Buch der Rechtleitung
Buch der Rechtleitung [kitab-ul-irschad]

Aussprache: kitaab-ul-irschaad
arabisch:
كتاب الارشاد
persisch:
كتاب الارشاد
englisch: Book of Guidance [kitab al irshad]

Hintergrundinformationen zum Buch siehe: Buch der Rechtleitung [kitab-ul-irschad]

Leben des Fürsten der Gläubigen ‘Ali ibn Abi Talib

Berichte über die Urteile des Fürsten der Gläubigen (a.) nach dem Treueid des Volkes an ihn und ´Uthmans Tod

Die Traditionalisten (ahl-an-naql wa hamalat al-athar) überlieferten, dass eine Frau im Bett ihres Mannes ein Kind gebar, das zwei Köpfe und zwei Körper hatte, die mit einer Lende verbunden waren, und seine Familie war in Zweifel darüber, ob es einer oder zwei waren[1]. Sie gingen zum Fürsten der Gläubigen (a.), um ihn danach zu fragen, damit sie das Urteil darüber erfuhren, und der Fürst der Gläubigen (a.) sagte zu ihnen: „Beobachtet ihn, wenn er schläft, dann weckt einen der beiden Körper und einen der beiden Köpfe, und wenn sie beide zur selben Zeit erwachen, dann sind sie ein einzelner Mensch, und wenn einer davon aufwacht und der andere schläft, dann sind sie zwei, und sie haben das Recht auf das Erbe von zwei (Personen).“[2]

Al-Hassan ibn ´Ali al-Abdi überlieferte von Sa´d ibn Tarif, von al-Asbagh ibn Nubata, welcher berichtete: „Während Schuraih in einer Gerichtssitzung war, kam eine Person zu ihm und sagte: „Abu Umayya, lass mich mit dir vertraulich sprechen, denn ich habe ein (dringendes) Anliegen.“ Er (Schuraih) befahl denjenigen, die um ihn herum waren, sich zurückzuziehen. Sie gingen fort, und nur seine allerengsten Vertrauten (chassa) unter den Anwesenden blieben (dort), und er sagte: „Bringe dein Anliegen vor“, und (der Andere) sagte: „Abu Umayya, ich habe (die Geschlechtsmerkmale,) die Männer haben, und (die,) die Frauen besitzen. Wie lautet dein Urteil, bin ich ein Mann oder eine Frau?“ „Ich habe über diese Angelegenheit ein Urteil des Fürsten der Gläubigen (a.) gehört, woran ich mich erinnere“, sagte er (Schuraih), „sag mir, aus welcher der beiden Körperöffnungen kommt der Urin?“ „Von beiden“, erwiderte die Person. „Und von welchen der beiden hört er auf?“ „(Auch) von beiden zusammen“, war die Antwort, und Schuraih war verwundert. Die Person sagte: „Ich werde noch eine Sache über meinen Fall anführen, der noch verwunderlicher ist“, und Schuraih sagte: „Und was ist das?“ „Mein Vater“, sagte die Person, „verheiratete mich unter der Annahme, dass ich eine Frau sei. Ich wurde schwanger von meinem Mann, und ich kaufte eine Sklavin, die mir zu Diensten sein sollte, ich verkehrte mit ihr, und sie wurde von mir schwanger.“ Schuraih schlug vor Verwunderung die Hände zusammen und sagte: „Das ist ein Fall, der zweifellos vor den Fürsten der Gläubigen (a.) gebracht werden muss, denn ich habe über das Urteil darüber kein Wissen.“ Er erhob sich, und die (betreffende) Person folgte ihm sowie diejenigen, die mit ihm anwesend waren, und sie gingen zu dem Fürsten der Gläubigen (a.), und er (Schuraih) erzählte seine Geschichte. Der Fürst der Gläubigen (a.) rief die Person, und er fragte ihn nach dem, was Schuraih ihm erzählt hatte, und sie bestätigte es. „Wer ist dein Mann?“, fragte er (der Fürst der Gläubigen, a.). „Der und der“, war die Antwort, „und er hält sich in der Stadt auf.“ Er wurde herbeigerufen und danach befragt, was (die Person) ausgesagt hatte, und er sagte, dass es der Wahrheit entspräche. „Du musst tapferer sein als ein Löwenjäger“, sagte der Fürst der Gläubigen (a.), „wenn du mit dieser Situation konfrontiert wirst,“ und er rief Qanbar, seinen Gefolgsmann, und sagte: „Bringt diese Person in ein Haus und vier gerechte Frauen mit ihm und lasse sie (die Person) ausziehen und ihre Rippen zählen, nach dem sie sich vergewissert haben, dass ihr Schambereich bedeckt ist.“ Er (Qanbar) sagte: „Fürst der Gläubigen, weder Männer noch Frauen sind vor dieser Person sicher“, und er (der Fürst der Gläubigen, a.) ordnete an, dass ihr (der Person) ein Tabban[3] umgebunden und sie im Hause allein gelassen werden sollte. Dann ging er (der Fürst der Gläubigen, a.) hinein und zählte die Rippen, und es waren sieben auf der linken Seite und acht auf der rechten Seite. Er erklärte: „Er ist ein Mann“, und er befahl, dass ihm die Haare geschnitten und dass er mit einer Kappe, Sandalen und einem Gewand (rida´) bekleidet werden sollte. Er trennte (die Person) von ihrem (früheren) Mann.[4]

