Völkerschauen
Völkerschauen

Aussprache:
arabisch:
 معارض بشرية استعمارية
persisch:
نمایشگاه‌های انسانی استعمارگرانه
englisch:
human zoos

.Bücher zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.

Völkerschauen waren Veranstaltungen um 1900 n.Chr. in Deutschlands Zoos, auf Jahrmärkten und Kolonialausstellungen, auf denen versklavte Menschen teils nackt der einheimischen Bevölkerung wie Tiere zur Schau gestellt worden sind. Unter den ausgestellten Menschen befanden sich auch zahlreiche Muslime.

In Deutschland gab es solche „Menschenschauen“ besonders von den 1870er Jahren bis in die 1930er Jahre. Carl Hagenbeck in Hamburg spielte dabei eine zentrale Rolle; aber auch Zoos in Berlin, Dresden, Leipzig, Frankfurt, München, Münster und anderen Städten zeigten solche Veranstaltungen. Für Dresden sind zwischen 1878 und 1934 insgesamt 76 Menschenschauen nachgewiesen; für Leipzig zwischen 1876 und 1931 etwa 40 Völkerschauen.

Die gezeigten Menschen wurden häufig als „exotisch“, „primitiv“, „wild“ oder „naturhaft“ inszeniert. Sie mussten in künstlichen „Dörfern“, „Lagern“ oder Kulissen auftreten, angeblich typische Tätigkeiten vorführen, Tänze zeigen, Handwerk ausüben oder einfach sichtbar „anders“ sein. Das war Teil kolonialer Unterhaltung, rassistischer Wissenschaft und kommerzieller Schaustellerei.

Für viele deutsche Völkerschauen waren die Menschen nicht vollständig nackt, sondern wurden in stereotypisierenden, oft stark sexualisierten oder „ethnografisch“ inszenierten Kleidungen gezeigt. Es gab aber eindeutig Fälle, in denen Nacktheit, Körperformen, Genitalien, Gesäß, Hautfarbe und sogenannte „rassische Merkmale“ voyeuristisch oder wissenschaftlich-rassistisch betrachtet, vermessen oder ausgestellt wurden.

Besonders unter Gruppen aus Nordostafrika, also aus dem heutigen Sudan, Eritrea, Äthiopien, Somalia und angrenzenden Regionen, gab es Muslime. Viele dieser Menschen wurden in europäischen Völkerschauen als „Nubier“, „Somali“, „Galla“, „Bedja/Beja“, „Hadendoa“ oder „Sudanesen“ bezeichnet, oft ungenau oder kolonial verzerrt.

Bei Hagenbecks sogenannten „Nubiern“ handelte es sich nach heutiger Einordnung oft gar nicht um Nubier im engeren Sinn, sondern vor allem um Beja/Bedscha aus dem Raum Sudan und Südägypten. Zu den namentlich dokumentierten Personen gehörten etwa Bedri Halengi, Ibrahim Hadendoa, Idris Heikota, Idris Radi, Omar und Saleh Tarkuri von Wadai. Die Quelle nennt ausdrücklich Halénga/Halenga, Hadendoa, Marea und weitere Gruppen der Beja.

Bei diesen Personen ist eine muslimische Zugehörigkeit plausibel bis sehr wahrscheinlich, weil Beja, Hadendoa, viele Gruppen aus Wadai und große Teile des sudanesisch-ägyptischen Raums im 19. Jh. n.Chr. islamisch geprägt waren und die Namen muslimisch klingen. Für jede einzelne Person ist die Religion aber nicht immer ausdrücklich dokumentiert.

Bei den Somali-Völkerschauen ist die muslimische Zugehörigkeit noch deutlicher. Für eine 1895 in London gezeigte Somali-Gruppe wird ausdrücklich berichtet, dass frühe Berichte sie als Muslime bezeichneten.

Auch unter Gruppen, die als „Sudanesen“, „Nubier“, „Beduinen“, „Araber“, „Türken“, „Tataren“, „Perser“, „Ägypter“, „Marokkaner“ oder „Senegalesen“ gezeigt wurden, konnten Muslime sein. Allerdings ist nicht immer klar, ob es sich um echte Herkunftsangaben, Bühnenrollen oder koloniale Sammelbezeichnungen handelte.

Heute distanzieren sich alle damals Verantwortlichen von den damaligen Geschehnissen.

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de