Lossagung [tabarra]
Lossagung [tabarra]

Aussprache: tabarra
arabisch:
تبری
persisch:
تبری
englisch:
dissociation

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Die Lossagung [tabarra] ist eine der zehn Pflichten der Zweige der Religion [furu'ad-din]. Es bedeutet die Lossagung von den Feinden der Ahl-ul-Bait (a.) und hängt direkt zusammen mit dem Liebeserweis [tawalla].

Die Identifikation eines solchen Feindes obliegt aber strengen moralischen Vorschriften, so dass nicht jede unbedeutende oder unwissende Gegnerschaft unter dieses Prinzip fällt. Dazu gibt es die Überlieferung von Prophet Muhammad (s.), dass sein jüdischer Nachbar jeden Tag seinen Unrat vor das Haus des Propheten Muhammad (s.) ablud. Als er es eine Weile nicht tat, erkundigte sich Prophet Muhammad (s.) nach seinem Befinden und schenkte ihm Trost, als er erfuhr, dass jener krank sei. Dieser wurde durch das barmherzige Verhalten des Propheten Muhammad (s.) derart gerührt, dass er den Islam annahm. Ähnliche Überlieferungen gibt es zu vielen Gegnern der Ahl-ul-Bait (a.).

Die Lossagung betrifft jene, die aktiv und gleichzeitig lebensbedrohlich und/oder in schwerwiegender Weise die Ehre, Würde oder das Leben durch ihre Feindschaft zu den Ahl-ul-Bait (a.) gefährden. Wer Wahrheit, Gerechtigkeit und Ahl-ul-Bait (a.) liebt, kann nicht gleichzeitig mit deren Unterdrückern innerlich solidarisch sein.

Es werden zwei Begriffe dazu verwendet:

bulletAt-tabarra [التبری] Sich-Lossagen, Sich-Distanzieren, Sich-Freimachen von den Feinden ALLAHs, des Propheten und der Ahl-ul-Bait (a.).
bulletAl-baraʾa [البراءة]: Lossagung, Freispruch, Distanzierung.

Der Begriff der Lossagung geht zurück auf den Heiligen Qur'an (9:1), als die Feinde des Propheten Muhammad (s.) ein gemeinsam unterzeichnetes Abkommen widerrechtlich brachen, so dass auch die Muslime den Vertrag aufkündigten bzw. sich "lossagten" von den Feinden.

Die besondere Bedeutung dieser Lossagung wird auch in den Regeln zum Fasten [saum] deutlich. Denn ALLAH, dem Propheten Muhammad (s.) oder den Ahl-ul-Bait falsche Dinge bzw. Unwahres zuzuschreiben führt zum Fastenabbruch.

Bei seiner Hadsch-Botschaft im Jahr 1440 n.d.H. (2019 n.Chr.) hat Imam Ali Chamenei einen besonderen Wert auf die Lossagung gelegt: „Das Ritual der Lossagung ist einer der großen Segnungen der Pilgerfahrt und eine Chance für die unterdrückten muslimischen Nationen. Sich heute von der Front der Götzenanbetung, der Wahrheitsverdeckung Ungläubigen der Hochmütigen und an ihrer Spitze der USA loszusagen, bedeutet sich von dem Mord an die Unterdrückten und der Kriegstreiberei loszusagen. Die Lossagung ist heute wie eine schelte der islamischen Nation gegenüber dem kindermordenden zionistischen Regimes. Die Lossagung ist heute die Abneigung gegen Rassismus und Diskriminierung aufgrund von Geografie, Rasse und Hautfarbe. Die Lossagung ist heute die Abneigung gegenüber den hochmütigen, niederträchtigen und manipulativen Taten der Aggressoren. Heute ist eine der wichtigsten Angelegenheiten in der islamischen Welt, die Angelegenheit Palästina, die in allen politischen Angelegenheiten der Muslime, unabhängig von der Rechtschule, Ethnien und Sprache an erster Stelle steht. ...

Der Heiligen Quran nimmt eine sehr differenzierte Einstellung zum Thema ein. Sure 60:8 sagt ausdrücklich, dass ALLAH nicht verbietet, gegenüber denen gütig und gerecht zu sein, die andere nicht wegen der Religion bekämpft und sie nicht aus ihren Häusern vertrieben haben. Das ist theologisch sehr wichtig, weil Tabarra nicht als Erlaubnis zur Ungerechtigkeit gegenüber beliebigen Andersdenkenden verstanden werden darf.

Gleichzeitig (58:22) heißt es sinngemäß: „Du wirst kein Volk finden, das an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, während es diejenigen liebt / loyal unterstützt, die Allah und Seinem Gesandten widerstreiten …“

Die Lossagung ist eine aktive Einstellung, die sich auch äußerlich manifestiert. Gemäß einer Überlieferung [hadith] wurde zu Imam Sadiq (a.)) gesagt: „Eine bestimmte Person zeigt sich als euer Anhänger, doch er ist zu schwach, sich von eurem Feind loszusagen.“Daraufhin antwortete er (a.): „Weit gefehlt! Der lügt, der unsere Liebe beansprucht und sich nicht von unserem Feind lossagt.“

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