.Bücher
zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Safiye Ali gilt als erste türkische Frauenärztin die in der
Türkei praktizierte.
Sie wurde am 2. Februar 1894 in
Istanbul geboren. Sie hatte drei älter Schwestern. Ihr
Vater Ali Kırat Pascha war einer der persönlichen Gehilfen von
Abdülaziz und
Abdülhamid II. Ihr
Urgroßvater Hadschı Emin Pascha war 17 Jahre lang
Scheichulislam der
Osmanen in
Mekka und Gründer
zahlreicher Schulstiftungen. Safiye Ali verlor ihren Vater in
jungen Jahren. Sie wuchs in der Obhut ihres Großvaters Emin
Pascha in dessen Villa in Valideçeşme auf. Noch vor ihrer
Ausbildung versorgte Safiye Ali Soldaten als Medizingehilfin
während der Balkankriege und im Ersten Weltkrieg.
Sie studierte am American College für Mädchen in
Istanbul und schloss ihre
Schulausbildung im Januar 1916 ab. Sie beschloss Ärztin zu
werden zumal ein großer Bedarf an Ärztinnen in der
Türkei bestand. Da sie damals
als Frau in der Türkei nicht
Medizin studieren konnte, reiste sie während des Ersten
Weltkrieges mit großen Schwierigkeiten nach Deutschland und
studierte an der Medizinischen Fakultät der Universität
Würzburg. Safiye Ali, die mit Unterstützung des damaligen
Bildungsministers Ahmet Şükrü Bey ein Staatsstipendium
erhielt, lernte sehr schnell Deutsch und begann ab 1916 mit
dem Studium. Im Zeitraum vom Sommersemester 1916 bis zum
Wintersemester 1920/21 hat sie 68 Vorlesungen, Seminare und
Praktika belegt. Auch in den Semesterferien bildete sich
weiter, indem sie deutschen Ärzten assistierte. Zudem besuchte
sie nebenher Vorlesungen in Philosophie und Geschichte.
Das bayerische Bildungsministerium, das zunächst einige
Schwierigkeiten bereitete, weil sie Absolventin des American
College war, verlieh Safiye Ali später für den ersten Platz im
Examen den Titel „Doktorandin“. Ihr Diplom erlangte sie 1921
mit der Arbeit „Innere Pachymeningitis-Blutung bei
Säuglingen“. Sie erhielt 1921 den Doktortitel der Universität
Würzburg mit ihrer Dissertation Über Pachymeningitis
haemorrhagica interna im Säuglingsalter.
Sechs Wochen nach seiner Rückkehr nach
Istanbul reiste sie erneut
nach Deutschland, um sich auf gynäkologische und pädiatrische
Erkrankungen zu spezialisieren. 1923 eröffnete sie ihre eigene
Praxis in Istanbul im
Stadtviertel Cağaloğlu, die erste von einer ausgebildeten
Medizinerin geleitete Praxis der
Türkei. Es war die Zeit der letzten Tage des Türkischen
Befreiungskrieges. Sie versorgte vor allem Verwundete.
Anfangs blieb der Erfolg ihrer Praxis aus, weil auch die
Patienten Vorbehalte gegenüber einer Frau als Ärztin hatten.
Nebenbei lehrte sie als Dozentin Frauen Medizin. Sie
unterrichtete Gynäkologie und Geburtshilfe an der ersten
medizinischen Schule für Mädchen, die als Teil des Robert
College für sie eingerichtet worden war. Safiye Ali setzte
ihren Kampf für frauen im Ärzteberuf entschlossen fort und
veröffentlichte mehrere Bücher.
Während des Studiums in Würzburg hatte sie den Katholiken
und Augenarzt Ferdinand Krekeler (1895-1970) kennengelernt. Er
zog mit ihr Mitte der 1920er Jahre nach
Istanbul. In
Istanbul wurde er bekannt als
Ferdi Ali obowhl er den Islam nie
angenommen hat. Die Heiratsabsicht beider wurde sowohl von der
Seite des Islam als auch von der
katholischen Kirche nicht anerkannt. Da der
Islam nach dem Zusammenbruch des
Osmanischen Reichs
zurückgedrängt wurde, übernahmen auch in der
Türkei unreligiöse Standesämter
die Eheschließeung.
Ihre standesamtlichen Trauung fand in der deutschen
Botschaft in Istanbul am 28. November 1924 statt. Vier Jahre
später – am 25. Oktober 1928 – erhielten sie eine
Sondergenehmigung des Vatikans die kirchliche Trauung im Stift
Haug in Würzburg durchführen zu dürfen, ohne dass die Braut
den katholischen Glauben ihres Mannes annahm, was ein Novum
der damaligen Zeit war.
1929 verließen Safiye Ali und ihr Mann Ferdinand die Türkei
und gründeten eigenständige Arztpraxen in Dortmund. Während
des Zweiten Weltkriegs verloren sie fünf Mal nach
Fliegerangriffen ihre Wohnung und Praxisräume und kamen
schließlich in einer Notbehausung des Vinsebecker Grafen
Wolff-Metternich zur Gracht auf Gut Wintrup bei Sandebeck
unter. Nach dem Krieg unternahmen sie einen neuen Versuch, in
der Türkei Fuß zu fassen, was durch die Krankheit Safiyes
beendet wurde. Nachdem bei Safiye Ali Krebs diagnostiziert
worden war, kehrte das Ehepaar 1948 endgültig zurück nach
Dortmund. Am 5. Juli 1952 starb sie im Alter von 58 Jahren in
Dortmund.
Zeit ihres Lebens hat sie sich für das gesundde Stillen und
die Nutzung von Muttermilch eingesetzt, was in der Zeit
teilweise in Frage gestellt worden ist. Indem sie die
Überlegenheit der Muttermilch gegenüber jeder anderen Milch
betonte, ermutigte Safiye Ali Frauen zum Stillen.
Sie gründete eine Kleinkindpraxis und unterstützte vor
allem schwache Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Dabei setzte
sie großen Wert auf die Schulung von Müttern und
Bewusstseinsbildung. Safiye Ali war in der Frauenunion als
Leiterin des Gesundheitskomitees tätig und setzte sich für die
Bekämpfung der Prostitution ein. Sie war besorgt über Mädchen,
die in die Prostitution getrieben wurden, und begann, an der
Eröffnung eines Mädchenwohnheims zur Rettung der Mädchen
mitzuwirken..
In Dortmund stiftet die Stadt den „Dr. Safiye Ali
Krekeler-Preis für Kindermedizin und –gesundheit“. Dieser wird
alle zwei Jahre für herausragende Leistungen der Kindermedizin
und Kinderchirurgie sowie die Förderungen der Kindergesundheit
verliehen. Mit der Auszeichnung sind ein Preisgeld von 20.000
Euro und eine Festveranstaltung verbunden. Zudem wurde die
Safiye-Ali-Straße nach ihr benannt. Nach ihr ist zudem eine
Familienklinik in Istanbul benannt.