Einige Traditionisten überlieferten: Als die Person behauptete, zwei Ausscheidungsöffnungen zu haben, befahl der Fürst der Gläubigen zwei gerechten (adil) Muslimen, sich in einem leeren Haus aufzuhalten, und die Person blieb mit ihnen (dort). Er ließ zwei Spiegel anbringen: Einen gegenüber dem Schambereich der Person, und den anderen gegenüber dem anderen Spiegel, und er befahl der Person, ihren Schambereich zu enthüllen gegenüber dem Spiegel, wo ihn die beiden gerechten (Männer) nicht direkt sehen konnten. Er ließ die beiden gerechten Männer in den Spiegel gegenüber dem ersten Spiegel sehen. Als die beiden gerechten Männer die Richtigkeit der Behauptung der Person über ihre beiden Geschlechtsmerkmale feststellten, stellte er (der Fürst der Gläubigen, a.) seinen Zustand durch Zählen seiner Rippen fest. Als er erklärte, dass er (die betreffende Person) ein Mann war, ignorierte er deren Behauptung über eine Schwangerschaft, ließ sie beiseite und handelte nicht dem (der Schwangerschaft) zufolge. Er erklärte die Schwangerschaft der Sklavin als durch ihn entstanden und er schrieb sie ihm zu.[5]

Es wurde folgendes überliefert: Der Fürst der Gläubigen (a.) trat eines Tages in die Moschee ein und fand einen jungen Mann vor, der weinte, und um ihn herum waren Leute. Der Fürst der Gläubigen (a.) fragte nach ihm, und er antwortete: „Schuraih hat gegen mich ein Urteil gesprochen und mir dabei Unrecht getan“, und der Fürst der Gläubigen (a.) fragte nach seinem Fall. „Diese Leute“, und er wies auf einige Anwesende, „nahmen meinen Vater auf eine Reise mit, und sie kamen zurück, er aber kehrte nicht zurück. So fragte ich sie nach ihm und sie sagten, dass er gestorben sei, und ich fragte sie nach dem Geld, das er mit sich genommen hatte. Sie sagten: „Wir wissen nichts von irgendeinem Geld von ihm“, und dann ließ Schuraih sie einen Eid ablegen und befahl mir, mich nicht mehr einzumischen.“ Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte zu Qanbar: „Sammle die Leute und rufe mir die Schurat al-Chamis[6] zusam­men.“ Dann setzte er sich nieder und rief die Gruppe (damit sie vor ihn trete) zusammen mit dem jungen Mann. Er fragte ihn, was er ausgesagt hatte, und dieser wiederholte seine Behauptung und fing an zu weinen: „Bei Allah, ich klage sie an, meinen Vater getötet zu haben, oh Fürst der Gläubigen, und sie haben mich betrogen, indem sie ihn mit sich nahmen, weil sie ihm nach seinem Geld trachteten.“ Der Fürst der Gläubigen (a.) fragte die Leute, und sie sagten das Gleiche aus wie Schuraih: „Der Mann ist gestorben, und wir wissen nichts über sein Geld“, und er schaute in ihre Gesichter, dann sagte er: „Was denkt ihr? Denkt ihr, dass ich nicht weiß, was ihr mit dem Vater dieses jungen Mannes getan habt? Dann hätte ich wirklich wenig Wissen!“

