Buch der Rechtleitung
Buch der Rechtleitung [kitab-ul-irschad]

Aussprache: kitaab-ul-irschaad
arabisch:
كتاب الارشاد
persisch:
كتاب الارشاد
englisch: Book of Guidance [kitab al irshad]

Hintergrundinformationen zum Buch siehe: Buch der Rechtleitung [kitab-ul-irschad]

Leben des Fürsten der Gläubigen ‘Ali ibn Abi Talib

Berichte über die Gründe für seine Ermordung und wie es dazu kam

Es wurde von einer Gruppe von Geschichtsschreibern (ahl-al-siyar) überliefert, darunter Abu Michnaf, Isma´il ibn Raschid, Abu Haschim al-Rifa´i, Abu ‘Amr al-Thaqafi und andere, die berichteten:

Eine Gruppe Charidschiten hatten sich in Mekka versammelt, sie erwähnten die Führer (der Leute), und sie bemängelten sie und ihre Taten. Sie sprachen über die Leute von al-Nahrawan, und sie erbaten die Barmherzigkeit Allahs für sie. Sie sagten zueinander: „Wenn wir uns nur für Allah opfern würden, zu den Führern (Imamen) des Irrtums (dhalal) gehen und dann auf einen Augenblick der Unachtsamkeit warten könnten, dann könnten wir die Leute und das Land von ihnen befreien und die Märtyrer von al-Nahrawan rächen.“ Sie kamen darüber bei der Pilgerfahrt (Hadsch) überein, und Abd-al-Rahman ibn Muldscham al-Muradi (l.) sagte: „Ich werde alles Erforderliche für euch dafür tun, (dass) ‘Ali (getötet wird).“ Al-Burak ibn ‘Abdullah al-Tamimi sagte: „Ich werde zusehen, (dass) Muawiya für euch (getötet wird)“. ‘Amr ibn Bakr al-Tamimi sagte: „Ich werde zusehen, für euch ‘Amr ibn al-Aas (zu töten)“. Sie kamen darin überein, das zu tun und banden sich an seine Erfüllung. Sie beschlossen einträchtig, (diese Tat) in der Nacht zum neunzehnten Ramadan (auszuführen), so verblieben sie, dann trennten sie sich.

