Al-Mizan
Al-Mizan - Auslegung des Qur'an

Aussprache: tafsiir al-miizaan
arabisch:
تفسير الميزان
persisch: تفسير ميزان
englisch: Al-Mizan

Mehr zum Thema siehe: Al-Mizan

Al-Mizan - Auslegung des Qur’an

Über die Methode dieses Buches

In diesem Vorwort wollen wir jene Methode beschreiben, die in vorliegendem Werk angewandt wurde, um die Bedeutung der Verse des Qur´ans zu ergründen.

At-Tafsīr (= Exegese, Interpretation, Auslegung), d. h. die Erklärung der Bedeutung qur´anischer Verse und die Erläuterung ihrer Herkunft und Signifikanz, ist eine der ältesten akademischen Tätigkeiten im Islam. Wie es aus Allahs Worten deutlich hervorgeht, begann die Interpretation des Heiligen Qur´ans bereits mit dessen Offenbarung:

„Sowie Wir unter euch einen Gesandten aus eurer Mitte erstehen ließen, der euch Unsere Verse verliest und euch läutert und euch das Buch und die Weisheit lehrt und euch lehrt, was ihr nicht wusstet“ (2:151).

Die ersten Exegeten waren einige der Gefährten des Propheten, wie Ibn ´Abbās, ´Abdullāh ibn ´Umar, Ubayy ibn Ka’b und andere (wenn wir an dieser Stelle den Begriff der “Gefährten“ verwenden, so sind damit Andere als ´Ali (a.) gemeint. Denn er und die Imame aus seiner Nachkommenschaft sind durch einen unvergleichlichen Status ausgezeichnet, worauf wir an anderer Stelle noch näher eingehen werden). Exegese in diesen Tagen war beschränkt auf die Erläuterung der literarischen und linguistischen Aspekte der Verse, auf den Hintergrund ihrer Offenbarung und gelegentlich auch auf die Interpretation eines Verses durch die Hilfe eines anderen Verses. Falls es sich in dem Vers um die Beschreibung eines historischen Ereignisses handelte oder darin Angelegenheiten der Schöpfung (Genesis) oder Wiederauferstehung behandelt wurden, dann wurden oftmals auch einige Überlieferungen des Propheten angeführt, um deren Bedeutung klarer zu machen.

Diesen Stil der Exegese wandten auch die Schüler der Gefährten an, wie etwa Mudschāhid, Qatādah, Ibn Abī Laylā, asch-Scha’bī, as-Suddī und andere, die in den ersten zwei Jahrhunderten nach der Hidschra[1] lebten. Sie verließen sich dabei noch wesentlich stärker auf Überlieferungen des Propheten (s.) (arab.: Hadīth= Mitteilung, Erzählung, Bericht), darunter allerdings auch solche die gefälscht und für bestimmte Zwecke angepasst worden waren von Juden und anderen. Sie zitierten diese Überlieferungen vor allem, um Verse zu erklären, die die Geschichten vorangegangener Nationen beinhalteten oder die über die Schöpfung sprachen; so beispielsweise Verse über die Schöpfung der Himmeln und der Erde, über die Entstehung der Flüsse und Berge, über “Iram“ – die Stadt des Stammes von `Ad, über Schaddad[2] und über die sogenannten „Fehler“ der Propheten, über die Verfälschungen der heiligen Bücher und ähnliche Dinge. Viele dieser Themen finden sich bereits in jenen frühen Exegesen, die den Gefährten selbst zugeschrieben werden.

Während der Herrschaft der Kalifen, jener der Zeit, als die Nachbarländer der arabischen Halbinsel erobert wurden, gelangten die Muslime in Kontakt mit den besiegten Völkern und wurden bald in religiöse Diskussionen mit den Gelehrten unterschiedlichster Religionen und religiöser Sekten involviert. Diese intellektuellen Auseinandersetzungen führten zum Aufstieg der theologischen Diskurse und der Wissenschaft der Theologie, die im Islam als “´Ilmu`l-kalām“ bekannt wurde. Im Zuge dessen wurde auch die griechische Philosophie in die arabische Sprache übersetzt. Dieser Prozess begann bereits gegen Ende des ersten Jahrhunderts nach der Hidschra (in der Regierungszeit der Umayyaden), setzte sich fort bis ins dritte Jahrhundert (Regierungszeit der Abbasiden) und weckte den Geschmack für intellektuelle und philosophische Argumentation unter der muslimischen Intelligenzija.

Zur gleichen Zeit erhob auch at-Taawwuf (= Sufismus, Mystik) sein Haupt in der Gesellschaft und übte bald eine starke Anziehungskraft auf die Menschen aus, denn es versprach ihnen die verborgenen Realitäten der Religion zu offenbaren – und zwar durch strenge Selbstdisziplin und asketische Praktiken – anstatt sie in verbale Polemiken und intellektuelle Argumentation zu verwickeln.

Und dann tauchte plötzlich auch eine Gruppe auf, die sich selbst als “die Leute der Tradition“ bezeichneten und die daran glaubten, dass die Erlösung allein davon abhing, an den äußeren, manifesten Bedeutungen des Qur´an und der Überlieferungen und Traditionen des Propheten festzuhalten, ohne dass dabei akademische Forschungen irgendeine Rolle spielen sollte. Höchstens wurde es dabei als legitim angesehen, den literarischen und linguistischen Wert von Worten Beachtung zu schenken.

