.Bücher
zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Nigar bint Osman auch Nigar Hanim
gilt als die letzte Hofdichterin der
Osmanen. Dabei wählte sie entgegen der in ihrer Zeit
üblichen Abkehr von der klassischen Dichtung die
Diwandichtung in Form und Sprache.
Nigar bint Osman entstammt einer
ungarischen Familie. Sie ist 1856 in
Istanbul geboren. Ihr Vater war Macar (der Ungar) Osman
Pascha, ihre Mutter: Emine Rıfati.
Sie sprach sieben Sprachen (Französisch, Rumänisch,
Griechisch, Deutsch, Arabisch, Persisch und Ungarisch) und
spielte in jungen Jahren Klavier. Sie besuchte die Schule
Kadıköy Fransız Mektebi und erhielt später Privatunterricht.
Sie begann mit klassischer Divan-Poesie, ging später neue
(westlich beeinflusste) Stilrichtungen – geprägt von Recaizade
Mahmut Ekrem u.a. – ein. Sie schrieb gefühlvolle, feminine
Gedichte mit moderner Ausdruckskraft. Sie
veröffentlichte ihre Gedichte unter anderem bei der legendären
Zeitschrift Servet-i Fünun, unter dem Pseudonym Uryan Kalb. Ihre Dichtung stand im Zeichen ihres
unglücklichen Lebens, das sie in einer ansprechenden
Autobiographie geschildert hat. Ein Teil dieser Autobiographie
erschien - nicht ganz entsprechend ihrer letzten Verfügung,
die erst fünfzig Jahre nach ihrem Tod dies erlaubt hätte -
1959, von einem ihrer drei Söhne für den Druck vorbereitet,
und bietet einen Einblick in das Leben einer weltgewandten,
klassisch gebildeten Frau am Ende des
Osmanischen Reichs.
Zu ihre Veröffentlichungen zählen:
Sie schrieb auch Theaterstücke (Tesir‑i Aşk, Girive) und
führte Übersetzungen sowie journalistische Beiträge durch.
Sie eröffnete den ersten europäisch geprägten
literarischen Salon in
Istanbul, den „Salon von Nigâr“. Aab 1902 organisierte sie
in ihrem Haus wöchentliche literarische Treffen in Nişantaşı
mit führenden Intellektuellen und Künstlern ihrer Zeit. Sie
wurde Chefredakteurin der Zeitschrift Kadınlık
(„Weiblichkeit“, 1914) und setzte sich für die
gesellschaftliche Anerkennung der Frau ein.
Von Sultan
Abdülhamid II. erhielt sie den Šefkat‑Nişanı (Orden
der Barmherzigkeit), als Würdigung ihrer kulturellen
Leistungen. Sie zählt zu den wichtigsten poetischen Stimmen
nach der
Tanzimat‑Reformzeit.
Sie war früh verheiratet und wurde Mutter von drei Söhnen.
Sie blieb unglücklich in der Eheund ließ sich mehrmals
scheiden. Ihr literarischer Erfolg und ihre Kinder bestimmten
maßgeblich ihr Leben.
Sie starb am 1. April 1918 in
Istanbul vermutlich an den Folgen einer Krankheit. Sie
hinterließ Tagebücher und Memoiren, die später veröffentlicht
wurden.