Buch der Rechtleitung
Buch der Rechtleitung [kitab-ul-irschad]

Aussprache: kitaab-ul-irschaad
arabisch:
كتاب الارشاد
persisch:
كتاب الارشاد
englisch: Book of Guidance [kitab al irshad]

Hintergrundinformationen zum Buch siehe: Buch der Rechtleitung [kitab-ul-irschad]

Leben des Fürsten der Gläubigen ‘Ali ibn Abi Talib

Das Wunder, wie er den Felsen und das Wasser darunter bewegte

Ein weiteres Beispiel ist von den Historikern (ahl-as-sira) überliefert worden, und der Bericht davon ist unter den Sunniten (´amma) wie unter den Schi´iten (chassa) weit verbreitet, so dass die Dichter darüber Verse schrieben und die Rhetoriker darüber Reden hielten, und die Rechtsgelehrten und die Religionsgelehrten haben es überliefert: Es ist das Ereignis vom Mönch in der Gegend von Kerbela und dem Felsen, und seine Berühmtheit genügt, so dass die Angabe der Überlieferungskette nicht notwendig ist. Eine Gruppe (von Gelehrten) berichtete:

Als der Fürst der Gläubigen ´Ali ibn Abi Talib (a.) nach Siffin aufbrach, ergriff seine Gefährten ein starker Durst, und das Wasser, das sie bei sich hatten, war aufgebraucht. Sie begannen, sich nach rechts und links zu wenden, um Wasser zu suchen, doch sie fanden keine Spur davon. So wandte sich der Fürst der Gläubigen (a.) mit ihnen von dem Hauptweg ab und ging ein Stück weiter. Ein Kloster tauchte vor ihnen in der Mitte der Wüste auf, und er ging mit ihnen darauf zu. Als er seinen Hof erreichte, befahl er ihnen, (die bei ihm waren), nach seinem Bewohner (dem Mönch) zu rufen, damit er zu ihnen komme, und sie riefen ihn, und er kam. Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte zu ihm:

„Liegt diese deine Residenz in der Nähe von Wasser, damit es diesen Leuten helfen würde (ihren Durst zu stillen)?“, „Nein“, erwiderte der Mönch, „es sind zwischen mir und dem Wasser mehr als zwei Farsach[1], und es gibt kein Wasser, das zu mir näher wäre. Wenn es nicht so wäre, dass mir gerade genug Wasser gegeben wurde, dass es jeden Monat für mich reicht, dann würde ich vor Durst umkommen.“ Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte zu ihm: „Habt ihr gehört, was der Mönch gesagt hat?“ „Ja,“ sagten sie, „so sag uns, dass wir dahin gehen sollen, wohin er gezeigt hat, so dass wir Wasser finden, während wir noch Kraft haben.“ „Es ist nicht nötig, dass ihr das tut“, sagte der Fürst der Gläubigen (a.), und er wandte den Hals seines Maultieres zur Qibla (d.h. in Richtung Mekka) und zeigte für sie auf einen Platz nahe dem Kloster und sagte: „Deckt die Erde dieses Platzes auf.“ Eine Gruppe von ihnen ging geradeaus zu dem Platz und deckten ihn mit eisernen Schaufeln auf, und da erschien vor ihnen ein großer, glänzender Fels. Sie sagten: „Fürst der Gläubigen, hier ist ein Fels, da nützen Schaufeln nichts.“ „Dieser Felsen ist über dem Wasser“, erwiderte er (Imam Ali, a.), „und wenn er sich von seinem Platz wegbewegt, werdet ihr das Wasser finden. So bemüht euch, in seine Mitte vorzudringen.“ Alle taten sich zusammen und versuchten, ihn zu bewegen, aber sie schafften es nicht. Es war zu schwierig für sie. Als er sah, dass sie mit vereinten Kräften versuchten, den Felsen zu bewegen und es zu schwierig für sie war, nahm er seinen Fuß aus seinem Sattel, bis er den Boden erreichte. Dann enthüllte er seine Arme[2] und legte seine Finger unter die Seite des Felsen und bewegte ihn. Dann nahm er ihn mit seiner Hand und schob ihn viele Ellen weit fort. Als er sich von seiner Position bewegte, erschien vor ihnen der weiße (Glanz) des Wassers. Sie stürzten sich darauf und tranken davon, und es war das süßeste, kälteste und reinste Wasser, das sie auf ihrer Reise getrunken hatten, und er (Imam ´Ali, a.) sagte zu ihnen: „Nehmt Vorräte und stillt euren Durst.“ Sie taten dies. Dann ging er zum Felsen, nahm ihn mit der Hand auf und stellte ihn (zurück) an dem Platz, an dem er (vorher) war. Er ließ seine Spuren auf der Erde beseitigen. Der Mönch schaute von oben aus seinem Kloster zu. Als er vollständig verstand, was passiert war, rief er: „Ihr Menschen, holt mich runter, holt mich runter!“ Sie halfen ihm, herabzusteigen, und dann stand er vor dem Fürsten der Gläubigen (a.) und fragte: „Du, bist du ein gesandter Prophet?“ „Nein“, erwiderte er. „Dann ein Engel, der (Allah) nahe steht?“ „Nein“, antwortete er (wieder). „Wer bist du dann?“ Er sagte: „Ich bin der Testamentsvollstrecker des Gesandten Allahs, Muhammad ibn ´Abdallah, das Siegel der Propheten (s.)“.

