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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Der türkische Begriff „Softa“ war ursprünglich die positive
Bezeichnung von Religionsstudenten. Der Begriff hat im Laufe
der Zeit eine negative Wandlung zum abwertenden Beiklang
durchlebt.
Softa geht sehr wahrscheinlich auf das persische Wort
„Suchte“ [سوخته] zurück. Wörtlich bedeutet dieses im
Persischen „verbrannt“, „entbrannt“, „in Flammen stehend“. Im
religiös-poetischen Sprachgebrauch war damit jemand gemeint,
der innerlich von Liebe oder Leidenschaft „entbrannt“ ist.
Im Osmanischen wurde dieses
Bild auf Studenten der religiösen Wissenschaften übertragen:
Der „Suchte“ war derjenige, der „vor Liebe zum Wissen
entbrannt“ war – also ein eifriger Schüler, der sich dem
Studium der islamischen Wissenschaften widmete.
Lautlich entwickelte sich dabei aus dem persischen „Suchte“
im Osmanischen „Suhte“, „Sohta“
und daraus „Softa“. Letztere Form setzte sich im
Osmanischen durch.
Seit spätestens dem 16. Jh. n.Chr. war softa eine reguläre
Bezeichnung für einen Schüler der
Madrasa. Ein „Softa“ studierte die Disziplinen der
klassischen Madrasa-Ausbildung.
Die ursprüngliche Konnotation kann wiedergeben werden als:
„Wissenssuchender“. „von Wissensdurst entbrannter Student“ und
damit „Madrasa-Schüler“.
Der Bedeutungswandel zum Negativen hängt stark mit den
sozialen Problemen des osmanischen Madrasa-Wesens zusammen.
Im 16. Jh. n.Chr. nahm die Zahl der
Madrasa-Schüler besonders in
Anatolien erheblich zu.
Gleichzeitig standen nicht genügend Stellen im
religiös-juristischen Staatsapparat für die Absolventen zur
Verfügung. Teile dieser studentischen Bevölkerung gerieten in
wirtschaftliche Schwierigkeiten. In teilweise manipulierten
Nachrichten erschienen Gruppen von Softa, die an Unruhen,
Erpressungen, Plünderungen oder bewaffneten Aufständen
beteiligt waren. Die sogenannten Suhte-Aufstände gehörten zu
den größeren sozialen Unruhen Anatoliens in der zweiten Hälfte
des 16. Jh. n.Chr. Dadurch entwickelte sich allmählich die
Assoziationen vom ungebildeten oder fanatischer
Religionsstudenten, Unruhestifter oder religiösem Eiferern.
Im 19. Jahrhundert verstärkte sich diese politische
Konnotation. Madrasa-Schüler
traten bei Demonstrationen und politischen
Auseinandersetzungen in Istanbul mehrfach als organisierte
gesellschaftliche Gruppe auf, insbesondere um der zunehmenden
Entfernung des Islam aus der
Gesellschaft entgegenzutreten.
Heute wird das Wort meist abwertend gebraucht im Sinne von:
„religiöser Fanatiker“, „engstirniger Dogmatiker“, „bigotter
Mensch“ oder jemand, der einer Lehre blind und unkritisch
folgt.
Der Bedeutungswandel muss bei Ortsnamen, die den Begriff „Softa“
enthalten, berücksichtigt werden, um den Namen historisch
einordnen zu können, wie z.B. bei
Softabogan (Softaboğan).