So hatte sich die muslimische Gesellschaft, noch bevor das zweite Jahrhundert nach der Hidschra weit vorangeschritten war, bereits grob genommen in vier unterschiedliche Gruppen geteilt: Die Theologen, die Philosophen, die Sufis und die Leute der Tradition. Das führte zu einem intellektuellen Chaos in der islamischen Umma[3] und die Muslime waren dabei ihre Geduld zu verlieren.

Der einzige kleinste gemeinsame Nenner, an dem alle gleichermaßen festhielten und dem sich alle verschrieben hatten waren die Worte: „Es gibt keinen Gott außer Gott (Allah) und Muhammad (s.) ist ein Gesandter Allahs.“ In beinahe allen anderen Dingen gingen ihre Meinungen auseinander. So gab es Streit über die Bedeutung der Namen und Attribute von Allah, sowie über Seine Handlungen; es gab Konflikte über die Realität der Himmeln und der Erde und was sich in und auf ihnen befinde; es gab Kontroversen über den Willen und über die Bestimmung Allahs sowie über die göttlichen Grenzen und die göttliche Gerechtigkeit; die Meinungen darüber ob der Mensch ein hilfloses Werkzeug in den Händen Gottes sei oder über Handlungsfreiheit verfüge gingen weit auseinander; es gab heftige Dispute über die verschiedenen Aspekte von Belohnung und Bestrafung; Argumente wurden wie Tennisbälle hin und her geschleudert, bezüglich der Realitäten des Todes, des al-Barzach (die Todeszwischenphase, eine Übergangsperiode zwischen dem individuellen Tod und dem Tag der Wiederauferstehung), der Wiederauferstehung selbst und der Interpretation von Paradies und Hölle. Kurz gesagt, es gab nicht ein einziges Thema, welches nur irgendeine Relevanz für die Religion aufgewiesen hätte, über das keine Uneinigkeit der einen oder anderen Art geherrscht hätte. Und diese Divergenz fand ihren Ausdruck, nicht wider Erwarten, auch in den unterschiedlichen Exegesen des Qur´ans. Denn jede Gruppe war bemüht ihre Sichtweisen und Meinungen mit Hilfe des Qur´ans zu untermauern; und die Exegesen sollten diesem Zweck dienen.

So deuteten die Leute der Tradition den Qur´an mit Hilfe jener Überlieferungen, die den Gefährten und deren Schülern zugeschrieben wurden. So konnten sie mit ihrer Arbeit fortfahren, solange ihnen entsprechende Überlieferungen, von denen sie sich leiten ließen, bekannt waren, doch sie stießen dort an ihre Grenzen, wo sie keiner passenden Tradition fündig werden konnten (vorausgesetzt die Bedeutung der Verse war nicht selbsterklärend und offensichtlich). Sie dachten, dies sei die einzig gesicherte Methode mit Hilfe derer, der Qur´an interpretiert werden dürfte, denn Allah sagte: „...Diejenigen aber, die ein tief begründetes Wissen haben, sagen: `Wir glauben wahrlich daran. Alles ist von unserem Herrn´...“ (3:7).

Aber sie irrten sich. Allah sagte nirgendwo in Seinem Buch, dass rationaler Beweis keine Gültigkeit besitzen würde. Wie hätte Er auch so etwas behaupten können, wenn die Authentizität des Buches selbst auf rationalem Beweis fußte und davon abhängig war? Andererseits, hatte Er an keiner Stelle erwähnt, dass die Worte und Aussagen der Gefährten und deren Schülern irgendeinen Wert als religiöse Beweismittel darstellten. Wie hätte er auch so etwas sagen können, angesichts der haarsträubenden Diskrepanzen in deren Meinungen? Kurz gesagt, Allah hat uns nicht dazu aufgefordert, uns in blindem Gehorsam gegenüber Meinungen und Sichtweisen zu üben, die in sich zutiefst widersprüchlich sind. Stattdessen hat er uns dazu aufgefordert, über die qur´anischen Verse tief zu meditieren und zu reflektieren, bis sich jede Form der scheinbaren Widersprüchlichkeit auflöst. Allah hat den Qur´an als eine Rechtleitung und Führung offenbart und zu einem Licht und zu einer Erklärung aller Dinge gemacht. Warum also sollte ein Licht seine Helligkeit vom Lichte Anderer suchen müssen? Und warum sollte eine Rechtleitung von der Rechtleitung Anderer abhängig sein? Wieso sollte “eine Erklärung aller Dinge“ erklärt werden müssen durch die Worte von Anderen?

Das Schicksal der Theologen war aber bei weitem noch schlimmer, als das der Leute der Tradition. Denn sie hatten sich in tausende von Sekten aufgespalten und jede Gruppe hielt nur an jenen Versen fest, die ihren eigenen Glauben zu unterstützen schienen und versuchte im Gegenzug all das, was ihre Meinungen offensichtlich entkräften konnte, zu ignorieren oder wegzuerklären. Der Samen der sektiererischen Differenzen wurde durch jene akademischen Theorien gesät, aber wurzelte noch mehr als dort im blinden Gehorsam und im Nährboden nationaler und tribaler Vorurteile. Hier ist allerdings nicht genügend Platz, um all dies auch nur in kürzester Form zu beschreiben.

Wie dem auch sei, solche Arten der Exegese wie sie Theologen und die Vertreter akademischer Theorien praktizierten, sollten eher als “Adaptionen“ bezeichnet werden, statt als Exegese und Erläuterung, denn sie dienten nur dem Zwecke der Anpassung an bestimmte eigene Meinungen und nicht der Erklärung.