„Strecke deine Hand aus“, sagte er (der Mönch), „so dass ich mich Allah, Dem Gesegneten und Erhabenen ergebe in deiner Hand.“ Der Fürst der Gläubigen (a.) streckte seine Hand aus und sagte zu ihm: „So sprich die beiden Glaubensbezeugungen“, und er sagte: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Gesandter ist, und ich bezeuge, dass du der Testamentsvollstrecker des Gesandten Allahs und der Berechtigtste der Menschen zur Befehlsgewalt nach ihm bist.“ Der Fürst der Gläubigen (a.) ließ ihn die Bedingungen des Islams wissen, dann sagte er zu ihm: „Was brachte dich dazu, zum Islam überzutreten nach der lange Zeit deines Aufenthalts in diesem Kloster in Gegnerschaft dazu?“ „Ich werde es dir sagen, Fürst der Gläubigen“, antwortete er, „dieses Kloster wurde erbaut, um denjenigen zu finden, der diesen Felsen aufhebt, um das Wasser darunter zu holen. Gelehrte sind vor mir (gekommen und) gegangen, und sie hatten dieses (Wissen) nicht erreicht. Allah, Der Erhabene, hat mich damit[3] versorgt. Wir finden in einem unserer Bücher und zitieren von unseren Gelehrten, dass es in diesem Landstrich eine Quelle gibt, über der ein Felsen liegt, und dass niemand dessen Ort kennt außer einem Propheten oder einem Beauftragten (wasi) eines Propheten. Er ist zweifellos ein Freund Allahs, der zur Wahrheit aufruft, und sein (Erkennungs-)Zeichen ist das Wissen über den Ort dieses Felsens und seine Stärke, diesen aufzuheben. Und als ich das gesehen hatte, dass du das gemacht hast, wurde mir klar, worauf wir gewartet haben, und die Hoffnung ist erfüllt worden. So bin ich heute Muslim (geworden) unter deiner Hand, der an dein Recht (zum Imamat) glaubt, und dein Gefolgsmann.“ Als er das hörte, weinte der Fürst der Gläubigen (a.), so dass sein Bart vor Tränen feucht wurde, dann sagte er: „Alles Lob gehört Allah, Der mich nicht vergessen hat, aller Preis gehört Allah, in Dessen Büchern ich erwähnt wurde“, dann sagte er: „Hört, was euer muslimischer Bruder sagt“, und als sie seine Worte gehört hatten, priesen sie Allah vielfach und dankten Ihm für das, was Allah ihnen an Wissen über das Recht des Fürsten der Gläubigen (a.) gegeben hatte.

Sie gingen weiter, und der Mönch ging an seiner Seite unter einer Gruppe seiner (Imam ´Alis, a.) Gefährten, bis sie auf die Syrer trafen. Der Mönch war unter der Gruppe, die mit ihm Märtyrer wurde. Er (Imam ´Ali, a.) sprach das (Toten-) Gebet für ihn, begrub ihn und bat viel um Vergebung für ihn. Immer, wenn er erwähnt wurde, sagte er : „Das war mein Gefolgsmann.“ [4]

In diesem Bericht stecken viele Wunder: Das eine davon ist das Wissen über das Verborgene, das zweite die übernatürliche Kraft und die Hervorhebung seiner Besonderheiten von anderen durch die Bestätigung der Botschaft über ihn in den ersten Schriften Allahs. Dies wurde durch die Worte von Allah, Dem Erhabenen, bestätigt: „Das ist ihr Gleichnis in der Tora und ihr Gleichnis im Evangelium.“[5]

