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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Anna Schwarz ist eine Österreicherin, deren Grab zu den
Geheimtip-Sehenswürdigkeiten um
Tschanakkale (Çanakkale) gehören.
Sie war eine aus Liesing bei Wien stammende Österreicherin,
die den osmanischen Militärarzt Dr. Hasan Ragıp Bey (später
hieß er Ragıp Erensel) heiratete und während der Balkankriege
und des Ersten Weltkriegs als freiwillige Krankenschwester für
Verwundete der
Osmanen arbeitete. Ihr Leben lässt sich detailliert
rekonstruieren, weil österreichische Zeitungen 1916 über ihren
Tod berichteten und der österreichische Kriegskorrespondent
Georg Bittner Ragıp Bey persönlich befragte.
Anna wurde in Liesing, heute der 23. Wiener Gemeindebezirk,
geboren. Ihr Vater war Fabrikarbeiter. Beide Eltern starben
früh, und mit etwa elf Jahren war sie Vollwaise. Verwandte
namens Franz und Franziska Heinz, die in Liesing wohnten,
nahmen sie bei sich auf. Nach ihrer Schulzeit arbeitete sie
als Dienst- bzw. Zimmermädchen bei einer wohlhabenden Familie.
Als diese Familie nach
Istanbul übersiedelte, nahmen sie Anna mit.
In
Istanbul empfing Annas Arbeitgeberfamilie viele Gäste. Zu
ihnen gehörte der junge osmanische Militärarzt
Hasan Ragip Bey. Nach dem zeitgenössischen Bericht der Illustrierten
Kronen-Zeitung besuchte er das Haus zunehmend häufig und
machte keinen Hehl daraus, dass sein Interesse Anna galt.
Schließlich bat er um ihre Hand; sie heirateten offenbar
ungefähr 1906 n.Chr., also rund neun Jahre vor ihrem Tod. Anna
schrieb ihrer Pflegefamilie in Liesing weiterhin regelmäßig
und berichtete sehr glücklich über ihre Ehe.
Sie kam nicht als ausgebildete österreichische
Militärkrankenschwester in die
Türkei, wie manche spätere Darstellungen den Eindruck
erwecken. Ihre ursprüngliche Lebensgeschichte war die einer
jungen österreichischen Arbeiter- bzw. Dienstbotentochter, die
durch ihre Arbeit nach
Istanbul gelangte und dort einen osmanischen Offizier
heiratete. Erst später wurde die Krankenpflege ein
wesentlicher Teil ihres Lebens.
Als 1912 der Erste Balkankrieg begann, arbeitete Anna als
Krankenschwester in Krankenhäusern des
Hilal-i-Ahmer in
Thrakien.
Hasan Ragip Bey war ebenfalls als Militärarzt
eingesetzt. Während des osmanischen Rückzugs verloren die
beiden zeitweise den Kontakt zueinander; Ragıp schrieb sogar
verzweifelt an Annas Angehörige in Liesing, dass sie
verschwunden sei. Später konnte er ihnen mitteilen, dass sie
wiedergefunden worden war.
Als 1915 die Kämpfe um die Dardanellen begannen, meldete
sich Anna erneut freiwillig zum Pflegedienst. Zunächst
arbeitete sie in einem Krankenhaus bei Tekirdağ. Nachdem
Hasan Ragip Bey zur osmanischen 5. Armee auf die
Gallipoli-Front versetzt
worden war, ließ sie sich näher zu ihm versetzen und arbeitete
schließlich im Feldlazarett der deutschen Sanitätsmission Graf
Friedrich von Hochberg bei dem kleinen Dorf Yalova auf der
Halbinsel
Gallipoli (nicht zu verwechseln mit
Yalova).
Dort versorgte sie verwundete und kranke Soldaten. Der
österreichische Zeitungsbericht hebt hervor, dass sie diese
Arbeit freiwillig und unter sehr schwierigen Bedingungen
ausführte.