Er befahl ihnen, sich zu zerstreuen, und sie zerstreuten sich in der Moschee. Jeder Mann von ihnen wurde angewiesen, sich neben eine der Moscheesäulen zu stellen. Dann rief er ´Ubaidullah ibn Abi Rafifi, seinen Schreiber zu jener Zeit, und sagte zu ihm, dass er sich setzen sollte, dann rief er einen von ihnen und sagte ihm: „Sage mir, an welchem Tag ihr eure Häuser verlassen habt, während der Vater dieses Jungen bei euch war, ohne deine Stimme zu erheben.“ „An dem und dem Tag“, sagte er, und er wies ´Ubaidullah an, es niederzuschreiben, dann sagte er zu ihm: „In welchem Monat war das?“ „In dem und dem Monat“, antwortete er, und wieder ließ er es niederschreiben, dann sagte er: „In welchem Jahr?“, und die Antwort war: „In dem und dem Jahr“, und ´Ubaidullah schrieb es auf. „An welcher Krankheit starb er?“, fragte er (Imam ´Ali, a.), als Antwort kam: „An der und der Krankheit“, und er (der Imam) fragte (weiter): „Und an welchem Ort starb er?“ „An dem und dem Ort“. „Wer wusch und wickelte ihn ins Leichentuch?“ „Der und Der“. „Womit habt ihr ihn eingewickelt?“ „Mit dem und dem“. „Wer betete das (Toten-) Gebet für ihn?“ „Der und der“. „Wer legte ihn ins Grab?“ „Der und der“, und ´Ubaidullah bin Abi Rafi´ schrieb all das auf, und als er zu der Aussage über das Begräbnis kam, sagte der Fürst der Gläubigen (a.): „Allahu akbar“, und er sagte es so, dass es die Leute in der Moschee hören konnten, dann ließ er den Mann an seinen Platz zurückbringen.

Er rief einen anderen von den Leuten und ließ ihn nahe bei sich sitzen, dann fragte er ihn das, was er den ersten gefragt hatte, und der gab Antworten, die (den Antworten des) Ersten widersprachen die ganze Befragung hindurch. ´Ubaidullah ibn Abi Rafi´ schrieb dies nieder. Als er seine Befragung beendet hatte, sagte er „Allahu akbar“, in einer Form, so dass alle in der Moschee es hören konnten. Er befahl, dass die beiden Männer aus der Moschee und ins Gefängnis gebracht werden sollten, doch aber sie warteten an der Tür.

Dann rief er einen Dritten, und er fragte ihn das, was er (schon vorher) die beiden (anderen) Männer gefragt hatte, und er berichtete anderslautend als das, was die beiden gesagt hatten, und dies wurde ihm (Imam ´Ali, a.) gegenüber festgehalten (durch den Schreiber). Dann sagte er „Allahu akbar“ und ließ ihn zu seinen anderen beiden Gefährten hinausbringen.

Er rief einen Vierten von den Leuten, und seine Worte waren wirr, und er stotterte, und so ermahnte und warnte er ihn, und da gab er zu, dass er und seine Gefährten den Mann getötet und sein Geld genommen hatten, und dass sie ihn an einem bestimmten Ort nahe bei Kufa begraben hatten. Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Allahu akbar“, und er ließ ihn ins Gefängnis bringen.

