch (matn) gebunden ist, sondern
„außerhalb“ der klassischen Textbücher stattfindet.
Dars al-Charidsch gilt in der klassischen Einteilung der
Lehrstufen in einer
Hawza
als die Stufe, auf der ein Student
Rechtsgelehrter [mudschtahid] werden kann und damit zur
selbständige Rechtsfindung [idschtihad] befähigt
wird.
Im praktischen Ablauf einer solchen Unterrichtseinheit wird
meist
Islamische Rechtswissenschaft [fiqh] und
Methodenlehre (Usul al-fiqh) behandelt. Der Lehrer ist oft
ein
Vorbild der Nachahmung. Er wählt ein Thema (z.B.
Vergleichsschluss [qiyas] in der
Methodenlehre (Usul al-fiqh), nennt die relevanten
Meinungen der früheren und aktuellen
Gelehrten [faqih], analysiert die Beweise auf Grundlage
der
Quellen der Erkenntnis, kritisiert die Argumente, und
formuliert dann seine eigene Schlussmeinung.
Die Studenten erstellen Mitschriften der Vorlesungen,
versuchen, selbst mitzudenken, Beweise zu prüfen, Einwände zu
formulieren und werden so schrittweise zur
selbständige Rechtsfindung [idschtihad] angeleitet.
Der Unterricht heißt „außerhalb“, weil der Unterricht nicht
„im“ Text eines Standardwerks gefangen ist, sondern „außerhalb
der Bücher“, frei über alle Quellen hinweg geführt wird. In
der Praxis zitiert der Lehrer ständig Bücher, aber: er folgt
keinem einzelnen Text Zeile für Zeile, sondern analysiert und
vergleicht eine Vielzahl von Quellen, und erschafft damit
gewissermaßen einen eigenen Diskurs im Rahmen der
Islamischen Rechtswissenschaft [fiqh].
Typische Merkmale von Dars al-Charidsch sind die Tatsache,
dass der Lehrer ein
Vorbild der Nachahmung oder
Groß-Ayatollah ist und der Unterricht offen ist. Es nehmen
nicht nur 5–10 Stundenten statt, wie bei normalen
unterrichtseinheiten, sondern oft Dutzende, manchmal Hunderte
Studenten. Und die Studenten sind bereits in höheren
Hawza-Stufen. Es gibt keinen festen „Text“, sondern
Themenblöcke. Die Mitschriften der besten Studenten werden
später oft als eigene Bücher veröffentlicht.