Ibn Muldscham (l.) machte sich auf den Weg - er wurde zu den Kinda gerechnet - bis er nach Kufa kam. Dort traf er seine Gefährten. Aber er hielt seine Aufgabe vor ihnen geheim, weil er fürchtete, dass sich davon etwas verbreiten könnte. So lagen die Dinge für ihn, als er einen seiner Gefährten besuchte von Ta´im al-Rabab. Bei ihm traf er zufällig Qatam bint al-Achdar al-Tamimiyya. Der Fürst der Gläubigen (a.) hatte ihren Vater und ihren Bruder in al-Nahrawan getötet. Sie gehörte zu den schönsten Frauen ihrer Zeit. Als Ibn Muldscham (l.) sie sah, verliebte er sich in sie, und seine Bewunderung für sie wurde sehr stark. Er machte ihr einen Heiratsantrag, und verlobte sich mit ihr. Sie fragte: „Welche Brautgabe schlägst du für mich vor?“ „Entscheide du darüber“, erwiderte er. „Ich habe entschieden“, sagte sie, „dass du mir dreitausend Dirham, einen Botenjungen, einen Diener und die Ermordung von ‘Ali ibn Abi Talib geben sollst.“ „Du sollst alles haben, was du willst“; sagte er (Ibn Muldscham, l.), „aber wie soll ich die Tötung von ‘Ali ibn Abi Talib schaffen?“ „Suche einen Augenblick, in dem er unachtsam ist“; erwiderte sie, „wenn du ihn getötet hast, werde ich mich heilen (von meinem Hass gegen ihn), und das Leben mit mir wird für dich angenehm sein, und wenn du getötet wirst, dann hat Allah nichts Besseres für dich auf der Welt (als so einen Tod).“ „Das Einzige, was mich in diese Stadt geführt hat, vor der ich geflohen war, weil ich vor ihren Einwohnern nicht sicher war, war, ‘Ali ibn Abi Talib zu töten, was du wolltest. Du sollst haben, was du verlangt hast.“ „Ich werde jemanden suchen, der dir hilft und dich in dieser Sache stärken wird“, sagte sie. Dann ließ sie nach Wardan ibn Mudschalid schicken von Taym al-Rabab. Sie gab ihm die Information (über das Vorhaben Ibn Muldschams, l.) und bat ihn, Ibn Muldscham (l.) zu helfen, und er nahm es für sie auf sich. Ibn Muldscham (l.) zog aus und kam zu einem Mann von Aschdscha’ namens Schabib ibn Badschura und sagte zu ihm: „Schabib, möchtest du die Ehre im Diesseits und im Jenseits haben?“ „Was ist das?“, fragte er (Schabib), und (Ibn Muldscham, l.) antwortete: „Hilf mir, ‘Ali ibn Abi Talib zu töten.“ Schabib teilte die Ansichten der Charidschiten, und so sagte er zu Ibn Muldscham (l.): „Ibn Muldscham, mögen Klageweiber dich betrauern (an deinem Tod), denn was du vorhast, ist etwas Schreckliches. Wie willst du das vollbringen können?“ „Wir werden bei der Großen Moschee Stellung beziehen und auf ihn warten“, sagte Ibn Muldscham (l.), „und wenn er zum Morgengebet hinausgeht, bringen wir ihn um. Damit können wir Genugtuung und unsere Rache erreichen.“ Er hörte nicht auf, auf ihn (Schabib) einzureden, bis dieser zustimmte und mit ihm zu der Großen Moschee ging, wo Qatam I´tiqaf[1] praktizierte und ein Zelt aufgestellt hatte. Die beiden Männer sagten zu ihr: „Wir sind darüber übereingekommen, diesen Mann (Imam ‘Ali, a.) zu töten.“ „Wenn ihr das tun wollt, dann kommt zu mir an diesen Ort“, sagte sie. Die beiden gingen von ihr weg und warteten (einige) Tage, dann kamen sie in der Nacht von Mittwoch, dem Neunzehnten des Monats Ramadan, im Jahre 40 n.H. schließlich zu ihr. Sie ließ Seide bringen, die sie ihnen um die Brust band, und sie gürteten ihre Schwerter um, gingen los und setzten sich gegenüber das Tor, durch das der Fürst der Gläubigen (a.) zum Gebet zu treten pflegte. Vorher hatten sie al-Asch´ath ibn Qais von ihrer Entschlossenheit erzählt, die sie im Sinn hatten, den Fürsten der Gläubigen (a.) zu ermorden. Al-Asch´ath (l.) stimmte ihnen darin zu. Al-Asch´ath war in jener Nacht anwesend, um sie in dem, worin sie übereingekommen waren (die Ermordung Imam ‘Alis, a.), zu unterstützen.

Hudschr ibn ‘Adi (r.) verbrachte auch die Nacht in der Moschee. Er hörte al-Asch´ath ibn Qais (l.) zu Ibn Muldscham (l.) sagen: „Schnell, schnell, geh an deine Aufgabe, denn die Dämmerung bricht an.“ Hudschr fühlte, was al-Asch´ath (l.) wollte und sagte zu ihm: „Du willst ihn töten, du Einäugiger!“ Er verließ direkt die Moschee, um zu dem Fürsten der Gläubigen (a.) zu kommen, um ihn zu informieren und ihn vor der Gruppe zu warnen. Doch der Fürst der Gläubigen (a.) ließ ihn auf dem Weg hinter sich und betrat die Moschee, und Ibn Muldscham (l.) kam ihm zuvor und versetzte ihm einen Schwerthieb. Hudschr kam heran, als die Leute riefen, dass der Fürst der Gläubigen getötet worden sei.

