Mustansiryya
Mustansiriyya-Universität, Mustansiriyya-Madrasa

Mustansiriyya-Madrasa

Aussprache: al-madrasa-tul-musdanßiriyya
arabisch:
المدرسة المستنصرية
persisch:
مدرسهٔ مستنصریه
englisch:
Mustansiriyah Madrasa

Seit 1234 n.Chr.

.Bücher zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.

Die al-Mustansiriyya-Madrasa ist eines der bedeutendsten erhaltenen Bauwerke aus der späten Zeit der Abbasiden in Bagdad.

Die Madrasa liegt auf der Rusafa-Seite direkt am Tigris und damit in unmittelbarer Nähe zum Schrein des 3. Safir Husain ibn Ruh.

Die Madrasa wurde unter dem Abbasiden-Herrscher Mustansir erbaut, der 1226-1242 n.Chr. regierte. Der Bau begann 625 n.d.H. (1227 n. Chr.) und wurde ungefähr 1233/34 n.Chr. vollendet. Die Madrasa war eine ausgesprochen prestigeträchtige staatliche Hochschule des Kalifats.

Für ihre Zeit war die Mustansiriyya bemerkenswert, weil dort alle vier sunnitischen Rechtsschulen gleichzeitig institutionalisiert waren. Jede Rechtsschule erhielt einen eigenen Lehrbereich. Damit sollte die Madrasa die vier staatlich anerkannten sunnitischen Rechtsschulen innerhalb einer vom Kalifat getragenen Institution zusammenführen.

In der al-Mustansiriyya-Madrasa wurden neben den klassischen Theologiefächern und arabischer Sprache und Grammatik auch Mathematik, Medizin und andere Wissenschaften gelehrt. Sie verfügte außerdem über Unterkünfte für Studenten und eine umfangreiche Versorgungseinrichtung. Quellen beschreiben unter anderem Studentenunterkünfte, Küche, Speicher, medizinische Einrichtungen und eine Apotheke. Studenten erhielten Unterkunft, Nahrung und teilweise Stipendien. Deshalb wird sie heute zuweilen als eine der ältesten „Universitäten“ der islamischen Welt bezeichnet.

Das Gebäude ist nahezu vollständig aus Ziegeln errichtet und um einen großen rechteckigen Innenhof organisiert. Zwei Geschosse mit Studenten- und Lehrräumen umgeben diesen Hof. Besonders charakteristisch sind: die hohen spitzbogigen Iwane, geometrische Ziegelornamente, arabeske Terrakottadekoration, monumentale Kalligraphiebänder, Nischen und Blendarkaden, sowie der gewaltige Eingangs-Iwan.

Der Grundriss wurde für spätere Madrasa-Bauten ausgesprochen einflussreich. UNESCO hebt sowohl die architektonische Geschlossenheit als auch die hochwertige Ziegelornamentik hervor.

Ein besonders schönes Detail ist das monumentale Eingangsportal. Über und um den tief eingeschnittenen Bogen liegen dicht gearbeitete Inschriften- und Ornamentfelder. Die Architektur lebt von der äußerst kunstvollen Modellierung des Backsteins.

Eine der erstaunlichsten Einrichtungen war eine mechanische Wasseruhr am Eingangsbereich. Sie zeigte die Stunden beziehungsweise Gebetszeiten an und gehörte zu den technischen Attraktionen Bagdads zu jener Zeit. Zeitgenössische Quellen beschreiben einen eigens für ihre Wartung zuständigen Uhrmacher [al-sāʿātī]. Das Original der Uhr ist nicht erhalten.

Die Lage war ausgesprochen prestigeträchtig: Die Madrasa wurde unmittelbar am östlichen Ufer des Tigris errichtet. Das Wasser spielte sogar funktional eine Rolle. Ein später eingerichtetes Becken im Innenhof wurde über unterirdische Wasserleitungen vom Tigris gespeist. Zugleich musste das Gebäude durch Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser gesichert werden. Das Bauwerk ist heute weiterhin an diesem historischen Standort erhalten, befindet sich aber 2026 n.Chr. in einem umfangreichen Restaurationszustand.

Nur etwa 25 Jahre nach ihrer Fertigstellung kam die Katastrophe für das Bagdad der Abbasiden: 1258 n.Chr. eroberte Hülegüs mongolisches Heer die Stadt und beendete das Abbasidenkalifat von Bagdad.

Auch die al-Mustansiriyya-Madrasa wurde von den Verwüstungen betroffen. Es kam zu umfassenden Plünderung der Institution und den Verlust ihrer Bibliotheksbestände während der mongolischen Eroberung.

Nach den Mongolen wurden Lehrbetrieb und Nutzung zeitweise wieder aufgenommen. Später erlitt sie erneut Schäden, unter anderem im Zusammenhang mit den Eroberungen Tamerlans (Timur Lenk) um 1392/1400 n.Chr. InZeit der Osmanen verlor sie zunehmend ihre ursprüngliche akademische Funktion und wurde zeitweise sogar als Karawanserei und für militärische beziehungsweise wirtschaftliche Zwecke genutzt.

Im 20. Jh.n.Chr. erfolgten umfangreiche Restaurierungen, insbesondere seit den 1960er- und 1970er-Jahren. Dadurch ist heute wieder ein weitgehend geschlossen wirkender mittelalterlicher Gebäudekomplex zu sehen.

Im Istanbuler Museum für Geschichte der Wissenschaft und Technik im Islam ist der Mustansiriyya-Universität eine ausführliche Schautafel und ein Modell gewidmet.

Links zum Thema

bullet Mustansiriyya-Universität - Bildergalerie

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de