Schia, Schiiten
Schia, Schiiten,

Aussprache: schiy'a
arabisch:
الشيعة
persisch:
شیعه
englisch: Shi'a Islam, Shi'ism

Bild: Innerer Kreis: Prophet Muhammad (s.) und Ali (a.), äußere Kreise Fatima (a.) und 11 weitere Imame (a.).

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Die Schia ist eine Grundrichtung des Islam. Der Name wird abgeleitet von "der Parteigänger Alis" [schiat-un-ali, شيعةعلي]. Die Anhänger der Schia, die Schiiten, betrachten Imam Ali (a.) als von Prophet Muhammad (s.) mehrmals zu Lebzeiten designierten Nachfolger (Kalif) und als ihren ersten Imam.

Schiiten glauben, dass die Prophetennachfolge nur von einem Imam ausgeübt werden kann, da dieser als einziger göttlich legitimiert ist. Darauf aufbauend glauben sie, dass nur die Ahl-ul-Bait (a.) den Heiligen Qur'an fehlerfrei auslegen und auch vorleben können.

Unter dem Oberbegriff "Schiiten" werden oft verschiedene Strömungen zusammen gefasst, wie die Anhänger der Zwölf Imame (a.), die man oft Dschafariten oder Imamiten nennt, die Ismaeliten, Zaiditen und Aleviten, wobei letztere teilweise Imamiten sind. Faktisch haben aber nur noch die Dschafariten bzw. Imamiten einen nennenswerten Einfluss.

In der Islamischen Republik Iran sind Schiiten in der absoluten Mehrheit, weshalb die Verfassung der Islamischen Republik Iran diesen Umstand bei gleichzeitiger Achtung der Rechte der anderen Rechtsschulen berücksichtigt.

Die Schiiten haben ihren Ursprung nicht, wie oft behauptet wird in der Auseinandersetzung nach dem Ableben von Prophet Muhammad (s.) bezüglich der Frage, wer sein legitimer Nachfolger sein sollte, was unter anderem zu der Auseinandersetzung in Saqifa führte, sondern gehen bereits auf die erste Offenbarung zurück, die sie anders darstellen, als Sunniten. Die zahllosen Auszeichnungen Imam Alis (a.) und mehrfachen Erwähnungen als Nachfolger, bereits als Kind bei der Einladung der Quraisch mündeten schließlich in die offizielle Nominierung in Ghadir Chum.

Durch die Ereignisse in Saqifa wurde aber Imam Ali (a.) umgangen und Abu Bakr zum Nachfolger bestimmt. Erst nachdem drei andere Kalifen vor ihm regiert hatten, wurde Imam Ali (a.) 656 n.Chr. in einer nunmehr katastrophalen Lage der Muslime in der Moschee von Medina zum vierten Kalifen proklamiert. Nach schiitischer Auffassung kam mit ihm endlich der legitime Nachfolger des Propheten Muhammad (s.) an die Macht. Imam Ali (a.) wurde jedoch von einigen Gouverneuren der früheren Kalifen nicht anerkannt, darunter Muawiya ibn Abu Sufyan und Amr ibn Aas. Gleich drei fürchterliche innerislamische Kriege wurden Imam Ali (a.) aufgelastet bei der Kamelschlacht, bei der Schlacht von Siffin  und der  Schlacht von Nahrawan. Sowohl er, als auch bereits vorher seine Geliebte Frau Fatima (a.) wie auch alle weiteren 10 der 11 verbliebenen Zwölf Imame (a.) wurden von den herrschenden Dynastien ermordet. Nur Imam Mahdi (a.) lebt noch als einziger überlebender der Ahl-ul-Bait (a.) in der Verborgenheit und Schiiten warten sehnsüchtig auf sein baldiges Erscheinen.

Diese historischen Ereignisse trennten später auch die dschafaritische Rechtsschule von den sunnitischen Rechtsschulen. Die jeweilige selbständige Rechtsfindung [idschtihad] fußte auf unterschiedlichen Überlieferungen. Während bei Schiiten Überlieferungen derjenigen, die kriegerische Handlungen gegen Imam Ali (a.) vollzogen haben unglaubwürdig sind, gelten sie bei Sunniten dennoch als glaubwürdig. Dementsprechend unterschieden sich die Hauptwerke der Überlieferungen, die bei Schiiten als Vier Bücher [kutub arba'a] bekannt sind.

Einen Höhepunkt der Folgen der anfänglichen Auseinandersetzung um die Nachfolge stellt die Tragödie von Aschura in Kerbela dar, die eine direkte Folge des Vertragsbruches durch Muawiya ibn Abu Sufyan ist, der seinen Friedensvertrag mit Imam Hasan (a.) vorsätzlich brach und seinen Sohn Yazid ibn Muawiya als seinen Nachfolger einsetzte.