‘Abdullah ibn Muhammad al-Azdi berichtete:[2] In jener Nacht betete ich in der Großen Moschee mit Männern aus der Stadt. Während jenes Monats (Monat Ramadan) pflegten sie von Anfang bis Ende der Nacht zu beten. Als ich auf die Männer blickte, die nahe am Tor beteten, aus dem ‘Ali ibn Abi Talib (a.) zum Morgengebet trat, begann er zu rufen: „Das Gebet, das Gebet!“ Ich konnte den Ruf kaum wahrnehmen, bevor ich das Blitzen von Schwertern sah, und ich hörte jemanden sagen: „Allahs ist das Urteil, ‘Ali, nicht deins oder das deiner Gefährten!“, und ich hörte ‘Ali (a.) sagen: „Lasst den Mann nicht entkommen“, und dann wurde ‘Ali (a.) niedergeschlagen, und Schabib ibn Badschura schlug (auch) nach ihm, verfehlte ihn aber, und sein Hieb ging in die Luft. Die Leute flohen in Richtung der Moscheetore, und die Menschen eilten davon, um sie (Ibn Muldscham und Schabib) zu ergreifen. Ein Mann ergriff Schabib ibn Badschura, schlug ihn nieder, setzte sich auf seine Brust und nahm sein Schwert zur Hand, um ihn damit zu töten. Als er die Leute auf ihn zurennen sah, fürchtete er, dass sie übereilt handeln könnten, ohne ihm zuzuhören. Deswegen sprang er von seiner Brust auf, ließ ihn entkommen und warf das Schwert aus seiner Hand weg. Schabib floh zu seinem Haus, und sein Cousin väterlicherseits kam zu ihm und sah, ihn das seidene Tuch von seiner Brust lösen und sagte: „Was ist das? Hast du etwa den Fürsten der Gläubigen (a.) getötet?“ Schabib wollte „Nein“ sagen, aber er sagte „Ja“, und sein Cousin ging weg und legte sein Schwert an. Dann kam er wieder (zu Schabib) und versetzte ihm Schwerthiebe, bis er ihn getötet hatte.

Ein Mann der Hamdan folgte Ibn Muldscham (l.) und warf ein Stück Samt über ihn, das er in der Hand hatte, schlug ihn nieder und nahm ihm das Schwert aus der Hand. Er brachte ihn zum Fürsten der Gläubigen (a.). (In der Zwischenzeit) war der Dritte entkommen und unter den Menschen untergetaucht.

Als Ibn Muldscham (l.) zu dem Fürsten der Gläubigen (a.) gebracht wurde, sah dieser ihn an und sagte: “Ein Leben für ein Leben, und wenn ich sterben sollte, dann tötet ihn, wie er mich getötet hat, und wenn ich überlebe, werde ich sehen, wie ich über ihn entscheiden werde.“ Ibn Muldscham (l.) sagte: „Bei Allah, ich habe sein Leben für tausend erkauft, und ich habe für tausend (Leben) einen Anschlag auf ihn verübt, und wenn er mich verraten hat, dann möge Allah ihn zerstören“. „Feind Allahs“, schrie Umm Kulthum, „du hast den Fürsten der Gläubigen (a.) getötet“, und er (Ibn Muldscham, l.) antwortete: „Ich habe (nur) deinen Vater getötet“, und sie rief: “Du Feind Allahs, ich hoffe, dass es kein Unglück für ihn bedeutet.“ „Ich sehe“, sagte Ibn Muldscham (l.), „dass du nur um ‘Ali weinst. In der Tat, bei Allah, ich schlug ihn nieder. Wenn ich unter die Leute des Landes aufgeteilt worden wäre, dann hätte ich sie zerstört.“ Dann wurde er von ihm (Imam ‘Ali, a.) weggebracht, während die Leute am liebsten ihn wie reißende Tiere zerfleischt hätten. Sie schrieen: „Du Feind Allahs, was hast du getan? Du hast die Ummah Muhammads (s.) vernichtet, und du hast den Besten der Menschen getötet.“ Er schwieg und sprach nicht. Er wurde ins Gefängnis gebracht, und die Leute gingen zum Fürsten der Gläubigen (a.) und sagten: „O Fürst der Gläubigen, gib uns den Befehl über den Feind Allahs, denn er hat die Ummah vernichtet und die Religion verdorben.“ „Wenn ich überlebe“, sagte der Fürst der Gläubigen (a.), „werde ich sehen, was ich mit ihm machen werde. Doch wenn ich sterbe, dann macht mit ihm, wie der Prophet (s.) mit einem Mörder verfahren ist. Tötet ihn und verbrennt ihn danach im Feuer.“[3] Als der Fürst der Gläubigen (a.) starb, weinte seine Familie um ihn, und als sie sein Begräbnis beendet hatten, setzte sich al-Hassan (a.) nieder und befahl, dass Ibn Muldscham (l.) zu ihm gebracht werden solle. Er wurde zu ihm gebracht, und als er vor ihm stand, sagte al-Hassan (a.) : „Du Feind Allahs, du hast den Fürsten der Gläubigen getötet und die Verdorbenheit der Religion vergrößert“, dann ließ er ihn köpfen. Umm Haitham bint al-Aswad al-Nacha´iyya bat darum, dass ihr seine Leiche überlassen werde, damit sie für deren Verbrennung sorgen könne, und er (Imam Hassan, a.) gab sie ihr, und sie verbrannte sie im Feuer.[4]

