Anna Schwarz
Anna Schwarz

Aussprache: anaa schfaarts
arabisch:
آنا شفارتس
persisch:
آنا شوارتس
englisch: 
Saad bin al-Nadhr

??? - ??? n.d.H.
n. 1880 - 17.12.1915. n.Chr.

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Anna Schwarz ist eine Österreicherin, deren Grab zu den Geheimtip-Sehenswürdigkeiten um Tschanakkale (Çanakkale) gehören.

Sie war eine aus Liesing bei Wien stammende Österreicherin, die den osmanischen Militärarzt Dr. Hasan Ragıp Bey (später hieß er Ragıp Erensel) heiratete und während der Balkankriege und des Ersten Weltkriegs als freiwillige Krankenschwester für Verwundete der Osmanen arbeitete. Ihr Leben lässt sich detailliert rekonstruieren, weil österreichische Zeitungen 1916 über ihren Tod berichteten und der österreichische Kriegskorrespondent Georg Bittner Ragıp Bey persönlich befragte.

Anna wurde in Liesing, heute der 23. Wiener Gemeindebezirk, geboren. Ihr Vater war Fabrikarbeiter. Beide Eltern starben früh, und mit etwa elf Jahren war sie Vollwaise. Verwandte namens Franz und Franziska Heinz, die in Liesing wohnten, nahmen sie bei sich auf. Nach ihrer Schulzeit arbeitete sie als Dienst- bzw. Zimmermädchen bei einer wohlhabenden Familie. Als diese Familie nach Istanbul übersiedelte, nahmen sie Anna mit.

In Istanbul empfing Annas Arbeitgeberfamilie viele Gäste. Zu ihnen gehörte der junge osmanische Militärarzt Hasan Ragip Bey. Nach dem zeitgenössischen Bericht der Illustrierten Kronen-Zeitung besuchte er das Haus zunehmend häufig und machte keinen Hehl daraus, dass sein Interesse Anna galt. Schließlich bat er um ihre Hand; sie heirateten offenbar ungefähr 1906 n.Chr., also rund neun Jahre vor ihrem Tod. Anna schrieb ihrer Pflegefamilie in Liesing weiterhin regelmäßig und berichtete sehr glücklich über ihre Ehe.

Sie kam nicht als ausgebildete österreichische Militärkrankenschwester in die Türkei, wie manche spätere Darstellungen den Eindruck erwecken. Ihre ursprüngliche Lebensgeschichte war die einer jungen österreichischen Arbeiter- bzw. Dienstbotentochter, die durch ihre Arbeit nach Istanbul gelangte und dort einen osmanischen Offizier heiratete. Erst später wurde die Krankenpflege ein wesentlicher Teil ihres Lebens.

Als 1912 der Erste Balkankrieg begann, arbeitete Anna als Krankenschwester in Krankenhäusern des Hilal-i-Ahmer in Thrakien. Hasan Ragip Bey war ebenfalls als Militärarzt eingesetzt. Während des osmanischen Rückzugs verloren die beiden zeitweise den Kontakt zueinander; Ragıp schrieb sogar verzweifelt an Annas Angehörige in Liesing, dass sie verschwunden sei. Später konnte er ihnen mitteilen, dass sie wiedergefunden worden war.

Als 1915 die Kämpfe um die Dardanellen begannen, meldete sich Anna erneut freiwillig zum Pflegedienst. Zunächst arbeitete sie in einem Krankenhaus bei Tekirdağ. Nachdem Hasan Ragip Bey zur osmanischen 5. Armee auf die Gallipoli-Front versetzt worden war, ließ sie sich näher zu ihm versetzen und arbeitete schließlich im Feldlazarett der deutschen Sanitätsmission Graf Friedrich von Hochberg bei dem kleinen Dorf Yalova auf der Halbinsel Gallipoli (nicht zu verwechseln mit Yalova). Dort versorgte sie verwundete und kranke Soldaten. Der österreichische Zeitungsbericht hebt hervor, dass sie diese Arbeit freiwillig und unter sehr schwierigen Bedingungen ausführte.