Schiiten verweisen darauf, dass die Schia bereits im Heiligen Qur'an erwähnt wird. Das Wort "Schia" wird auch im Heiligen Qur'an verwendet und bedeutet dort "Anhänger, Mitglieder einer Gemeinschaft". So wird im Heiligen Qur'an manche rechtschaffenen Gläubigen als "Schia" anderer rechtschaffener Gläubiger bezeichnet.

"Und sicherlich war Abraham unter seinen Schia" (Heiliger Qur'an 37:83).

"Und er (Moses) ging in die Stadt zu einer Zeit als die Bewohner (der Stadt) nicht zusahen, und er fand darin zwei kämpfende Männer, einer gehörte zu seinen Schia und der andere zu seinen Feinden, und derjenige der sein Schia war rief ihn zu Hilfe gegen den der sein Feind war" (Heiliger Qur'an 28:15).

Wenn man ein "Schia" der rechtschaffenen Gläubigen ist, bedeutet das soviel wie "Anhänger" der Wahrheit.  Dem Gegenüber, wenn man ein "Schia" eines Tyrannen und Sünders ist, wird man das selbe Schicksal erleiden wie sein Anführer. Der Heilige Qur'an besagt, dass alle Menschen am Tag der Auferstehung [yaum-ul-qiyama] in Gruppen kommen werden, angeführt vom jeweiligen Anführer [imam] an der Spitze jeder Gruppe (Heiliger Qur'an 17:71). Dementsprechend werden zwei Arten von Imamen vorgestellt (28:41-42). Und der Heilige Qur'an weist darauf hin, dass es Imame gibt, die von ALLAH dazu berufen wurden der Menschheit als Anführer zu dienen (32:24).

Der Begriff Schia existiert auch in der bereits frühen Überlieferung. Prophet Muhammad (s.) sagte unter anderem im Zusammenhang mit dem Heiligen Qur'an (98:7) zu Imam Ali (a.): "Das ist für dich und deine Schia! ...Ich schwöre bei dem der mein Leben kontrolliert, dass dieser Mann (Ali (a.)) und seine Schia sicher Befreiung an dem Tag des Jüngsten Gerichts erhalten."
Dschalal al-Din al-Suyuti, Tafsir al-Durr al-Manthur, (Cairo) vol. 6, S.379
Tabari, Tafsir Dschami`al Bayan, (Cairo) vol. 33, S. 146
Ibn Askari, Ta'rikh Dimasch, vol.42, S. 333, S.371
Ibn Hadschar, al-Sawa'iq al-Muhriqah, (Cairo) Ch. 11, section 1, S. 246-247

Weitere beispielhafte Überlieferungen des Prophet Muhammad (s.) zum Thema sind:

"Oh Ali! (Am Tag des Jüngsten Gerichts) werden du und deine Schia zu Allah kommen, zufrieden und gefällig, und es werden zu ihm deine Feinde kommen ärgerlich und halsstarrig."
Ibn al-Athir, al-Nihaya fi gharib al-hadith, (Beirut, 1399), vol.4 S.106
al- Tabarani, Mudscham al-Kabir, vol.1 S.319
al-Hathami, Majma' al-Zawa'id, vol.9, Nummer 14168

"Gute Nachrichten, oh Ali (a.)! Wahrhaftig du und deine Schia werden ins Paradies kommen."
Ahmad ibn Hanbal, Fadha'il al-Sahaba, (Beirut) vol.2, S. 655
Abu Nu'aym al-Isbahani, Hilyatul Awliya, vol. 4, S. 329
al-Khatib al-Baghdadi, Tarikh Baghdad, (Beirut) vol. 12, S. 289
al-Tabarani, Mudscam al-Kabir, vol. 1, S. 319
al-Haythami, Madschma' al-Zawa'id, vol.10, S.21-22
Ibn Askari, Ta'rich Dimashq, vol. 42, S. 331-332
IIbn Hadschar al-Haythami, al-Sawa'iq al-Muhriqah, (Cairo) Ch.11, section 1, S. 247

Als eine der wohl bedeutsamsten Überlieferungen in diesem Zusammenhang gilt die Überlieferung über die Zwei Gewichtigen [thaqalain]. Zusammenfassend und vereinfachend lässt sich daher die Schia als die Lehre ALLAHs in der Liebe zu den Ahl-ul-Bait (a.) bezeichnen.

Links zum Thema

bullet Schiitisch-Sunnitischer Dialog - Muslim TV

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