Er rief einen der Leute, (die bereits befragt worden waren,) und sagte zu ihm: „Du hast behauptet, dass der Mann eines natürlichen Todes gestorben sei, aber du hast ihn getötet. Sag mir die Wahrheit über deine Lage, sonst werde ich dich bestrafen, denn die Wahrheit ist mir schon in deiner Geschichte klargeworden“, und er gab zu, den Mann getötet zu haben, was auch sein Gefährte zugegeben hatte. Dann rief er die Übrigen (von ihnen), diese bekannten den Mord, und sie waren verlegen. Ihre Aussagen über den Mord an dem Mann und den Diebstahl seines Geldes stimmten überein. Er ordnete an, dass einige seiner Männer mit einigen von ihnen zu dem Ort gehen sollten, an dem sie das Geld vergraben hatten, und sie gruben es aus und überreichten es dem jungen Mann, dem Sohn des Ermordeten, und er fragte ihn: „Was willst du jetzt, da du weißt, was sie mit deinem Vater gemacht haben?“, und (der junge Mann) antwortete: „Ich will, dass Allah, Der Erhabene, das Urteil zwischen uns fällen soll, so dass ich ihnen ihr Blut (zu vergießen) in dieser Welt ersparen werde.“ Daher wendete der Fürst der Gläubigen (a.) die vorgeschriebenen Strafe für Mord von ihnen ab, bestrafte sie aber streng. „Fürst der Gläubigen“, fragte Schuraih, „wie (hast du) dieses Urteil (gefällt)?“, und er erwiderte (mit folgender Geschichte):

„Dawud (a.) ging an einigen jungen Männern vorbei, die beim Spiel waren und einem von ihnen zurief: „Die Religion ist tot“, und Dawud sagte zu ihm: „Wie ist dein Name, Junge?“, und er antwortete: „Mein Name ist: ´Die Religion ist tot´ “-. „Wer gab dir diesen Namen?“, fragte Dawud (a.). „Meine Mutter“, erwiderte er. „Wo ist deine Mutter?“, fragte Dawud (a.), und er sagte: „In ihrem Haus.“ „Geh mit uns zu deiner Mutter“, sagte Dawud (a.), und sie gingen mit ihm zu ihr und riefen sie aus ihrem Hause. „Dienerin Allahs“, sagte er (Dawud, a.), „wie heißt dein Sohn?“ „Sein Name ist: ´Die Religion ist tot´“, erwiderte sie. „Wer hat ihn so genannt?“, fragte Dawud (a.), und sie antwortete: „Sein Vater“. „Was war der Grund dafür?“, fragte er. „Er ging mit einigen Leuten auf die Reise, während ich mit diesem Jungen schwanger war“, sagte sie, „Die Leute kamen zurück, aber mein Mann kam nicht zurück, und so fragte ich sie nach ihm, und sie sagten: ´Er ist gestorben´, und ich fragte sie nach seinem Geld, und sie sagten, dass er kein Geld zurückgelassen habe. Ich fragte sie, ob er irgendeine testamentarische Verfügung getroffen habe, und sie sagten, dass er gesagt habe, dass ich schwanger sei und wenn ich ein Mädchen oder einen Jungen zur Welt bringen würde, ich ihn/sie dann ´Die Religion ist tot´ nennen sollte. Daher benannte ich ihn so, wie er in seinem Testament verfügt hatte, da ich ihm nicht zuwiderhandeln wollte.“ Dawud (a.) frage sie: „Und kennst du die Leute?“ „Ja“, erwiderte sie, und Dawud (a.) sagte: „Komm mit mir mit diesen“, und er meinte die Leute, die vor ihm standen. Dann hatte er sie aus ihren Häusern gebracht. Als sie alle anwesend waren, sprach er das Urteil über sie gemäß diesem (meinem) Urteil. Der Mord wurde ihnen bewiesen, und er nahm das Geld von ihnen (das sie dem Mann der Frau gestohlen hatten). Dann sagte er zu ihr: ´Dienerin Allahs, der Name deines Sohnes ist: ´Die Religion lebt.´“[7]