So gibt es zwei Arten, einen Vers zu deuten: Der eine mag fragen: „Was sagt der Qur´an?“ und der andere mag fragen: „Wie kann dieser Vers so erklärt werden, dass er meinen eigenen Vorstellungen entspricht und meinen Glauben unterstützt?“ Der Unterschied zwischen diesen beiden Ansätzen ist wohl offensichtlich. Der Erstere vergisst alle vorgefertigten Ideen und folgt dorthin, wohin ihn der Qur´an führt. Der Letztere hat sich bereits entschieden, woran er glauben will und stutzt sich einen jeden Qur´anischen Vers dementsprechend zurecht – so eine Art der Exegese ist dann allerdings überhaupt keine Exegese.

Auch die Philosophen litten unter dem gleichen Syndrom. Sie versuchten die Qur´anischen Verse entsprechend den Prinzipien der griechischen Philosophie (die sich wiederum in vier Zweige teilte: die Mathematik, die Naturwissenschaft, die Metaphysik und die praktischen Fächer) anzupassen. Falls ein Vers diesen Prinzipien klar widersprechen sollte, war man bemüht diesen zu entkräften.

Auf diesem Wege wurden diejenigen Verse, die metaphysische Themen beschrieben, wie etwa die Genesis und die Schöpfung der Himmeln und der Erde, das Leben nach dem Tod, die Wiederauferstehung oder Paradies und Hölle, gänzlich verzerrt, um sie mit der entsprechenden Philosophie kompatibel zu machen – obwohl diese Philosophie jedoch zugegebenermaßen auch nicht mehr darstellte, als eine Ansammlung von Annahmen und Hypothesen, die nicht durch Tests oder Beweise bestätigt oder gesichert worden waren. Aber die islamischen Philosophen empfanden keinerlei Unbehagen dabei, die Sichtweisen dieses Systems hinsichtlich der Himmelskonstellationen, der Umlaufbahnen, der Naturelemente und anderer Themen als absolute und gesicherte Wahrheiten zu behandeln, denen sich die Exegese des Qur´an dann anzupassen und unterzuordnen hatte.

Die Sufis hingegen fixierten sich auf die esoterischen, inneren Aspekte der Schöpfung. Sie waren zu beschäftigt mit ihrer inneren Welt, um die äußere Welt zu betrachten. Ihr rein nach innen gerichteter Tunnelblick hielt sie davon ab, die Dinge in ihrer wahren Perspektive zu sehen. Ihre Liebe zu dem Esoterischen brachte sie dazu, in allen Versen nach inneren, versteckten Botschaften zu suchen, ohne dabei auch die äußeren, klaren und manifesten Bedeutungsebenen zu beachten.

Diese Zugangsweise ermutigte die Menschen ihre Erklärungen und Deutungen der Verse in poetischer Art und Weise auszudrücken und verleitete sie dazu Irgendetwas zu verwenden um Irgendetwas zu erklären. Dieser Zustand erreichte teilweise ein solches Extrem, dass Verse nur mehr aufgrund des numerischen Wertes der enthaltenen Wörter interpretiert wurden. Buchstaben wurden unterschieden in hell und dunkel und die gesamte Erläuterung basierte dann gänzlich auf dieser Unterteilung. Handelt es sich hierbei nicht um den Bau von Luftschlössern? Der Qur´an wurde sicherlich nicht gesandt, um alleine die Sufis zu leiten; er war auch nicht nur an jene adressiert worden, die sich mit den numerischen Werten von Buchstaben (und mit all den inhärenten Irrtümern dieser Technik) auskannten; noch basierten die Realitäten dieses Buches auf astrologischen Kalkulationen.

Natürlich gibt es Überlieferungen vom Propheten (s.) und von den Imamen der Ahl-ul-Bait[4] (a.), die beispielsweise folgendes besagen: „Wahrlich der Qur´an hat äußere Aspekte und innere Aspekte; und die Inneren besitzen wiederum innere Aspekte bis hin zu sieben Schichten (oder nach anderen Versionen dieser Überlieferung: bis hin zu siebzig Schichten)...“ Aber der Prophet (s.) und die Imame (a.) maßen den äußeren und inneren Aspekten eine ausgewogene Bedeutung zu; sie beschäftigten sich gleichermaßen mit ihrer Offenbarung, wie mit ihrer Interpretation.

Wir werden zu Beginn der dritten Sure[5] des Qur´an “Die Familie von Imran“ noch genauer erläutern, wieso “Interpretation“ nicht eine Bedeutung entgegen dem manifesten Gehalt eines Verses meinen kann, denn solch eine Interpretation sollte korrekterweise als “Missinterpretation“ bezeichnet werden. Solch eine Bedeutung des Begriffes “Interpretation“ kam in islamischen Kreisen erst lange nach der Offenbarung des Qur´an und der Verbreitung des Islam in Mode und ist etwas ganz anderes als die Exegese – die Erläuterung der Bedeutungen und Signifikanz eines Verses.