Darüber sagt Isma´il ibn Muhammad al-Himyari in seiner herverragenden goldenen Qasida (Gedicht): „Er war des Nachts nach dem Nachtgebet nach Kerbela gereist in einer Prozession. Bis er zu dem kam, der sich auf einem Stück erhobenen Land Allah gewidmet hatte. Er schlug sein Lager in einem unwirtlichen Land auf. O Wildnis, das ist kein Ort, an dem man eine lebendige Seele trifft außer wilden Tieren und dem Mann mit den weißen Haaren (d.h. der Mönch). Er (Imam ´Ali, a.) näherte sich ihm und rief ihn an. (Der Mönch) schaute aufrecht herab wie der Geier auf den Hügel von seinem hohen Platz aus. „Gibt es in der Nähe deiner Residenz erreichbares Wasser?“, und er sagte: „Es gibt keine Wasserstelle außer in einer Entfernung von 2 Farsach (6 Meilen), und das Wasser, das ich bei mir habe, ist zwischen dem sandigen Hügel und der weiten Wüste.“ Er (Imam Ali, a.) wandte die Zügel (seines Pferdes) in Richtung des unbegangenen Sandes, und er deckt einen Felsen auf, der wie vergoldetes Silber glänzt. Er sagte: „Wendet ihn um, wenn ihr ihn umwendet, werdet ihr sehen, und wenn ihr ihn nicht umwendet, dann werdet ihr nicht sehen“. Sie vereinten ihre Kräfte, um ihn zu wenden, aber es war unmöglich für sie, es ist eine schwierige Aufgabe, die nicht (leicht) erfüllt werden kann. Als sie (diese Aufgabe) geschwächt hatte, streckte er die Hand aus - wenn der Eroberer kommt, ist er (der Felsen) erobert. Er (der Fels) war wie ein Ballen Baumwolle, der von seinem Strang abgefallen war, wie ein Junge einen Arm voll davon auf den Spielplatz schubst. Er gab ihnen von dem kalten, süßen Wasser darunter zu trinken, und es war besser als der wohlschmeckendste und süßeste Trank. Dann, als sie alle getrunken hatten, gab er es (das Wasser) zurück und ging fort, und sein (des Wassers) Ort ist verlassen und unzugänglich. Ich meine, dass der Sohn der Fatima der Statthalter (des Propheten) war, und wer (seinen Glauben) an seine hohen Verdienste und seine (glorreichen) Taten erklärt, hat nicht gelogen.“

Ibn Maimun fügte diesen Worten noch hinzu:[6] „Die Zeichen für den Mönch waren ein wundersames Geheimnis, und er glaubte an den edelgeborenen Statthalter (wasi). Er starb als Märtyrer, wahrhaftig in seiner Erklärung der Unterstützung (´Alis, a.). Ich meine, dass der Sohn der Fatima der Statthalter (des Propheten) war, und wer (seinen Glauben) an seine hohen Verdienste und seine (glorreichen) Taten erklärt, hat nicht gelogen. Er ist ein Mann, der sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits von Schem abstammt, ohne einen Vater oder Großvater von Ham. Er ist der, der nicht flieht, und in der Schlacht ist nur sein (von Blut) rotgefärbtes Schwert zu sehen.

[1] Altarabische Maßeinheit, Anm. d. Übers.

[2] Im Deutschen würde man sagen: „krempelte seine Arme hoch“, Anm. de. Übers.

[3] Mit ausreichendem Wasser, Anm. d. Übers.

[4] Al-Radhi überlieferte dieses Ereignis mit Abweichung in der Wortwahl in „Chasa´is al-A´imma“: 5, und Ibn Schadhan in seinen „Al-Fadha´il“: 104; Al-Rawandi in „al-Chara´idsch“: 1:222/67; al-Tabrisi in „A´lam al-Wara“: 178; und desgleichen auch die Über­lieferung von Nasr ibn Muzahim in „Waq´a Siffin“: 144; von Ibn al-Hadid in „Scharh“: 3:204; und ´Allamah al-Madschlisi überlieferte es in „al-Bihar“: 41: 260 / 21, mehr in (anderen) Quellen wie „Ihqaq al-Haqq“: 48: 722

[5] Heiliger Qur´an: 47: 29

[6] Nur in der englischen Übersetzung von I.K.A. Howard vorhanden

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