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Das Mausoleum der
Mihrischah Sultan (Mihrişah Vâlide Sultan Türbesi) gehört
zum
Mihrischah-Valide-Sultan-Komplex (Mihrişah Vâlide Sultan
Külliyesi) in Eyüp am
Goldenen Horn.
Es ist als Grabstätte ein repräsentatives Denkmal der
spätosmanischen Hofarchitektur. Seine Bedeutung beruht vor
allem auf der ungewöhnlichen Grundform, der reichen
barock-rokokohaften Ausstattung und der engen Verbindung
zwischen dynastischem Totengedenken, religiöser Stiftung und
öffentlicher Wohlfahrt.
Mihrischah Sultan ließ den gesamten Komplex zwischen 1792
und 1796 an.Chr. errichten.
Das Mausoleum wurde bereits zu Mihrişahs Lebzeiten gebaut.
Als sie am 16. Oktober 1805 im
Topkapi Palast starb, wurde ihr Leichnam in einer
feierlichen Prozession nach Eyüp gebracht und dort in der von
ihr selbst gestifteten Türbe bestattet.
Das Mausoleum ist in eine lange, repräsentative Marmorfront
eingebunden, die das Erscheinungsbild des gesamten Komplexes
prägt. Diese Straßenfassade verbindet Grabstätte, Tore,
vergitterte Fenster, Sebil und Brunnen zu einer
zusammenhängenden architektonischen Komposition.
Vom öffentlichen Straßenraum gelangt man zunächst durch ein
aufwendig gestaltetes Tor in den Hof des Mausoleums und der
später entstandenen Hazîre, also des umgebenden Friedhofs. Das
Tor besteht aus verschiedenfarbigem Marmor und besitzt einen
geschwungenen, S-förmigen Bogen. Der Schlussstein ist als
stilisierte Muschel gestaltet. Über dem Bogen steht der
Koranvers: „Jede Seele wird den Tod kosten.“
Die Architektur des Tores ist zugleich ausgesprochen
dekorativ: gedrehte Säulen, Akanthusblätter, geschwungene C-
und S-Formen und muschelartige Motive gehören zum Repertoire
des osmanischen Barock.
Das Mausoleum ist aus weißem Marmor errichtet und besitzt
einen ungewöhnlichen, annähernd rund wirkenden Grundriss mit
zwölf oval beziehungsweise polygonal geformten Seiten. Über
dem Bau erhebt sich eine zentrale Kuppel.
Diese zwölfflächige Gestaltung unterscheidet die Türbe
deutlich von vielen älteren osmanischen Mausoleen, die häufig
quadratisch, achteckig oder polygonal mit strengeren
geometrischen Konturen angelegt sind. Die zwölf Seiten
gliedern sich funktional: eine Seite bildet den Eingang, zwei
Seiten enthalten Wand- beziehungsweise Schranknischen, neun
Seiten besitzen übereinander angeordnete Fenster. Durch diese
Fensterordnung wird der Innenraum stark belichtet. Das
Mausoleum erscheint deshalb heller und offener als viele
ältere, eher schwere und abgeschlossene Grabkammern.
Die Außenfassade wird durch eingebundene Säulen, Pilaster,
horizontale Gesimse und farbige Steinlagen gegliedert. Diese
Elemente teilen die Wandflächen in einzelne Felder und
verleihen dem Bau einen rhythmischen Wechsel von vertikalen
und horizontalen Linien.
Als besonders charakteristisch gelten die Fenster: Die
unteren Fenster besitzen metallene Gitter. Die oberen Fenster
sind als durchbrochene Gipsfenster mit farbigem Glas
ausgeführt. Die Fensterbögen haben geschwungene S-Profile. Die
Schlusssteine sind mit stilisierten Muschelformen geschmückt.
Vor dem eigentlichen Mausoleum liegt ein dreiteiliger,
offener Vorbau. Der mittlere Abschnitt ist von einer kleinen
Kuppel überdeckt, während die beiden seitlichen Abschnitte mit
Gewölben versehen sind. Die Innenflächen des Vorbaus tragen
gemalte Ornamente.
Der mittlere Bogen vor dem Eingang ist höher und breiter
als die seitlichen Bögen. Dadurch wird der Besucher visuell
auf das Portal gelenkt. Das Portal selbst ist aus schwarzem
und weißem Marmor zusammengesetzt. Auch hier findet sich der
S-förmige Bogen mit muschelförmigem Schlussstein.
Oberhalb der Tür befindet sich eine religiöse Inschrift.
Darüber erhebt sich ein reich verzierter Abschluss mit
Akanthus- und Palmettenmotiven sowie geschwungenen C- und
S-Linien. Das Portal wird von paarweise gesetzten Säulen
eingefasst. Rechts und links davon befinden sich rechteckige
Fenster.
Im Inneren setzt sich die zwölfteilige Gliederung fort. An
den inneren Ecken stehen beziehungsweise erscheinen zwölf
Säulen, welche die Übergänge zwischen den einzelnen
Wandflächen optisch abmildern. Dadurch wirkt der Raum weniger
polygonal und stärker zentralisiert.
Die untere Fensterreihe sorgt für Nähe zum Außenraum,
während die oberen farbigen Fenster das Licht filtern.
Besonders bei Sonneneinfall entsteht ein gedämpftes, farbiges
Licht, das die Grabkammer sakral und zugleich höfisch wirken
lässt.
Über den unteren Fenstern verlaufen Koranverse in
monumentaler
Thuluth-Schrift. Über den oberen Fenstern befinden sich
Medaillons mit heiligen Namen. Genannt werden:
ALLAH,
Prophet
Muhammad (s.), die vier
Rechtgeleiteten Kalifen,
Imam Hasan (a.) und
Imam Husain (a.) sowie mehrere
Gefährten des
Propheten
Muhammad (s.), darunter
Saad ibn Abi Waqqas,
Talha
ibn Ubaidullah und
Zubair ibn Awwam . Die Kalligraphien stammen von
Mahmud Dschalaluddin.
Die Kuppel ist der gestalterische Höhepunkt des Innenraums.
In ihrer Mitte befindet sich ein kreisförmiges Medaillon. Von
diesem Zentrum gehen zwölf wellenförmige Farbbänder aus, die
den zwölf Seiten des Bauwerks entsprechen. Die Bänder sind
geschwungene barocke C- und S-Ornamente mit florale Malereien.
Als Maler der Ausstattung wird als Mehmed Şevki genannt.
Wie in osmanischen Mausoleen üblich, befindet sich der
eigentliche Leichnam nicht sichtbar in der aufgestellten
Grabkiste. Die sichtbare Sanduka ist ein hölzernes oder
verkleidetes symbolisches Grabmal über der eigentlichen
Bestattung. Mihrişahs Sanduka steht links vom Eingang.
Im Mausoleum befinden sich insgesamt fünf Sanduken: