Buch der Rechtleitung
Buch der Rechtleitung [kitab-ul-irschad]

Aussprache: kitaab-ul-irschaad
arabisch:
كتاب الارشاد
persisch:
كتاب الارشاد
englisch: Book of Guidance [kitab al irshad]

Hintergrundinformationen zum Buch siehe: Buch der Rechtleitung [kitab-ul-irschad]

Leben des Fürsten der Gläubigen ‘Ali ibn Abi Talib

Der Feldzug gegen ´Amr bin Ma´dikarib

Als der Gesandte Allahs (s.) von Tabuk nach Medina zurückkehrte, kam ´Amr bin Ma´dikarib zu ihm. Der Prophet (s.) sagte zu ihm: „Ergib dich dem Islam, ´Amr, dann wird Allah dich vor dem größten Schrecken bewahren.“ „Muhammad“, antwortete er, „und was ist der größte Schrecken? Denn ich habe keine Angst.“ „´Amr,“ sagte er, „es ist nicht so, wie du vermutest und denkst. Unter den Menschen wird es einen großen Schrei geben, keinen Toten geben, der nicht versammelt wird, und keinen Lebenden, der nicht sterben wird, außer, dass Allah es will. Dann wird es einen anderen Schrei unter ihnen geben, und alle, die tot sind, werden sich in Reihen versammeln. Die Himmel werden sich spalten, und die Erde wird erschüttert werden, die Berge werden niederstürzen, das Feuer wird seufzen und Funken sprühen wie die Berge. Niemand, der eine Seele hat, wird verbleiben, dessen Herz nicht bloßgelegt wird, während er seiner Sünden gedenkt und mit sich selbst beschäftigt sein wird, außer dem, den Allah will. Und wo wirst du dann währenddessen sein, ´Amr?!“ „In der Tat höre ich (von dir) eine schlimme Sache“, antwortete er. Dann glaubte er an Allah und an Seinen Gesandten. (Einige) Leute von seinem Stamm glaubten ebenfalls mit ihm (an den Islam), und kehrten zu ihrem Stamm zurück.

Dann schaute ´Amr ibn Ma´dikarib zu Ubayy ibn ´Ath´ath al-Chath´ami und packte ihn am Nacken, dann brachte er ihn zum Propheten (s.) und sagte: „Gib mir diesen Sünder zurück, der meinen Vater getötet hat!“ „Der Islam lässt das unbeachtet, was in der Zeit der Unwissenheit stattfand“[1], antwortete der Prophet (s.). ´Amr ging fort als jemand, der den Islam (daraufhin wieder) verlassen hatte (murtadd). Er überfiel die Leute der Banu al-Harith ibn Ka´b und ging zu seinem Stamm. Der Gesandte Allahs (s.) rief ´Ali ibn Abi Talib (a.) und gab ihm den Befehl über die Muhadschirun und schickte ihn zu den Bani Zubaid, und er sandte Chalid ibn al-Walid mit einer Gruppe von Beduinen nach (den Stamm) Dschu´fa, da traf er auf den Fürsten der Gläubigen ´Ali ibn Abi Talib (a.). Der Fürst der Gläubigen (a.) zog aus, schickte Chalid ibn Sa´id ibn al-Aas als seine Vorhut voraus, und Chalid ibn al-Walid schickte Abu Musa al-Asch´ari als Vorhut.

Als die Dschu´fa von den Soldaten erfuhren, teilten sie sich in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe ging nach Jemen, und die anderen schlossen sich den Bani Zubaid an. Dies erfuhr der Fürst der Gläubigen (a.), und er schrieb an Chalid ibn al-Walid: „Verweile dort, wo mein Botschafter dich erreicht.“ Doch er (Chalid) verweilte nicht, und so schrieb er (´Ali, a.) zu Chalid ibn Sa´id ibn al-Aas: „Gehe dazwischen, so dass du ihn aufhältst“, und Chalid (ibn Sa´id ibn) holte ihn (Chalid ibn al-Walid ) ein und hielt ihn auf. Der Fürst der Gläubigen (a.) holte ihn (Chalid ibn al-Walid) ein und tadelte ihn streng wegen seines Zuwiderhandelns (gegen ´Alis (a.) Befehl). Dann zog er weiter, bis er in einem Tal namens Kuschr[2] auf die Bani Zubaid traf. Als die Bani Zubaid ihn sahen, sagten sie zu ´Amr (ibn Ma´dikarib): „Wie geht es dir, Abu Thawr[3]? Wenn dieser junge Mann von den Quraisch auf dich trifft, wird er Tribut von dir verlangen!“ “Er wird wissen, dass er auf mich getroffen ist“, sagte er. ´Amr trat vor und sagte: „Ist jemand da, der gegen mich kämpft?“, und der Fürst der Gläubigen (a.) erhob sich, doch (auch) Chalid ibn Sa´id stand auf und sagte: „Lass mich, Abu al-Hassan[4], bei meinem Vater und meiner Mutter, ich trete gegen ihn an.“Wenn du einverstanden bist“, sagte der Fürst der Gläubigen (a.), „dann bleib an deinem Platz.“ Er blieb (an seinem Platz), während der Fürst der Gläubigen (a.) vortrat. Er stieß einen Schrei gegen ihn aus, und ´Amr wurde in die Flucht geschlagen, sein Bruder und sein Cousin wurden getötet. Seine Frau Rukana bint Salama wurde gefangen genommen, und die anderen weib­lichen Stammesmitglieder wurden (ebenfalls) gefangen genommen.

