Hammerschmidt
Abdullah Karl Eduard Hammerschmidt

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englisch: Carl Eduard Hammerschmidt

12.6.1801 - 30.8.1874 n.Chr.

Bild: Mit Bildtitel: Doktor Abdullah Bey.

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Abdullah Karl Eduard Hammerschmidt, auch bekannt als Abdullah Bey, war ein österreichischer Mineraloge, Entomologe und Arzt, der den Islam angenommen hat. Er war auch Mitbegründer des Roten Halbmondes.

Er wurde am 12.6.1801 in Wien geboren. Sein Rechtsstudium führte nicht zur Advokatur. Obwohl er im Anschluss als Redakteur der Landwirtschaftlichen Zeitung und als Entomologe einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hatte, begann er ein Studium der Medizin, wobei allerdings kein Abschluss nachweisbar ist. Möglicherweise hatte Hammerschmidt Rechtswissenschaft studiert, da man damals im naturwissenschaftlichen Bereich nur geringe Verdienstmöglichkeiten hatte, und seine naturwissenschaftlichen und medizinischen Studien zusätzlich dazu betrieben. Er betätigte sich in verschiedenen Naturwissenschaften und wurde in Anerkennung seiner Leistungen 1833 in die Kaiserlich-Leopoldinische Akademie der Naturforscher in Bonn aufgenommen. Er gilt als einer der Pioniere der Äthernarkose und führte in den Jahren 1847 und 1849 zusammen mit dem Zahnarzt Dr. Weiger zahlreiche Versuche zur Äthernarkose bei Zahnoperationen durch. Das führte zu einer viel beachteten Veröffentlichung im Juli 1847 mit einer umfangreichen Statistik über mehr als 1.500 Äthernarkosen und Versuche. Seine ethnischen Grundsätze wurden in zahlreichen Veröffentlichungen deutlich. In zwei Publikationen aus den Jahren 1847/48 beschäftigte er sich beispielsweise mit der Verhinderung von Misshandlungen bei Tierversuchen.

Allerdings führte sein Gerechtigkeitssinn auch zu vielen Konflikten mit der Obrigkeit. So kritisierte Hammerschmidt in 1846 in der Zeitung die Neuerrichtung eines Kaiser-Franz-Denkmals. 1847 wagte er es sogar, sich über Verzögerungen in der Zensur zu beschweren, zum Unmut der Beamten.

Seine Abneigung gegen den Hof wurde immer deutlicher. So soll er in den Aufstand von 1848 n.Chr. verwickelt sein, wofür er zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Hammerschmidt hielt sich jedoch nach der Niederschlagung des Aufstands in Ungarn auf. Er trat in die ungarische Armee, kämpfte zuletzt unter dem polnischen General Józef Bem in Siebenbürgen und wurde 1849 mit vielen Genossen über die osmanische Grenze gedrängt. Andere behaupten, dass er selbst nach Istanbul floh.

Daraufhin trat er in die ungarische Armee, kämpfte zuletzt unter dem polnischen General Józef Bem in Siebenbürgen und wurde mit vielen Genossen über die osmanische Grenze gedrängt. Die Osmanen erkannten seine Fähigkeiten und setzten ihn als Lehrer an der medizinischen Schule zu Istanbul ein im Gülhane-Krankenhaus. Die Habsburgische Monarchie verlangte im selben Jahr von den Osmanen die Auslieferung aller Flüchtlinge, die an dem Aufstand von 1848 beteiligt waren, doch lehnten die Osmanen die Auslieferung ab. Die Österreicher konnten aber durchsetzen, dass jene Personen observiert wurden, und dass sie sich nicht zu nahe an der Grenze aufhalten sollten. Hammerschmidt musste seine Aufgabe aufgeben.

Während alle anderen Flüchtlinge in Aleppo zusammengezogen wurde, zog Hammerschmidt nach Damaskus. Dort arbeitete er als Arzt im Krankenhaus. Er diente auch als Arzt im Krimkrieg in der Armee der Osmanen. Später war er während der Wiener Ausstellung türkischer Kommissar und seit 1873 Lehrer der Mineralogie und Zoologie an der medizinischen Schule zu Istanbul. In dieser Zeit gründete er ein naturhistorisches Museum.

Als in den 1860er Jahren die internationalen Gespräche zur Gründung des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes abgehalten wurden, war Hammerschmidt, der bereits 1864 vom Zentralkomitee des Internationalen Roten Kreuzes in Genf mit der Gründung einer solchen Organisation in der Türkei beauftragt worden war, der maßgebliche Vertreter der Osmanen, weshalb er auch als maßgeblicher Mitbegründer des Roten Halbmondes gilt. In jene Zeit fällt auch seine Annahme des Islam, wonach er sich Abdullah Bey nannte. Wann genau er den Islam angenommen hat, ist nicht bekannt. Schließlich wurde ihm als späte Anerkennung von Österreich-Ungarn im Jahre 1869 die goldene Medaille für Wissenschaft und das Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens verliehen. 1873 hielt er sich nach langer Zeit erstmalig wieder in Wien auf während der Wiener Weltausstellung als osmanischer Kommissar.

Außer zoologischen und geologischen Lehrbüchern in türkischer Sprache lieferte Hammerschmidt wertvolle Beiträge zur geologischen und zoologischen Kenntnis der Bosporusgegenden. Er starb nach der geologischen Untersuchung einer neuen Eisenbahnlinie in Anatolien am 30.8.1874 in Istanbul.

Hammerschmidt war Mitglied der Royal Entomological Society of London.

Seine bekannten Werke sind:

bulletBeschreibung eines neuen mexicanischen Schmetterlinges (Cossus) Redtenbacheri Hammerschmidt, dessen Entwickelung in Wien beobachtet wurde, mit 1 lith. Tafel. Wien, 1847
bulletHelminthologische Beiträge, Beschreibung einiger neuer in Insekten entdeckten Oxyuris-Arten. Wien, 1847.
bulletBeschreibung einiger Oxyuris-Arten. In: Naturwissenschaftliche Abhandlungen, 1 (1847).

Die Islamische Fachschule für Soziale Bildung in Wien trägt zusätzlich den Namen Hammerschmidt seit 2008.

Die Türkische Post widmete ihm 1968 eine Sonderbriefmarke anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung des Roten Halbmondes.

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