In der Gegenwart, kam noch eine neue Methode der Exegese in Mode. Einige Leute, scheinbar Muslime, die stark von den modernen Naturwissenschaften (die auf der Methode der Beobachtung und empirischen Tests basieren) und Sozialwissenschaften (die auf der Methode der Induktion beruhen) beeinflusst worden waren, folgten den Materialisten Europas oder den Pragmatikern. Unter dem Einfluss dieser anti-islamischen Theorien erklärten sie, dass die Realitäten der Religionen niemals entgegen den Erkenntnissen dieser modernen Wissenschaften stehen könnten; niemand sollte an etwas glauben, dass sich außerhalb, des Erkenntnisbereiches jener Wissenschaften befinde und das nicht durch die fünf Sinne wahrgenommen werden kann – außer der Materie und ihre Eigenschaften existiere nichts. Das, was die Religion als existent bezeichnet, die Wissenschaften aber ablehnen (wie beispielsweise die im Qur´an erwähnten göttlichen Zeichen des Throns, der Tafel oder des Schreibrohres), sollte so interpretiert werden, dass es mit den modernen Wissenschaften konform geht. Was diejenigen Dinge anbelangt, über die die Wissenschaft schweigt, wie die Wiederauferstehung usw. so sollten diese innerhalb der bekannten Gesetzte der Materie interpretiert werden. Die Säulen, auf denen die religiösen Gesetze ruhen, wie die Offenbarung, die Engel, Satan, das Prophetentum, die Gesandtschaft, das Imamat etc. sind demnach nur spirituelle und geistige Dinge, und der Geist ist nur eine Entwicklung der Materie, oder besser gesagt, nur eine Eigenschaft der Materie. Die Festlegung jener Gesetze ist die Manifestation eines bestimmten sozialen Genius, der diese erst nach gesunder und reiflicher Überlegung festgesetzt hat zum Zweck eine gute und fortschrittliche Gesellschaft zu errichten.

Des Weiteren sagen sie: Man kann den alten Traditionen nicht trauen, denn viele von ihnen sind gefälscht; man kann sich nur auf diejenigen Traditionen verlassen, die mit dem Buch im Einklang sind. Was aber das Buch selbst betrifft, so sollte man sich nicht bemühen es im Lichte der alten Philosophien und Theorien zu erklären, denn diese basierten nicht auf wissenschaftlicher Beobachtung und empirischen Tests, sondern stellten nur eine Art mentale Aufwärmübung dar, die heutzutage von den modernen Wissenschaften vollkommen überholt und diskreditiert wurde. Die beste und eigentlich die einzig zulässige Methode ist es demnach den Qur´an durch die Hilfe anderer Qur´an-Verse zu erklären – außer dort wo die Wissenschaft etwas Wichtiges zur Erläuterung beizutragen hat.

Das ist in Kürze das, was sie geschrieben haben oder das, was notwendigerweise aus ihrem blinden Vertrauen auf empirische Tests und systematischen Beobachtungen folgt.

Wir wollen uns hier nun nicht weiter mit der Frage beschäftigen, ob ihre wissenschaftlichen Prinzipien und ihre philosophischen Aussagen als Basis einer Exegese des Qur´ans akzeptabel sind. Aber es sollte dennoch darauf hingewiesen werden, dass der Einspruch, den sie gegen die alten Exegeten vorbrachten – dass deren Auslegung nur eine Anpassung und keine Erklärung gewesen sei – auch in Bezug auf ihre eigene Methode angewandt werden kann. Denn auch sie behaupten, dass der Qur´an und seine Realitäten an die wissenschaftlichen Theorien angepasst werden muss. Wenn dies nicht der Realität entsprechen würde, wieso beharren sie dann so sehr darauf, dass ihre akademischen Theorien als die wahre Basis einer Exegese gesehen werden müssen, von denen keine Abweichung erlaubt wird? Diese Methode verbessert die diskreditierten Methoden ihrer Vorgänger in keinster Weise.

Wenn wir nun all die oben beschriebenen Arten der Exegese betrachten, so werden wir sehen, dass alle von ihnen einen gravierenden Fehler aufweisen: Sie versuchen der Bedeutung der qur´anischen Verse die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen oder philosophischen Diskussionen aufzuzwingen und so den Qur´an mit fremden, von außen herangetragenen Ideen überein zu stimmen. Auf diese Art und Weise werden aus Erklärungen nichts weiter als Anpassungen/Angleichungen, Rea­litäten des Qur´an werden als bloße Allegorien abgetan und die augenscheinliche manifeste Bedeutung eines Verses fällt ihren so genannten “Interpretationen“ zum Opfer.

Wie bereits zu Beginn erwähnt wurde, stellt sich der Qur´an selbst als „eine Leitung für die Welten“ (3:96); „ein klares Licht“ (4:174) und als „Erklärung aller Dinge“ (16:89) vor. Aber gänzlich im Widerspruch zu diesen deutlichen Aussagen des Qur´an selbst, halten diese Leute daran fest, dass der Qur´an von außen stehenden Faktoren geleitet, von fremden Theorien beleuchtet und durch etwas Anderes, als durch den Qur´an selbst, erklärt werden soll! Wer oder was ist nun aber dieses “etwas Anderes“? Welche Autorität besitzt es? Und falls es Unterschiede zwischen den verschiedenen Auslegungen eines Verses gibt – und die Unterschiede sind in der Tat gravierend – auf welchen Mittler soll der Qur´an dann verweisen?

Worin besteht nun die Grundursache der unterschiedlichen Auslegungen des heiligen Qur´an? Diese kann jedenfalls nicht in den unterschiedlichen Bedeutungen eines Wortes, einer Phrase oder eines Satzes begründet liegen. Denn der Qur´an wurde in einem deutlichen Arabisch herabgesandt, und kein Araber (oder Nicht-Araber, der über ausreichend Arabischkenntnisse verfügt) wird sich damit schwer tun, es zu verstehen. Außerdem gibt es nicht einen einzigen Vers im Qur´an (von mehr als 6000), dessen Bedeutung rätselhaft, verworren oder unverständlich wäre, noch gibt es einen einzigen Satz, der den Verstand herumirren lässt auf der Suche nach dessen Sinnhaftigkeit.