Folgendes wurde überliefert: Eine Frau begehrte einen jungen Mann, sie versuchte, ihn zu verführen, aber der junge Mann weigerte sich. Sie ging fort, holte ein Ei und schmierte das Eiweiß auf ihr Kleid, dann begann sie, Anklagen gegen den jungen Mann zu erheben und brachte ihn vor den Fürsten der Gläubigen (a.) und sagte: „Dieser junge Mann hat sich mir gegenüber schändlich verhalten und mich vergewaltigt“, dann nahm sie ihr Kleid und zeigte das Eiweiß darauf du sagte: „Da ist seine Samenflüssigkeit auf meinem Kleid“, und der junge Mann fing an zu weinen und schwor seine Unschuld von dem, was sie behauptete und widersprach, und der Fürst der Gläubigen (a.) sagte zu Qanbar: „Lasse jemanden Wasser erhitzten, bis es kocht, dann bringe es in diesem Zustand zu mir“. Das Wasser wurde gebracht, und er sagte: „Schütter es über das Kleid der Frau.“ Sie schütteten es darüber, und das Wasser sammelte das Eiweiß auf und sie kamen zusammen. Er ließ es aufnehmen und zwei seiner Anhänger geben, dann sagte er: „Probiert es und spuckt es aus“, und sie probierten es und fanden heraus, dass es Eiweiß war. Er ordnete die Freilassung des jungen Mannes an sowie die Auspeitschung der Frau als Strafe für ihre falsche Anklage.[8]

Al-Hassan ibn Mahbub überlieferte: ´Abd ar-Rahman ibn al-Hadschadsch berichtete mir: Ich hörte Ibn Abi Laila sagen: Der Fürst der Gläubigen (a.) fällte ein Urteil in einem Fall, wie er sich noch nie vorher ereignet hatte: Zwei Männer waren auf eine Reise gegangen, und sie setzten sich zum Essen nieder. Einer von ihnen holte fünf Laib Brot hervor, der andere drei. Ein Mann ging an ihnen vorbei, er grüßte sie, und sie luden ihn zum Essen ein. Er setzte sich zu den beiden und aß, und als er mit seiner Mahlzeit fertig war, legte er ihnen acht Dirham hin und sagte: „Das ist der Gegenwert für das, was ich gegessen habe“, und die beiden (anderen) begannen darüber zu streiten. Der mit den drei Laib Brot sagte: „Das sind zwei Hälften zwischen uns (für jeden eine Hälfte)“, und der mit den fünf Laib Brot sagte: „Nein, mir stehen fünf (Dirham) zu, und dir drei“. Sie gingen zu dem Fürsten der Gläubigen (a.) und schilderten ihm die Geschichte, und er sagte zu den beiden: „Das ist eine Sache, in der Niedrigkeit und Rivalität nicht schön sind, und Versöhnung ist besser“, und da sagte der mit den drei Laib Brot: „Ich werde nur mit dem Urteil zufrieden sein“, und der Fürst der Gläubigen (a.) antwortete: „Wenn du nur durch (mein) Urteil zufrieden bist, dann stehen dir ein Achtel zu, und deinem Kameraden sieben“. „Subhanallah!“, rief der, „wie kommt es dazu?“ „Ich werde es dir sagen“, sagte er (Imam ´Ali, a.), „hattest du nicht drei Laib Brot?“ „Doch“, erwiderte er (der Mann). „Und dein Gefährte hatte fünf Laib Brot.“ „Ja“, antwortete er. „Das sind vierundzwanzig Drittel, und du hast acht gegessen, und dein Gefährte (hat) acht (gegessen) und der Gast acht. Daher gab er euch acht Dirham. Sieben davon stehen deinem Gefährten zu (da er dem Gast sieben Achtel des Essens zur Verfügung stellte), und einer (steht) dir (zu), (da du ein Achtel des Essens des Gastes zur Verfügung gestellt hast).“ Die beiden Männer gingen fort (und dachten nach über) die Scharfsichtigkeit des Urteils ihres Falles.[9]