Ein Dichter sagte über die Sache mit Qatam und die Ermordung des Fürsten der Gläubigen (a.) folgendes: „Ich habe nie eine von einem Ehrwürdigen geleistete Brautgabe gesehen wie die der Qatam, sei (der Mann) nun reich oder mittellos. (Sie betrug) dreitausend Dirham, einen Sklaven und einen Diener, und den Schwerthieb gegen Ali mit einem scharfen Schwert. Nie gab es eine teurere Brautgabe als (die Ermordung von) ‘Ali, und keine vernichtende Tat war vernichtender als die von Ibn Muldscham.“

Was die beiden Männer betrifft, die mit Ibn Muldscham (l.) darüber übereingekommen waren, Muawiya und ‘Amr ibn ‘As zu töten, so attackierte der eine Muawiya, während dieser Ruku’ (im Gebet) machte. Doch traf sein Schwerthieb sein Gesäß, und so wurde er (vor seinen Folgen) bewahrt. Er wurde ergriffen und sofort getötet.

Was den anderen angeht, so (ging er), um (seine Mission) ‘Amr (zu töten) an jener Nacht (zu erfüllen), jedoch fühlte sich ‘Amr krank und hatte einen Mann als seinen Vertreter geschickt, um mit den Leuten zu beten; und der nannte sich Charidscha ibn Abi Habiba al-Amiri. Er traf ihn mit seinem Schwert und dachte, dass es ‘Amr war. Er wurde gefasst und zu ‘Amr gebracht, der ihn tötete. Charidscha starb am zweiten Tag.

[1] In den letzten 10 Tagen des Monats Ramadan empfohlener (mustahabb) Ritus, bei dem unter völliger Zurückgezogenheit in die Moscheen die Tage mit Gebet, Du´a (Bittgebeten) und Rezitation des Heiligen Qur´an verbracht werden (Anm. d. Übers.)

[2] Der folgende Bericht ist fast identisch mit „Maqatil al-Talibiyyin, 34-37. Aber die Überlieferungsketten (isnad) sind ausgelassen worden und die Ordnung wurde leicht neu arrangiert. Es gibt eine kurze Hinzufügung über die Leute, die zu ‘Ali gingen, und Details über Al-Asch’ath wurden ausgelassen.

[3] Es ist weit davon entfernt, das der Imam so etwas gesagt haben kann, und die meisten Hadith-Sammler widersprachen dieser Aussage und meinten, dass er (Imam ‘Ali) das Verbrennen verbot und (auch) dass er (Ibn Muldscham, l.) damit bestraft wird.

[4] Siehe vorhergehende Fußnote

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