Klausur
Klausur (Itikaf)

Aussprache:
arabisch:
اعتكاف
persisch:
اعتکاف
englisch:
Iʿtikāf

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Eine Klausur (Itikaf) ist eine zeitlich begrenzte spirituelle Zurückziehung in eine Moschee mit der Absicht [niyya], Allah näherzukommen.

Es ist eine eigene gottesdienstliche Handlung mit Absicht [niyya], Fasten [saum], Mindestdauer und bestimmten Grenzen. In der Regel wird als Mindestdauer drei Tage bzw. zwei Nächte und drei Tage angegeben.

Itikaf ist eine Form des Gottesdienstes, bei der der Gläubige sich bewusst aus dem normalen Alltagsfluss herausnimmt: weniger Geschäft, weniger Gespräche, weniger Weltliches; mehr Ritualgebet und Bittgebet, Lesen des  Heiligen Quran, Lobpreisverlesung [dhikr], Nachdenken, Buße [tauba] und rituelle Reinigung.

Der Begriff kommt vom arabischen Stamm ʿa-k-f, sinngemäß: bei etwas verweilen, sich an etwas binden, sich einer Sache widmen. In der religiösen Praxis bedeutet das: Man „bindet“ sich für eine bestimmte Zeit an den Ort der Anbetung und an die Nähe ALLAHs.

Im Islam ist Itikaf besonders mit dem Monat Ramadan, der Nacht der Bestimmung [lailat-ul-qadr] und der inneren Erneuerung verbunden. Es kann grundsätzlich im Jahr auch zu anderen Zeiten stattfinden, aber im Monat Ramadan, insbesondere in den letzten zehn Nächten, gilt es als besonders empfohlen [mustahab]. Durch ein Gelübde [nadhr] oder eine andere Verpflichtung kann Itikaf auch verbindlich werden.

Zu den Voraussetzungen von Itikaf gehören die Absicht [niyya], Fasten [saum] zur Annäherung an ALLAH [urbatan ilā-llāh], die Mindestdauer von drei Tagen, wobei es aber keine festgelegte Höchstdauer gibt.

Ein zentrales Merkmal ist, dass der Mutakif, also die Person im Itikaf, das Fasten [saum] praktiziert. Deshalb ist Itikaf nur an Tagen möglich, an denen das Fasten für diese Person gültig ist. Wer aus religiösen Gründen nicht fasten kann, etwa wegen Reise, Krankheit oder anderer Hindernisse, kann grundsätzlich keinen gültigen Itikaf verrichten, solange das Fasten [saum] nicht gültig möglich ist.

Itikaf muss in einer Moschee stattfinden. Der Heilige Quran erwähnt Itikaf im Zusammenhang mit Moscheen, insbesondere in 2:187, wo eheliche Intimität während des Aufenthalts zum Gottesdienst in den Moscheen untersagt wird.

Ein üblicherweise während des Itikaf gelesenes Bittgebet ist das Bittgebet von Abu Hamza Thumali und das Bittgebet von Kumail. Zudem werden viele Passagen aus Sahifat-ul-Sadschadiyya gelesen.

Während des Itikaf unnötige weltliche Gespräche, Streit, Polemik und Rechthaberei, Zeitverschwendung am Handy, geschäftliche Ablenkung, luxuriöse oder bequeme Selbstinszenierung und soziale Selbstdarstellung: zu vermeiden.

Grundsätzlich bleibt der Muʿtakif in der Moschee. Das Verlassen ist nur für notwendige Angelegenheiten erlaubt, etwa: Toilettengang, notwendige rituelle Reinigung, zwingende medizinische Bedürfnisse, notwendige Beschaffung, wenn keine andere Möglichkeit besteht und andere unvermeidbare Notwendigkeiten. Dabei soll man den Aufenthalt außerhalb so kurz wie möglich halten und keine zusätzlichen weltlichen Tätigkeiten einbauen.

Itikaf steht im direkten Zusammenhang mit Imam Ali (a.), zumal die Empfohlenen [mustahab] Tage mit dem Martyrium von Imam Alis (a.) zusammenfallen. Dadurch wird Itikaf zusätzlich verbunden mit Trauer.

Der tiefere Sinn des Itikaf ist die Rückkehr zur wahren Menschlichkeit. Der Mensch lebt normalerweise zerstreut: Arbeit, Familie, Politik, Medien, Sorgen, Wünsche, Konflikte. Itikaf setzt einen Schnitt. Die Moschee wird für einige Tage zum Mittelpunkt des Lebens. Der Tagesrhythmus wird ausschließlich vom Ritualgebet bestimmt, nicht von Terminen. Der Körper wird durch Fasten [saum] diszipliniert. Die Zunge wird durch Lobpreisverlesung [dhikr] gereinigt. Das Herz wird durch Bittgebete erweicht.

Itikaf soll den Menschen aus der Herrschaft der Seele [nafs] lösen und ihn stärker an ALLAH, den Heiligen Quran und die Führung der Ahl-ul-Bait (a.) binden. Es ist eine kleine, freiwillige Auswanderung [hidschra] aus der Zerstreuung hin zur Gottesgegenwart.

Obwohl Itikaf eine Form der Abgeschiedenheit ist, findet er meist in einer Gemeinschaft statt. Das ist kein Widerspruch. Man ist gemeinsam in der Moschee, aber jeder arbeitet an seiner eigenen Seele. Verbindende Gespräche erfolgen zur Annäherung an ALLAH.

Itikaf ist für beide Geschlechter gleichermaßen möglich, wenn die Räumlichkeiten dafür geeignet sind. Bei verheirateten Personen darf Itikaf aber nicht mit ehelichen Rechten oder familiären Pflichten kollidieren.

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