Schließlich gilt der Qur´an selbst anerkanntermaßen als das eloquenteste und wortgewandteste Beispiel der Redekunst und zu den grundlegendsten Bestandteilen von Eloquenz zählt die Freiheit von jeglicher Verworrenheit und Undeutlichkeit.

Selbst jene Verse, die zu den so genannten “mehrdeutigen Versen“ zählen, sind nicht mehrdeutig oder zwiespältig in Bezug auf ihre sprachliche Bedeutung. Worin jene Mehrdeutigkeit nun auch bestehen mag, so handelt es sich dabei um die Identifizierung eines bestimmten Elements oder einer Person aus der betreffenden Gruppe, auf die sich die Bedeutung bezieht. Aber diese Aussage bedarf wohl weiterer Ausführungen.

In diesem Leben sind wir umgeben von Materie. Selbst unsere Sinnesfakultäten stehen in enger Abhängigkeit zu ihr. Diese Nähe und Vertrautheit mit materiellen Dingen hat unsere Art und Weise zu denken stark geprägt. Wenn wir ein Wort oder einen Satz hören, so beeilt sich unser Verstand sofort deren materielle Bedeutung wahrzunehmen. Wenn wir beispielsweise Begriffe hören wie: Leben, Wissen, Macht, Hören, Sehen, Rede, Willen, Genuss, Wut, Schöpfung und Ordnung, dann denken wir sogleich an materielle Manifestationen ihrer Bedeutungen. Ebenso verhält es sich, wenn wir Begriffe vernehmen wie Himmel, Erde, Tafel, Stift, Thron, Engel und Flügel, Satan und seine Völker und Armeen. Das erste, was uns in den Sinn kommen wird, sind deren materielle Manifestationen.

Gleichermaßen ist es auch, wenn wir Sätze hören wie „Allah hat das Universum geschaffen“, „Allah hat das getan“, „Allah wusste dies“, „Allah beabsichtigte das“ oder „beabsichtigt es“; Wir betrachten diese Handlungen immer im Rahmen von “Zeit“, denn wir sind es gewohnt jedes Verb mit einem zeitlichen Ablauf zu verbinden.

Und so verhält es sich dann auch, wenn wir folgende Verse hören: „...und bei Uns ist noch weit mehr...“ (50:35); „...so hätten wir dies von Uns aus vorgenommen...“ (21:17); „...was bei Allah ist, das ist besser ...“ (62:11); „...und zu Ihm werdet ihr zurückgebracht werden“ (2:28) usw.. Wir verbinden mit der göttlichen Präsenz automatisch das Konzept von “Raum“ und “Örtlichkeit“, denn in unserem Denken sind diese beiden Ideen untrennbar miteinander verbunden.

Ebenso, wenn wir die Verse lesen: „Und wenn wir eine Stadt zu zerstören beabsichtigen“ (17:16); „...und wenn wir beabsichtigen eine Huld zu erweisen...“ (28:5) „...und Allah beabsichtigt Erleichterung für euch“ (2:185), dann nehmen wir zumeist an, dass “Absicht“ die gleiche Bedeutung in jedem dieser Sätze tragen würde, denn wir denken dabei an unsere eigene “Absicht“ und unseren Willen.

Auf diese Art und Weise springen unsere Gedanken automatisch zu der vertrautesten Bedeutung eines Wortes (wobei es sich dabei meist um die materielle Bedeutung handelt). Das ist nur natürlich. Der Mensch hat Worte geschaffen, um sein soziales Bedürfnis des gegenseitigen Austausches zu erfüllen und die Gesellschaft wurde errichtet, um die materiellen Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen. So wurden die Worte, nicht unerwarteter Weise, zu Symbolen für jene Dinge, mit denen die Menschen im Alltag verbunden waren und die ihnen bei ihrem materiellen Fortschritt behilflich waren.

Aber wir sollten dabei auch nicht vergessen, dass sich die materiellen Dinge mit der Entwicklung von Expertise fortwährend verändern und weiterentwickeln. Beispielsweise hat der Mensch den Namen “Lampe“ einem bestimmten Ding gegeben, in das man einen Docht und ein wenig Fett hinein geben konnte, wobei das Fett den angezündeten Docht versorgte und so einen Ort in der Dunkelheit über einen bestimmten Zeitraum hinweg erleuchten konnte. Dieser Apparat veränderte sich im Laufe der Zeit, bis er heutzutage zu einer elektrischen Glühbirne in verschiedensten Ausformungen mutierte. Doch außer dem Namen “Lampe“ findet sich heute keine einzige der materiellen Komponenten der ursprünglichen “Lampe“ in dem Gerät wieder.

Gleichsam verhält es sich auch mit der äußeren Erscheinung von altertümlichen Waagen im Gegensatz zu modernen Messgeräten, die keinerlei Ähnlichkeit mehr miteinander aufweisen. Vor allem wenn wir die alten Apparate vergleichen mit modernen Geräten, die dazu benützt werden, Hitze, elektrischen Strom oder Blutdruck zu messen. In gleicher Weise haben die Waffen und Rüstungen der alten Zeiten mit den Erfindungen und Innovationen unserer Zeit nichts mehr gemeinsam, außer dem Namen.

Die Dinge, denen einst bestimmte Namen gegeben wurden, haben sich oftmals so sehr verändert, dass nicht eine einzige Komponente der ursprünglichen Form noch in ihnen erhalten geblieben ist, dennoch hat sich der Name nicht verändert. Dies zeigt nun deutlich, dass das wichtigste Element, das die Verwendung eines bestimmten Namens für ein Ding erlaubt keineswegs die Form oder die materielle Erscheinung ist, sondern dessen Zweck, Aufgabe und Nutzen.