Am 17. Dezember 1915 wurde das Gebiet des Feldlazaretts
durch britisches Artilleriefeuer getroffen. Nach
Hasan Ragip Beys
späterer Schilderung hatte er sich sogar darum bemüht, die
Unterkunft der Krankenschwestern besser zu schützen, und
selbst ein großes Rotes Kreuz anbringen lassen. Anna befand
sich offenbar gerade außerhalb ihrer Unterkunft, als ein
Geschoss einschlug. Sie wurde tödlich getroffen. Sie wurde
anschließend am Rand des Dorffriedhofs von Yalova bestattet
und erhielt einen Grabstein mit osmanischer Inschrift. Auf dem
steht in osmanischer Schrift:
„Mezar taşı kitabesi üzerinde; ‘İfâ-yı vazife esnâsında top
mermisi ile terk-i hayât iden Mâdâm Doktor Ragıp Bey’in
hâb-gâh-ı ebedîsi, 4 Kanun-ı Evvel [1]331 / 17 Aralık 1915’
ifadeleri yazılıdır.“
Auf Deutsch bedeutet es ungefähr:
„Die ewige Ruhestätte von Madame (Ehefrau von) Doktor
Ragıp Bey, die während der Ausübung ihrer Pflicht durch ein
Artilleriegeschoss ihr Leben verlor, 4. Kanun-ı Evvel 1331 /
17. Dezember 1915.“
Einige alte osmanisch-türkische Ausdrücke darin bedeuten:
Bei der Darstellung, ob sie Deutsche oder Österreicherin
war, herrscht in türkischen Darstellungen viel Verwirrung. Auf
älteren Beschriftungen und in manchen Publikationen wird sie
als „Alman Madam“, „Madam Erika“, „Ragıba“ oder ähnlich
bezeichnet. Die zeitgenössischen österreichischen Quellen
sprechen jedoch ziemlich eindeutig für: Anna Schwarz, geboren
in Liesing bei Wien, österreichische bzw.
österreichisch-ungarische Staatsangehörige.
„Alman“ dürfte in späteren türkischen Überlieferungen
teilweise unscharf für eine deutschsprachige Frau verwendet
worden sein oder mit der deutschen Sanitätsmission, in deren
Lazarett sie arbeitete, zusammenhängen. Der Name „Erika“
scheint ebenfalls eine spätere Fehlüberlieferung zu sein.
Heute zieren zwei kleine deutschen Flaggen ihr Grab, die
offensichtlich viel später angebracht worden sind.
In der heutigen lokalen Erinnerung wird sie teilweise „Ana
Hatun“ genannt (sinngemäß „Mutter/Dame Anna“). Ihr historisch
belegter Name war Anna Schwarz, nach der Heirat wurde sie in
österreichischen Quellen auch als Anna Ragıp/Ragip bezeichnet.
Die Identität der vermeintlichen „deutschen Krankenschwester
Erika“ wurde erst 2016 öffentlich richtiggestellt.
Ein genaues Geburtsdatum von Anna Schwarz ist in
belastbaren Quellen nicht zu finden. Aus dem Lebenslauf lässt
sich nur grob schließen, dass sie wahrscheinlich in den 1880er
Jahren geboren wurde.
Sie ist auf dem Friedhof von Yalova Köyü im Landkreis
Eceabat, Provinz
Çanakkale, auf der Halbinsel
Gallipoli bestattet. Der
Friedhof liegt unmittelbar beim Dorf. Ihr Grab am Rand des
Dorffriedhofs ist heute mit einer gesonderten Treppe zu
erreichen. Allerdings gibt es keine Wegweiser oder
Hinweisschilder. ein heutiger Führer zum historischen Gebiet
bezeichnet die Stelle ausdrücklich als „Yalova Köyü Anna
Schwarz Mezarı“.
Das Grab war lange unter falschen Namen bekannt. In der
Bevölkerung hieß es unter anderem „Ana Hatun’un Mezarı“, also
etwa „Grab der Ana Hatun/Frau Anna“. In amtlichen bzw.
touristischen Aufzeichnungen tauchte dagegen lange „Madam
Erika“ auf. Am Grab befindet sich eine türkisch-englische
Erklärungstafel.
Ragip Bey schrieb nach Annas Tod an ihre Pflegefamilie
Heinz in Liesing. Darin berichtet er, dass Anna mit
militärischen Ehren beigesetzt wurde. An der Beerdigung nahmen
türkische, deutsche und österreichisch-ungarische Angehörige
des Militärs teil; auch eine Militärkapelle war anwesend, und
Otto Liman von Sanders soll an der Zeremonie teilgenommen
haben. Nach
Ragip Beys Angaben lagen schließlich 15 Kränze auf
ihrem Grab.