Die Gelehrten für Lebenslauf (sira) (der Ahl-al-Bait, a.) überlieferten: Vier Personen tranken etwas Berauschendes (muskir) während der Zeit (der Regierung) des Fürsten der Gläubigen (a.). Sie wurden betrunken und stachen mit Messern aufeinander ein, und ihr Fall drang zum Fürsten der Gläubigen (a.). Er ließ sie verhaften, bis sie nüchtern waren. Zwei von ihnen starben im Gefängnis, und zwei von ihnen überlebten. Die Familien der beiden (toten) Männer kamen zum Fürsten der Gläubigen (a.) und sagten: „Gib uns das Recht, gegen diese beiden Vergeltung zu üben, denn diese haben unsere beiden Kameraden getötet“, und er (der Imam, a.) fragte: „Und welches Wissen habt ihr darüber? Vielleicht haben jeder der beiden einander getötet.“ „Das wissen wir nicht“, sagten sie, „so richte über sie gemäß dem, was Allah dich gelehrt hat.“ „Die Entschädigungszahlung der beiden Getöteten obliegt den Stämmen der vier Männer nach der Aufrechnung der Entschädigungszahlung der beiden Lebenden für ihre Verletzungen.“[10] Das war ein Urteil (für einen Fall,) bei dem es keinen anderen Weg zur Wahrheit gab als diesen. Ist es nicht erkennbar, dass es keinen Beweis gab, den Mörder vom Ermordeten zu unterscheiden und keinen Beweis für eine Tötungsabsicht? Daher lautete die Entscheidung darin gemäß eines irrtümlichen Totschlags und auf der Basis der Unklarheit des Mörders und des Ermordeten.

Es wurde überliefert, dass sechs Personen zum Euphrat hinabgingen, und sie versanken im Spiel. Einer von ihnen ertrank, und zwei von ihnen zeugten gegen drei von ihnen, dass sie ihn ertränkt hätten, während die drei gegen die beiden zeugten, dass sie ihn ertränkt hätten. Er (Imam ´Ali, a.) entschied, dass die Entschädigungszahlung in Fünfteln auf die Fünf aufgeteilt werden sollte: Die beiden mussten drei Fünftel gemäß dem Zeugnis gegen sie zahlen, und die Drei mussten zwei Fünftel zahlen gemäß den Zeugnis gegen sie. Kein Urteil hätte gerechter und richtiger sein können als das Urteil, das er sprach.[11]

Es wurde überliefert, dass ein Mann im Sterben lag und einen Teil seines Vermögens vermachte, ohne ihn näher zu bezeichnen, und die Erben gerieten hernach in Streit darüber. Sie gingen zum Fürsten der Gläubigen (a.), und dieser fällte das Urteil, dass ein Siebtel von seinem Vermögen abgezogen werden sollte und verlas folgenden Qur´an-Vers: Sieben Tore hat sie, und jedem Tor ist ihrer ein Teil zugewiesen.[12]

Er urteilte (in einem Fall, in dem) ein Mann, der bei seinem Tod eine testamentarische Verfügung über einen Anteil seines Vermögens machte, ohne ihn (näher) zu bestimmen. Als er starb, wurden seine Erben über seine Bedeutung uneins, und sein Urteil bestand darin, dass er ein Achtel seines (des Verstorbenen) Vermögens abzog, und er zitierte die Worte Des Erhabenen: Die Almosen sind nur für die Armen und Bedürftigen und für die mit ihrer Verwaltung Beauftragten... [13]

Es gab acht Kategorien (für Almosen), und (er gab) für jede Kategorie von ihnen ein Anteil der Almosen.