Der Mensch, gefangen wie er ist, in einem bestimmten Lebensraum und in seinen Gewohnheiten, kann diese Realität nicht begreifen. Deswegen haben al-aschawiyyah[6] und diejenigen, die daran glauben, dass Gott einen Körper besitzt, die Verse des heiligen Qur´ans ausgehend vom Bezugssystem der Materie und der Natur interpretiert. In Wirklichkeit aber stecken sie bloß in ihren Gewohnheiten fest und orientieren sich nicht an der äußeren Realität des Qur´an und an den Überlieferungen.

Selbst wenn nur von der wortwörtlichen Bedeutung Qur´ans ausgegangen wird, so finden sich genügend Beweise dafür, dass der Verlass auf die Gewohnheit und auf den konventionellen Gebrauch bei der Erklärung und Erläuterung der göttlichen Worte nur zu Verwirrung und Abnormität führen würde. Zum Beispiel sagt Allah: „Es gibt nichts Seinesgleichen (42:11); ...Er kennt das Verborgene und das Offenkundige; und Er ist der Allweise, Der am besten unterrichtet ist (6:73); Gepriesen sei Allah, erhaben über all das, was sie beschreiben!“ (23:91; 37:159). Diese Verse verdeutlichen, dass das, was uns vertraut ist und uns als gewohnt erscheint, nicht Allah zugeschrieben werden kann.

Es war eben diese Tatsache, die viele Menschen davon überzeugt hat, dass die Worte des heiligen Qur´ans nicht ausreichend erklärt werden können, indem sie mit ihrer üblichen und gebräuchlichen Bedeutung identifiziert werden. Sie gingen dabei noch einen Schritt weiter und suchten die Hilfe von Logik und philosophischer Beweisführung um das Ziehen falscher Schlüsse zu vermeiden. Dies wiederum diente als Stütze um wissenschaftliche Argumentation als Mittel heranzuziehen um den Qur´an zu interpretieren und jene Person oder jenes Dinge zu identifizieren, das durch ein bestimmtes Wort bezeichnet wurde. Solche Diskussionen können nun auf zweierlei Arten erfolgen:

1)   Der Exeget nimmt ein Problem her, dass sich aus einer qur´anischen Aussage ergibt und betrachtet es von einem wissenschaftlichen und philosophischen Standpunkt aus. Er wägt die Vorteile und Nachteile ab und mit Hilfe der Philosophie, der Wissenschaft und der Logik entscheidet er was die richtige Antwort sein sollte. Dann nimmt er den entsprechenden Vers und passt ihn irgendwie an die Antwort an, die er für richtig erachtet. Die islamischen Philosophen und Theologen folgten meist dieser Methode, aber wie bereits vorher erwähnt, bestätigt der Qur´an selbst diese Methode nicht.

2)   Der Exeget erklärt die Verse mit Hilfe von anderen relevanten Versen und meditiert dabei tief über diese in Kombination miteinander – und der Qur´an selbst hat zur Meditation und zur gründlichen Reflektion zwingend aufgerufen – und kann so die bestimmten Personen oder Dinge durch jene Eigenschaften und Eigenheiten identifizieren, die in dem entsprechenden Vers angeführt werden. Es besteht kein Zweifel, dass es sich hierbei um die korrekte Methode der Exegese handelt.

Denn Allah sagte: „...Und wir haben dir das Buch zur Erklärung aller Dinge hernieder gesandt“ (16:89). Wäre es demnach für solch ein Buch möglich sich selbst nicht zu erklären? Des Weiteren beschrieb Gott den Qur´an mit diesen Worten: „...indem der Qur´an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung (zwischen richtig und falsch)“ (2:185); und Er sagte auch: „Und wir sandten zu euch ein klares Licht herab“ (4:174). Der Qur´an ist demnach eine Rechtleitung, ein Beweis, eine Unterscheidung zwischen richtig und falsch und ein manifestes Licht für die Menschen, um diese auf den richtigen Weg zu leiten und ihnen bei all ihren Problemen und Bedürfnissen zu helfen. Ist es demnach vorstellbar, dass der Qur´an die Menschen in Bezug auf sich selbst nicht ebenfalls rechtleiten würde, wo dies [das richtige Verständnis des Qur´an] doch eigentlich ihr wichtigstes Bedürfnis ist?

Und so sagt Allah: „Und diejenigen, die in Unserer Sache wetteifern und sich abmühen – Wir werden sie gewiss auf unsere Wege leiten“ (29:69). Welches Bemühen könnte größer sein, als das Vorhaben Sein Buch zu verstehen? Und welcher Weg ist direkter als der Qur´an selbst? Verse dieser Art sind zahlreich und wir werden sie zu Beginn des dritten Kapitels: “Die Familie von Imran“ noch im Detail erläutern.

Allah lehrte den Qur´an Seinem Propheten und bestimmte ihn gleichzeitig auch als Lehrer des heiligen Buches: „Der Geist des Glaubens und des Verständnisses wurde mit ihm [dem Buch] herabgesandt auf dein Herz , auf dass du ein Warner sein mögest, in arabischer Sprache, die deutlich ist (26:193-4); ...und zu dir haben wir die Ermahnung herabgesandt, auf das du den Menschen erklärest, was ihnen herabgesandt wurde und auf dass sie nachdenken mögen“ (16:44); ...Der unter den Analphabeten einen Gesandten aus ihrer Mitte erweckt hat, um ihnen Seine Verse zu verlesen und sie zu reinigen und die Weisheit zu lehren...“ (62:2).