Am 17. Dezember 1915 wurde das Gebiet des Feldlazaretts durch britisches Artilleriefeuer getroffen. Nach Hasan Ragip Beys späterer Schilderung hatte er sich sogar darum bemüht, die Unterkunft der Krankenschwestern besser zu schützen, und selbst ein großes Rotes Kreuz anbringen lassen. Anna befand sich offenbar gerade außerhalb ihrer Unterkunft, als ein Geschoss einschlug. Sie wurde tödlich getroffen. Sie wurde anschließend am Rand des Dorffriedhofs von Yalova bestattet und erhielt einen Grabstein mit osmanischer Inschrift. Auf dem steht in osmanischer Schrift:

„Mezar taşı kitabesi üzerinde; ‘İfâ-yı vazife esnâsında top mermisi ile terk-i hayât iden Mâdâm Doktor Ragıp Bey’in hâb-gâh-ı ebedîsi, 4 Kanun-ı Evvel [1]331 / 17 Aralık 1915’ ifadeleri yazılıdır.“

Auf Deutsch bedeutet es ungefähr:

„Die ewige Ruhestätte von Madame (Ehefrau von) Doktor Ragıp Bey, die während der Ausübung ihrer Pflicht durch ein Artilleriegeschoss ihr Leben verlor, 4. Kanun-ı Evvel 1331 / 17. Dezember 1915.“

Einige alte osmanisch-türkische Ausdrücke darin bedeuten:

bulletifâ-yı vazife esnâsında: während der Pflichterfüllung / im Dienst
bullettop mermisi: Artilleriegeschoss / Kanonenkugel
bulletterk-i hayât etmek: das Leben verlassen, sterben
bullethâb-gâh-ı ebedî:ewige Ruhestätte, wörtlich „ewiger Schlafplatz“
bulletKanun-ı Evvel: Dezember

Bei der Darstellung, ob sie Deutsche oder Österreicherin war, herrscht in türkischen Darstellungen viel Verwirrung. Auf älteren Beschriftungen und in manchen Publikationen wird sie als „Alman Madam“, „Madam Erika“, „Ragıba“ oder ähnlich bezeichnet. Die zeitgenössischen österreichischen Quellen sprechen jedoch ziemlich eindeutig für: Anna Schwarz, geboren in Liesing bei Wien, österreichische bzw. österreichisch-ungarische Staatsangehörige.

„Alman“ dürfte in späteren türkischen Überlieferungen teilweise unscharf für eine deutschsprachige Frau verwendet worden sein oder mit der deutschen Sanitätsmission, in deren Lazarett sie arbeitete, zusammenhängen. Der Name „Erika“ scheint ebenfalls eine spätere Fehlüberlieferung zu sein. Heute zieren zwei kleine deutschen Flaggen ihr Grab, die offensichtlich viel später angebracht worden sind.

In der heutigen lokalen Erinnerung wird sie teilweise „Ana Hatun“ genannt (sinngemäß „Mutter/Dame Anna“). Ihr historisch belegter Name war Anna Schwarz, nach der Heirat wurde sie in österreichischen Quellen auch als Anna Ragıp/Ragip bezeichnet. Die Identität der vermeintlichen „deutschen Krankenschwester Erika“ wurde erst 2016 öffentlich richtiggestellt.

Ein genaues Geburtsdatum von Anna Schwarz ist in belastbaren Quellen nicht zu finden. Aus dem Lebenslauf lässt sich nur grob schließen, dass sie wahrscheinlich in den 1880er Jahren geboren wurde.

Sie ist auf dem Friedhof von Yalova Köyü im Landkreis Eceabat, Provinz Çanakkale, auf der Halbinsel Gallipoli bestattet. Der Friedhof liegt unmittelbar beim Dorf. Ihr Grab am Rand des Dorffriedhofs ist heute mit einer gesonderten Treppe zu erreichen. Allerdings gibt es keine Wegweiser oder Hinweisschilder. ein heutiger Führer zum historischen Gebiet bezeichnet die Stelle ausdrücklich als „Yalova Köyü Anna Schwarz Mezarı“.

Das Grab war lange unter falschen Namen bekannt. In der Bevölkerung hieß es unter anderem „Ana Hatun’un Mezarı“, also etwa „Grab der Ana Hatun/Frau Anna“. In amtlichen bzw. touristischen Aufzeichnungen tauchte dagegen lange „Madam Erika“ auf. Am Grab befindet sich eine türkisch-englische Erklärungstafel.

Ragip Bey schrieb nach Annas Tod an ihre Pflegefamilie Heinz in Liesing. Darin berichtet er, dass Anna mit militärischen Ehren beigesetzt wurde. An der Beerdigung nahmen türkische, deutsche und österreichisch-ungarische Angehörige des Militärs teil; auch eine Militärkapelle war anwesend, und Otto Liman von Sanders soll an der Zeremonie teilgenommen haben. Nach Ragip Beys Angaben lagen schließlich 15 Kränze auf ihrem Grab.

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