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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Mizancı Murad Bey, mit vollem Namen Mehmed Murad Bey, war ein
osmanischer Journalist, Historiker, Schriftsteller, Pädagoge
und Politiker des späten 19. und frühen 20. Jh. n.Chr.
In französischen Quellen erscheint sein Name meist als
Mourad Bey, zumal einige seiner Schriften ins Französische
übertragen worden sind. Er wurde 1854 in Huraki in Dagestan
geboren und starb 1917 in
Istanbul.
Er erhielt seine Ausbildung im Russischen Reich, besuchte
unter anderem ein Gymnasium in Stawropol und studierte
Rechtswissenschaften in Moskau. 1873 zog er nach
Istanbul. Dort arbeitete er zunächst im Staatsdienst und
unterrichtete später Geschichte und Staatskunde an höheren
Bildungseinrichtungen.
Berühmt wurde er durch die Zeitung „Mizan“, die er ab 1886
herausgab. Der Titel bedeutet sinngemäß „Waage“ oder
„Maßstab“. Nach dieser Zeitung erhielt er den Beinamen „Mizancı“,
also „der Mann des Mizan“ beziehungsweise „Herausgeber des
Mizan“. In seinen Artikeln forderte er Reformen,
Rechtsstaatlichkeit, eine verantwortungsbewusste Verwaltung
und die Wiederherstellung einer Verfassungsordnung.
Murad Bey gehörte zeitweise zur jungosmanischen
beziehungsweise jungtürkischen Opposition gegen Sultan
Abdülhamid II. Er ging ins europäische Exil und wurde in
Genf zu einer führenden Persönlichkeit eines Flügels der
Jungtürken. Seine Vorstellungen unterschieden sich jedoch
deutlich von denen stärker positivistisch und säkular
orientierter Oppositioneller wie Ahmed Rıza.
Murad Bey verband in seinen Vorstellungen osmanischen
Konstitutionalismus mit islamischen politischen
Ordnungsvorstellungen und die Loyalität zum Kalifat mit einer
eingeschränkten parlamentarischen Regierungsform. Die Einheit
der verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Reiches war ihm sehr
wichtig.
Er war daher kein einfacher republikanischer Revolutionär.
Er wollte das
Osmanische Reich reformieren und die Macht des Sultans
rechtlich begrenzen, nicht unbedingt das Kalifat abschaffen.
In der Forschung wird er häufig als Vertreter eines islamisch
geprägten oder panislamischen Flügels der jungtürkischen
Bewegung beschrieben.
Später versöhnte er sich zeitweilig mit
Abdülhamid II. und kehrte nach
Istanbul zurück. Nach der jungtürkischen Revolution von
1908 trat er erneut politisch und publizistisch hervor. Nach
dem gegen das Komitee für Einheit und Fortschritt gerichteten
Aufstand vom 31. März 1909 wurde er wegen einer mutmaßlichen
Beteiligung verurteilt und ins Exil geschickt; später durfte
er wieder zurückkehren.
Neben seiner journalistischen Tätigkeit schrieb Murad Bey
Romane, Theaterstücke, Memoiren und historische Werke. Sein
bekanntes Geschichtswerk ist Tarih-i Ebü’l-Faruk, eine
mehrbändige Darstellung der osmanischen und allgemeinen
Geschichte.
Historisch gilt er als besonders interessant, weil seine
Biografie die Spannungen innerhalb der jungtürkischen
Opposition sichtbar macht: zwischen Islamismus und
Säkularismus, Monarchie und Parlamentarismus, zentralistischem
Nationalismus und einem übernationalen Osmanismus.