Der Prophet wiederum beauftragte seine Nachkommenschaft damit, diese Arbeit nach ihm fortzuführen. Das geht deutlich aus dieser einstimmig akzeptierten Überlieferung hervor:

„Ich hinterlasse euch zwei wesentliche Dinge; solange ihr an diesen beiden festhaltet, werdet ihr nach mir niemals in die Irre gehen: das Buch von Allah und meine Nachkommenschaft, die Mitglieder meiner Familie. Diese beiden sollen niemals voneinander getrennt werden, bis sie wieder mit mir vereint werden an der Quelle nie endender Segnungen al-Kauthar.“

Allah hat in den folgenden beiden Versen die Erklärung des Propheten, dass seine Nachkommenschaft das wahre Wissen über das Buch besitzt, bestätigt „...Allah will nur jegliches Übel von euch verschwinden lassen, O ihr Menschen des Hauses [des Propheten] [arab.: Ahl-ul-Bait] und euch stets in vollkommener Weise reinhalten. (33:33);“ „...dass dies gewisslich ein edler Qur´an ist, in einer wohl aufbewahrten Urschrift. Keiner kann sie berühren außer den Reinen“ (56:77-79).

Der Prophet und die Imame aus dessen Nachkommenschaft wandten stets die zweite jener Methoden an, die oben beschrieben wurden, um den Qur´an zu erläutern und zu erklären. Dies wird auch aus den zahlreichen Überlieferungen ersichtlich, die von ihnen bezüglich der Exegese des Qur´ans erhalten sind und von denen wir an passender Stelle in diesem Buch noch einige zitieren werden. In all ihren Überlieferungen werden wir auf keinen einzigen Fall treffen, wo sie wissenschaftliche Theorien oder philosophische Postulate zu Hilfe genommen haben, um einen Vers zu deuten oder zu erklären.

Der Prophet (s.) sagte in einer seiner Ansprachen:

„Und demnach, wenn einst Unheil über euch kommen wird, um euch zu verwirren wie die einzelnen Abschnitte der finsteren Nacht, dann haltet fest am Qur´an; denn er ist der Fürsprecher, dessen Fürsprache angenommen werden soll; und er ist ein glaubwürdiger Anwalt; und wer auch immer ihn vor sich halten wird, den wird er zu den Gärten führen; und wer auch immer ihn hinter sich lassen wird, den wird er in das Feuer führen; und er ist der Führer, der auf den besten Weg leitet; und es ist ein Buch worin Erklärung, Unterscheidung und Hingabe enthalten ist; und es ist eine entscheidende Welt und nicht bloß ein Witz; und es liegt darin eine manifeste, deutliche Bedeutung und eine spirituelle, verborgene Bedeutung; und seine äußere, manifeste Bedeutung ist stabil und deutlich und seine innere spirituelle Bedeutung ist Wissen; seine äußere Form ist elegant und sein Inneres ist tief; er beinhaltet viele Grenzen und Schichten; seine Wunder sollen niemals aufhören und seine unerwarteten Schätze werden niemals veraltet oder überholt sein. Darin sind Lampen der Rechtleitung und Leuchten der Weisheit und eine Führung zu Wissen und Weisheit für diejenigen, die die Eigenschaften kennen. Deswegen sollte man seine Sicht erweitern; und sollte seine Augen die wahren Eigenschaften erkennen lassen; so dass jemand, der sich in Verdammnis befindet, Erlösung erreicht, und dass jemand, der sich verfangen hat, befreit wird; denn Meditation ist das Lebenselixier des Herzens desjenigen, der sieht, sowie derjenige der ein Licht besitzt leicht durch die Dunkelheit gehen kann; deswegen solltet ihr euch auf die Suche nach der wahren Befreiung machen und das, ohne lang zu warten oder zu zögern.“

Imam Ali (a.) sagte während einer Ansprache über den heiligen Qur´an unter anderem folgendes:

 „Der eine Teil kommuniziert mit dem Anderen und der eine Abschnitt legt Zeugnis über den Anderen ab.“

Dies ist nun der gerade und richtige Weg, der auch von den wahren Lehrern des Qur´ans und seinen rechtmäßigen Führern beschritten wurde, möge Allahs Segen auf ihnen allen sein!

Unter verschiedenen Aspekten wollen wir nun anführen, zu welchen Einsichten wir durch Allahs Erlaubnis mit Hilfe der eben beschriebenen Methode hinsichtlich Seiner geehrten Verse gelangt sind. Unsere Erklärungen basieren nicht auf philosophischen Theorien, bestimmten wissenschaftlichen Ideen oder mystischen Offenbarungen. Des Weiteren haben wir weitgehend darauf verzichtet, äußere Faktoren mit einzubeziehen mit Ausnahme von einigen feinen literarischen und linguistischen Aspekten, von denen das Verständnis arabischer Eloquenz und Redefertigkeit abhängt, sowie einigen selbstverständlichen praktischen Vorraussetzungen, die von einem Jeden leicht nachvollzogen werden können.

Von jenen Erörterungen, die entsprechend der oben erläuterten Methode verfasst wurden, haben sich die folgenden Themen heraus kristallisiert:

1.)      Die Angelegenheiten, die sich mit den Namen und Eigenschaften von Allah beschäftigen, wie beispielsweise Sein Leben, Sein Wissen, Seine Macht, Sein Hören, Sein Sehen, Seine Einheit usw.. Was das Wesen Allahs selbst betrifft, so wird deutlich, dass der Qur´an daran festhält, dass Er keiner Beschreibung bedarf.

