Blutvogellegende
Legende vom Blutvogel Imam Husains (a.)

Aussprache:
arabisch:
persisch:
englisch:

.Bücher zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.

Die Legende vom Blutvogel Imam Husains (a.) gehört zu den Geschichten, die im Rückblick auf die Ereignisse von Aschura frei erfunden werden, um währen der Trauerzeremonien zu Muharram das Publikum zu beeindrucken.

Es ist im Islam verboten eine Unwahrheit als authentische Geschichte vorzustellen. Ayatollah Morteza Motahhari hat ein unfangreiches Buch über derartige Übertreibungen verfasst und darauf hingewiesen, dass solche Geschichten der Heiligkeit der Ereignisse von Aschura schaden könnten.

Die Legende vom Blutvogel Imam Husains (a.) steht exemplarisch für zahlreiche derartige Geschichten, deren Legendencharakter auch von Nichtexperten erkannt werden kann. Die Legende lautet sinngemäß:

"Nach dem Martyrium Imam Husains (a.) landete ein Vogel, dessen Farbe weiß war, auf dem toten Körper Imam Husains (a.). Er bedeckte seine Flügel mit dem Blut von Imam Husain (a.) und flog zu einem Ort, wo viele Vögel im Schatten von Bäumen saßen und sich unterhielten. Als er dort ankam, sagte er zu den anderen Vögeln: „Wie tragisch! Ihr redet von eurem Essen und der Enkel des Propheten (s.) wurde auf der Ebene von Kerbela abgeschlachtet. Sein toter Körper liegt auf dem heißen Sand und sein vergossenes Blut ist noch frisch.

Als die anderen Vögel diese Nachricht hörten, flogen sie nach Kerbela und sahen, wie Imam Husain (a.) niedergemetzelt worden war, während die verfluchte Armee von Yazid seinen Heiligen Kopf nach Kufa trug. Der tote Körper des Imam Husain (a.)  lag dort ohne rituelle Vollkörperreinigung [ghusl] oder Leichentuch und war unter den Hufen der Pferde zertrampelt worden. Der heiße Sand der Wüste bedeckte den toten Körper und Tiere des Dschungels und Dschinn waren zum Trauerbesuch (Ziyarat) angekommen.

Als die Vögel diese große Szene der Unterdrückung sahen, begannen sie laut zu weinen. Alle Vögel bedeckten ihre Flügel mit dem Blut von Imam Husain (a.) und flogen in verschiedene Richtungen.

Sie fingen an, den Leuten zu sagen: „O Leute, Imam Husain (a.) wurde in Kerbela abgeschlachtet. Muslime haben die ganze Familie des Propheten (s.) zerstört.“ Wo diese Vögel hingingen, sammelten sich auch andere Vögel um sie. Alle würden den Tod des Imams betrauern. Einer dieser Vögel kam nach Medina und ging zum Schrein des Propheten (s.).

Er erzählte dem Propheten (s.) immer wieder, wie Imam Husain (a.) abgeschlachtet wurde. Als die anderen Vögel diesen Vogel sahen, versammelten sie sich um ihn und alle begannen zu trauern. Als die Leute von Medina das sahen, konnten sie nicht verstehen, was passiert war. Sie notierten den Tag des Schreiens dieser Vögel. Nach einiger Zeit, kam die Nachricht vom Märtyrertod von Imam Husain (a.) nach Medina und sie erkannten, dass der Imam (a.) am selben Tag gemartert worden war, als sie diese Vögel gesehen hatten.

Ein Vogel flog vom Schrein des Propheten und landete im Garten eines Juden. Er saß auf einem Baum und weinte die ganze Nacht über Imam Husain (a.). Der Besitzer dieses Gartens hatte eine blinde und behinderte Tochter. Der Jude brachte seine Tochter tagsüber in den Garten und brachte sie Abends zurück ins Haus. An diesem Tag war der Jude jedoch sehr beschäftigt und konnte seine Tochter nicht mit nach Hause nehmen. Also verbrachte das Mädchen die ganze Nacht unter dem Baum auf dem der Vogel trauerte.

Ein Tropfen des heiligen Blutes von Imam Husain (a.) fiel von seinen Flügeln auf ein Auge dieses blinden Mädchens. Mit dem Segen des Blutes von Imam Husain (a.) wurde die Augen und alle ihre Behinderungen geheilt. Als der Vater am Morgen in den Garten kam, sah er ein gesundes Mädchen im Garten spazieren gehen. Er fragte sie: „Weißt du, wohin meine kranke und blinde Tochter gegangen ist?" Die Tochter antwortete: „O mein Vater, ich glaube, du erkennst mich nicht. Ich bin deine kranke und behinderte Tochter.“ Als der Jude dies hörte, fragte er seine Tochter, wie sie geheilt worden sei. Die Tochter erzählte es ihm, dass es die Tropfen von dem Vogel waren. Dieser Jude sagte zu dem Vogel: „Oh Vogel, um dessen willen, der dich erschaffen hat, sprich zu mir in meiner Sprache." Allah segnete diesen Vogel mit der Fähigkeit, in der menschlichen Sprache zu sprechen.

Der Vogel erzählte die Geschichte wundersam in menschlicher Sprache. Als der Jude dies hörte, sagte er: „Zweifellos ist die Religion des Großvaters von Imam Husain (a.) die wahre Religion Status einer solchen Persönlichkeit." Der Jude nahm sofort zusammen mit 500 Menschen aus seinem Stamm den Islam an."

Als Quelle der Legende werden zumeist nicht prüfbare oder nicht existierende Quellen angegeben. Die Geschichte enthält zahlreiche Fehler, die jeder kundige Muslim auf Anhieb erkennen kann. Selbst wenn man an das Wunder glauben würde, dass so viele Vögel direkt zu Menschen sprachen, obwohl es in den zuverlässigen Quellen dafür keinen einzigen Beleg gibt, gibt es klare Fehler in der Geschichte, die den Erfindungscharakter offen legen.

Imam Husains (a.) hat das Martyrium erlangt. Insofern bedurfte es für ihn gar keiner rituellen Vollkörperreinigung [ghusl]. Ein Martyrer wird ohne rituelle Vollkörperreinigung [ghusl] und ohne Leichentuch beigesetzt. Außerdem ist die Strecke zwischen Kerbela und Medina so weit (ca. 1200 km), dass sie von einem Vogel (oder gar mehreren Vögeln) nicht an einem halben Tag bewältigt werden kann.

Nach manchen Gelehrten [faqih] ist es allerdings erlaubt solch eine Geschichte zu erzählen, wenn unzweifelhaft auf den mystischen Charakter und die frei Erfindung der Legende hingewiesen wird.

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de