Er (a.) sprach ein Urteil darüber, dass ein Mann ein Vermächtnis machte und sagte: „Befreit jeden meiner Sklaven, die lange in meinem Besitz waren. Als er starb, wusste der Testamentsvollstrecker nicht, was er tun sollte. Er fragte danach, und er (Imam ´Ali, a.) sagte, dass jeder seiner Sklaven befreit werden sollte, der sich sechs Monate in seinem Besitz befunden hatten. Dann rezitierte er Seine Worte, Erhaben ist Sein Name: Und für den Mond haben Wir Lichtgestalten bestimmt, bis er wie ein alter Palmzweig wiederkehrt.[14] Es wurde festgestellt, dass der Zweig einer Palme nur dann der Neumondsichel ähnelt, wenn sechs Monate vergangen sind, nachdem die Frucht davon weggenommen wurde.[15]

Er gab sein Urteil über einen Mann, der gelobt hatte, eine Zeit zu fasten, ohne eine definierte Zeit zu erwähnen. (Er sagte ihm, dass) er sechs Monate fasten sollte, und er verlas die Worte Allahs Des Erhabenen: Er bringt seine Frucht hervor zu jeder Zeit nach seines Herrn Gebot... [16]. Das waren alle sechs Monate (und so interpretierte er es gleich sechs Monaten).

Ein Mann kam zu ihm und sagte: „Fürst der Gläubigen, ich hatte einige Datteln. Meine Frau rannte herbei und nahm eine davon und steckte sie in ihren Mund. Ich schwor, dass sie sie weder essen noch ausspucken sollte.“ Er (a.) sagte: „Sie soll die Hälfte davon essen und die andere Hälfte ausspucken, dann bist du frei von deinem Schwur.“[17]

Er urteilte über einen Mann, der eine (schwangere) Frau geschlagen hatte, und sie verlor den Embryo. (Er befahl ihm) die Entschädigungszahlung (diyya) von 40 Dinar zu bezahlen, und er rezitierte die Worte Des Erhabenen:

Wahrlich, Wir erschufen den Menschen aus reinstem Ton. Dann setzten Wir ihn als Samentropfen an eine sichere Ruhestätte, dann bildeten Wir den Tropfen zu geronnenem Blut; dann bildeten Wir das geronnene Blut zu einem Fleischklumpen; dann bildeten Wir aus dem Fleischklumpen Knochen; dann bekleideten Wir die Knochen mit Fleisch; dann entwickelten Wir es zu einer anderen Schöpfung. So sei denn Allah gepriesen, der beste Schöpfer.[18]

Dann sagte er, dass (die Entschädigungszahlung für) den Samentropfen zwanzig Dinar betrage, für den Embryo (geronnenes Blut) vierzig Dinar, für den Fleischklumpen (mudgha) sechzig Dinar, für den Knochen, bevor er zu einem Geschöpf geformt wurde, achtzig Dinar, für die Gestalt, bevor der Geist (ruh) darin eingekehrt ist, hundert Dinar, und wenn der Geist (bereits) darin (eingekehrt) ist, tausend Dinar.

Dies ist eine Auswahl von seinen (Imam ´Alis, a.) Urteilen und ungewöhnlichen Entscheidungen, die vor ihm noch niemand (in solchen schwierigen Fällen) getroffen hatte, noch hatten weder die Ahl-as-Sunna (´amma) noch die Schi´iten (chassa) irgendein Wissen darüber außer ihm. Seine (noble) Abstammung (´itrah) entsprach (seiner Fähigkeit), so zu handeln. Wenn irgendjemand anderes mit (der Aufgabe solch) eines (Richt-)Spruchs geprüft worden wäre, dann hätte er seine Unfähigkeit gezeigt, die Wahrheit darin (zu erkennen), wie es (Imam ´Ali, a.) klargemacht hatte.

Was wir von seinen Urteilen kurz zusammengefasst vorangestellt haben, reicht für unsere Zwecke aus, so Allah will.

[1] Sogenannte siamesische Zwillinge, Anm. d. Übers.