2.)      Die Angelegenheiten bezüglich der göttlichen Handlungen, wie die Schöpfung, die Ordnung, der Wille, der Wunsch, die Rechtleitung, die Irreführung, die Bestimmung, das Maß, der Zwang, die Übertragung von Macht, die Zufriedenheit, die Unzufriedenheit und ähnliches mehr.

3.)      Die Angelegenheiten betreffend, die als zwischengeschaltete vermittelnde Bindeglieder zwischen Allah und den Menschen fungieren, wie der Vorhang, die Tafel, der Stift, der Thron, der Sessel, das bewohnte Haus, die Himmel, die Erde, die Engel, die Satane, die Dschinn usw..

4.)      Die Details über den Menschen, bevor er in diese Welt kam.

5.)      Die Angelegenheiten, die sich auf den Menschen in diesem Leben beziehen, wie die Geschichte der Menschheit, die Selbsterkenntnis, die Grundlagen der Gesellschaft, das Prophetentum und die Gesandtschaft, die Offenbarung, die Inspiration, das Buch, die Religion und ihre Gesetze. Auch die hohe Stellung der Propheten, wie sie aus deren Lebensgeschichten heraus ersichtlich wird, fällt ebenfalls unter diesen Punkt.

6.)      Das Wissen über den Menschen nachdem er diese Welt verlässt, das Wissen über die Welt der Todeszwischenphase [al-Barzach].

7.)      Die Angelegenheiten, die den Charakter des Menschen betreffen. Unter diesen Aspekt fallen auch die verschiedenen Stationen, welche die Freunde von Allah auf ihrer spirituellen Reise durchlaufen, wie die vollkommene Hingabe, der aufrichtige Glaube, Güte, Demut, Reinheit der Absicht und andere Tugenden.

(Wir sind hier nicht im Detail auf jene Verse eingegangen, die das religiöse Recht und die Gesetze betreffen, denn dies wäre ein passenderes Thema für Bücher der Rechtswissenschaften.)

Als ein unmittelbares Ergebnis jener Methode, war es an keiner Stelle notwendig, irgendeinen Vers entgegen seiner offensichtlichen Bedeutung zu interpretieren. Denn wie schon zuvor erwähnt, wäre solch eine Art der Interpretation genau genommen eine Form von Missinterpretation. Was jene Auslegung und Interpretation betrifft, von der der Qur´an in verschiedenen Versen selbst spricht, so handelt es sich dabei nicht um verschiedene mögliche Arten der Bedeutung; das ist etwas ganz Anderes.

Am Ende dieser Kommentare, sind einige Überlieferungen des Propheten (s.) und der Imame der Ahl-ul-Bait (a.) verzeichnet, sowie sie von sunnitischen und schiitischen Gelehrten überliefert worden sind. Aber die Meinungen der Gefährten und deren Schülern sind hier nicht miteinbezogen worden, denn erstens findet sich in diesen zu viel Verwirrung und Widerspruch und zweitens besitzen sie aus islamischer Sicht keine gültige Autorität.

Aus den Überlieferungen des Propheten und der Imame (Frieden sei auf ihnen allen) wird jedoch ersichtlich, dass jene “neue“ Methode der Exegese, die in diesem Buch zur Anwendung kommt, in Wirklichkeit nichts anderes ist, als die älteste und ursprüngliche Methode, die bereits von den großen Lehrern des Qur´an selbst angewandt worden war. Zusätzlich wurden auch einige Themen einzeln behandelt – Philosophisches, Akademisches, Historisches, Soziales und Ethisches – dort wo es angebracht oder notwendig erschien. In diesen Diskussionen, haben wir uns jedoch nur auf die wesentlichsten Prämissen beschränkt, ohne ins Detail zu gehen.

Wir beten zu Allah, Erhaben ist Er, uns zu leiten und unsere Rede auf den Punkt zu bringen; Er ist der beste Helfer und der beste Führer.

In Abhängigkeit von Allah,

Muhammad Husain at-Tabatabai

[1] Auswanderung des Propheten Muhammad (s.) von Mekka nach Medina im Jahre 622 n.Chr.; Beginn der islamischen Zeitrechnung (n.H. = nach Hidschra)

[2] Schaddad war König der mythischen arabischen Stadt Iram, und ein Sohn von Ad, in weiterer Abstammung des Propheten Noah [Nuh] (a.). Die Stadt Iram war bekannt für ihre Verehrung von Götzen, vor denen der Prophet Hud (a.) die Bevölkerung mehrmals warnte, bis die Stadt der Götzendiener schließlich von verheerenden Stürmen zerstört wurde, vor denen nur Prophet Hud (a.) und seine Anhänger gerettet wurden

[3] Arabische Bezeichnung für die islamische Weltgemeinschaft

[4] Als Ahl-ul-Bait (Leute des Hauses) werden die 14 “Reinen“ bezeichnet. Es sind der Prophet (s.), seine Tochter Fatima (a.) ihr Ehemann Imam Ali (a.) und die von ihnen abstammenden weiteren 11 Imame (a.).

[5] Der Heilige Qur´an ist in 114 Suren bzw. Kapitel aufgeteilt.

[6] Eine alte Sekte, die sich vorstellten, Allah hätte manche der Eigenschaften des Körpers, dass Er einen Platz einnimmt und eine Grenze, Richtung und Erscheinung hätte und dass Er sich bewegte und Veränderungen durchging. Dass Er Glieder hätte und mit Ton spreche, usw.. Geistige Nachfolger jenes absurden Gedankengutes sind Salafiten und Wahhabiten.

 

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