Der Fürst der Gläubigen (a.) ging fort und ließ Chalid ibn Sa´id bei den Abu Zubaid zurück und beauftragte ihn, ihre Almosen einzusammeln und denen Sicherheit zu gewähren, die von ihrer Flucht als Muslime zurückkehrten. ´Amr ibn Ma´dikarib kam zurück und fragte Chalid ibn Sa´id um Erlaubnis (ihn besuchen zu dürfen), und letzterer gab ihm diese (Erlaubnis), und so kehrte er (´Amr ibn Ma´dikarib) zum Islam zurück. Er sprach mit ihm über seine Frau und seine Kinder, und er gab sie ihm (zurück).

Als ´Amr an der Tür Chalid ibn Sa´ids stand, fand er dort ein geschlachtetes Tier, dem die Kehle durchgeschnitten worden war, und er sammelte seine Knochen und zerschnitt sie mit seinem Schwert allesamt, und sein Schwert trug den Namen „Samsama“. Als Chalid ibn Sa´id an ´Amr dessen Frau (von der Gefangenschaft zurück) gab, schenkte ´Amr ihm (das Schwert) Samsama.

Der Fürst der Gläubigen (a.) hatte eine Sklavin von den Gefangenen ausge­wählt[5], und Chalid ibn al-Walid schickte Buraida al-Aslami zum Propheten (s.) und sagte: „Komm der Armee zuvor und gehe zu ihm (dem Propheten, s.) und informiere ihn darüber, was ´Ali getan hat, indem er eine Sklavin für sich selber von der Chums (Fünftel der Kriegsbeute) aussuchte, und entehre ihn bei ihm.“ Und Buraida ging und kam zu der Tür des Gesandten Allahs (s.). Und er fand ´Umar ibn al-Chattab bei ihm. Letzterer fragte ihn nach dem Stand ihrer Schlacht und nach dem Grund, warum er gekommen war. Er sagte ihm, dass er nur deshalb gekommen war, um ´Ali (a.) zu entehren, und er erwähnte, dass ´Ali (a.) für sich eine Sklavin unter dem Fünftel der Kriegsbeute ausgewählt habe. „Führe aus, wozu du gekommen bist“, entgegnete ´Umar, „denn er (der Prophet, s.) wird wegen seiner Tochter (Fatima, a.) darüber ärgerlich sein, was Ali gemacht hat.“ So ging Buraida zum Propheten (s.) und er hatte einen Brief von Chalid bei sich, mit dem Buraida geschickt worden war. Er (der Prophet, s.) begann, ihn (den Brief) zu lesen, und der Gesicht(sausdruck) des Gesandten Allahs (s.) änderte sich. „Gesandter Allahs“, sagte Buraida, „wenn du den Leuten Ausnahmegenehmigungen wie diese gestattest, dann geht ihr Anteil an der Kriegsbeute dahin!“ „Wehe dir, Buraida“, sagte der Gesandte Allahs (s.), „du hast eine heuchlerische Tat begangen! ´Ali ist das erlaubt von der Kriegsbeute, was auch mir erlaubt ist. ´Ali ibn Abi Talib (a.) ist der Beste für dich und dein Volk, und der Beste von denen, die ich nach mir zurücklasse, für meine gesamte Ummah. Buraida, hüte dich davor, ´Ali zu hassen, denn dann wird Allah dich hassen.“ Buraida berichtete: Ich wollte, dass sich die Erde für mich spaltete, so dass ich darin verschluckt werden konnte. So sagte ich: „Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem Zorne Allahs und vor dem Zorn Seines Gesandten. Gesandter Allahs, vergib mir, ich werde niemals ´Ali hassen, und ich werde nur Gutes über ihn sprechen.“ So vergab ihm der Prophet (s.).

Bei diesem Feldzug (bewies) der Fürst der Gläubigen (a.) hervorragende Eigen­schaften, die jenseits des Vergleichs mit den Qualitäten jedes anderen außer ihm waren, und der Sieg darin war besonders durch seine Hand errungen worden. Er bewies auch seine großen Verdienste und seine Teilhaberschaft beim Propheten (s.) darin, dass ihm der gleiche Anteil an der Kriegsbeute gebührte, den Allah, Der Erhabene, auch dem Propheten (s.) erlaubt hatte. Dadurch zeigte sich seine besondere Stellung, die keiner von den Leuten außer ihm innehatte, und durch die Liebe des Gesandten Allahs (s.) und die Vorzugstellung bei ihm zeigte sich, was denen verborgen war, die kein Wissen darüber hatten. Darin ist auch seine (des Propheten, s.) Warnung an Buraida und an andere davor, ihn (Imam ´Ali, a.) zu hassen und ihm feindlich gesonnen zu sein. Er forderte ihn dazu auf, ihn (´Ali, a.) zu lieben und seine Führerschaft (wilaya) anzuerkennen, wie auch dazu, den Komplott seiner Feinde abzuwehren ihn zu verunglimpfen. Das zeigte, dass er der Beste der Geschöpfe bei Allah, Dem Erhabenen, sowie bei ihm (dem Propheten, s.) war, (wie auch,) dass er seine Position nach ihm zu Recht genoss. Er selbst hatte die hervorragendste und einflussreichste Stellung bei ihm (dem Propheten, s.) inne.

[1] Mit der Annahme des Islam werden die früheren Sünden aus der unislamischen Zeit vergeben, Anm. d. Übers.

[2] In der Nähe von San’a (Jemen)

[3] Rufname von ´Amr ibn Ma´dikarib, Anm. d. Übers.

[4] Rufname von Imam ´Ali (a.) mit der Bedeutung: „Vater von Hassan“, Anm. d. Übers.

[5] Derartige Ereignisse sind von vielen der zwölf Imame bekannt, dass sie bestimmte Frauen zu deren eigenen Schutz vor anderen zu sich nahmen und schützten, Anm. d. Übers.

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