[2] „Manaqib Aali-Abi Talib“: 2: 375; und ´Allamah al-Madschlisi überlieferte es in „al-Bihar“: 40: 257 / 40, und 104: 354 / 3.

[3] Tabban: Eine kleine Hose so groß wie eine Handbreit, um nur das Wichtigste des Schambereichs zu bedecken.

[4] Ähnliches wurde überliefert in „Achbar-al-Qudat“: 2: 198; „Manaqib al-Chawarizmi“: 101/105; „Da’a’im al-Islam“: 2:287 „al-Fakih“: 4: 238/762; „ Manaqib Al-i - Abi Talib“: 2: 376; und ´Allamah al-Madschlisi überlieferte es in „al-Bihar“: 40: 258 ; und 104: 353 / 1.

[5] „Manaqib Al-i - Abi Talib“: 2: 376; und ´Allamah al-Madschlisi überlieferte es in „al-Bihar“: 40: 259, und 104: 354 / 2

[6] Schurat al-Chamis: Nach Ahmad ibn Abi ´Abdillah al-Barqi sechstausend von Imam ´Alis (a.) Anhängern, die sich geschworen hatten, ihm bis zum Tod zu dienen. Sie können als eine Kombination aus Leibwächtern, Polizeikräften und Frontsoldaten betrachtet werden.

[7]Ähnliches wurde in „Al-Kafi“: 7: 371 / 8 überliefert; „al-Fakih“: 3: 15 / 40; „al-Tahdhib“: 6: 316 / 875; „Manaqib Al-i - Abi Talib“: 2: 379; und ´Allamah al-Madschlisi überlieferte es in „al-Bihar“: 40: 259.

[8] „Kanz al-Fawa´id“: 2: 183; Ähnliches in „Al-Kafi“: 422; „al-Tahdhib“: 6: 304 / 848: „Chasa´is al-Radhi“: 82, und darin: In der Zeit der Regierungszeit ´Umars, und ´Allamah al-Madschlisi überlieferte es in „al-Bihar“: 40: 263 / 31

[9] Ähnliches wurde überliefert in „Al-Kafi“: 7: 427 / 10; „al-Fakih“: 3: 23 / 64, „al-Ichtisas“: 107; „al-Tahdhib“: 6: 290 / 805; „Kanz al-Fawa´id“: 2: 69; „Al-Isti´ab“: 3: 41; „Manaqib Al-i -Abi Talib“: 2: 52; und ´Allamah al-Madschlisi überlieferte es in „al-Bihar“: 40: 263 / 32.

[10] Mit leichter Abweichung erscheint es in „al-Fakih“: 4: 87 / 280; „Tahdhib al-Ahkam“: 10: 240 / 955; Ähnliches in „Manaqib Al-i - Abi Talib“: 2: 380; und ´Allamah al-Madschlisi überlieferte es in „al-Bihar“: 40: 264 / 33, 104 / 34.

[11] Mit leichter Abweichung in „Al-Kafi“: 7: 284 / 6, und „al-Fakih“: 4: 86 / 277; „Tahdhib al-Ahkam“: 10: 239 / 953, „Manaqib Al-i Abi Talib“: 2: 380, und ´Allamah al-Madschlisi überlieferte es in „al-Bihar“: 40: 264 / 33 und 395 / 34.

[12] Heiliger Qur´an: 15: 45

[13] Heiliger Qur´an:  9:59

[14] Heiliger Qur´an: 36:39

[15] „Kanz al-Fawa´id“: 2:99, „Manaqib Al-i-Abi Talib“: 2:382, mit leichter Abweichung; und ´Allamah al-Madschlisi überlieferte es in „al-Bihar“: 40:265.

[16] Heiliger Qur´an: 14:25

[17] Abgekürzt in „Tafsir al-´Ayashi“: 2: 224, und „Manaqib Al-i-Abi Talib“: 2:382; und ´Allamah al-Madschlisi überlieferte es in „al-Bihar“: 40:266/34.

[18] Heiliger Qur´an: 23: 12-14

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