Buch der Rechtleitung
Buch der Rechtleitung [kitab-ul-irschad]

Aussprache: kitaab-ul-irschaad
arabisch:
كتاب الارشاد
persisch:
كتاب الارشاد
englisch: Book of Guidance [kitab al irshad]

Hintergrundinformationen zum Buch siehe: Buch der Rechtleitung [kitab-ul-irschad]

Leben des Fürsten der Gläubigen ‘Ali ibn Abi Talib

Urteile des Fürsten der Gläubigen während des Regierungszeit Abu Bakrs

Dies ist eine kurze Zusammenfassung seiner (Imam Alis, a.) Rechtsurteile  während der Regierungszeit von Abu Bakr ibn Quhafa, und darunter sind Berichte, die sowohl von den sunnitischen (´amma) als auch von den Schiiten (chassa) überliefert wurden: Ein Mann, der Wein getrunken hatte, wurde vor Abu Bakr gebracht. Dieser wollte die dafür vorgeschriebenen Strafe (hadd) anwenden. Er (der Angeklagte) sagte: „Ich trank das, ohne dass ich wusste, dass es verboten war, denn ich bin unter Leuten aufgewachsen, die es als erlaubt betrachteten. Ich wusste bis jetzt nicht, dass es verboten war.“ Da wusste Abu Bakr nicht, wie er über diese Sache urteilen sollte, und er kannte die Art und Weise nicht, darüber zu urteilen. Einige der Anwesenden rieten ihm, den Fürsten der Gläubigen (a.) um Rat zu fragen, was das Urteil dazu wäre. Er schickte jemanden zu ihm, um ihn danach zu fragen. Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Zwei Vertrauenswürdige von den Muslimen sollen die Versammlungen der Ansar und der Muhadschirun nacheinander besuchen, um sie zu fragen, ob irgendjemand von ihnen (dem Mann) den Vers des Verbots (des Weintrinkens), oder ob er dieses (Verbot) ihm von dem Gesandten Allahs (s.) berichtet hat. Und wenn zwei Männer von ihnen das bezeugen, dann soll er die vorgeschriebene Strafe (Hadd) anwenden, und wenn niemand das bezeugen kann, dann soll er ihn zur Reue mahnen und ihn seines Weges ziehen lassen.“ Abu Bakr verfuhr so, und niemand von den Muhadschirun und den Ansar konnte bezeugen, dass er ihm den Vers des (Wein-)Verbots verlesen oder ihm von dem Gesandten Allahs (darüber) berichtet hatte. So mahnte ihn Abu Bakr zur Reue und ließ ihn gehen. Er unterwarf sich ´Ali (a.) in dem Urteil.

Es wurde berichtet, dass Abu Bakr nach der Aussage Allahs gefragt wurde: „Fakihatan wa abban[1], und er kannte nicht die Bedeutung des Wortes „Al-Abb“ im Qur´an, und er sagte: „Jeder Himmel, der mich überdacht und jedes Land, das mich trägt .... was soll ich machen, wenn ich etwas über das Buch Allahs sage, was ich nicht weiß. Was „Al-Fakiha“ (Frucht) betrifft, so kennen wir seine Bedeutung, aber was „Al-Abb“ bedeutet, so weiß es Allah besser.“ Der Fürst der Gläubigen (s.) wurde über seine Aussage darüber informiert, und er sagte: „Subhanallah (Allah sei Gelobt), wusste er nicht, dass „Al-Abb“ frisches Gras (kala´) und Weide (mar´a) (bedeutet), und dass Seine Worte „wa fakihatan wa abban“ eine Aufzählung von Allahs Gnaden sind, die Er Seinen Geschöpfen zur Speise gegeben und für sie und ihr Vieh geschaffen hat, (das sind einige) der Dinge, mit denen ihre Seelen am Leben gehalten und ihre Körper aufrecht erhalten werden.“ [2]

Abu Bakr wurde nach (der Bedeutung des Wortes) „Al-Kalala“ gefragt, und er antwortete: „Ich werde meine Meinung darüber abgeben. Wenn ich Recht habe, dann ist es für Allah, und wenn ich falsch liege, dann ist es von mir und von Schaitan.“ Dies kam dem Fürsten der Gläubigen (a.) zu Ohren, und er sagte: „Was nützt ihm die Meinung an dieser Stelle! Wusste er denn nicht, dass „Al-Kalala“ Brüder und Schwestern vom (selben) Vater und Mutter sind, sowie vom Vater allein, und auch von der Mutter gleichermaßen. Allah, Der Allmächtige, sagte: „Sie fragen sich um Belehrung. Sprich: „Allah belehrt euch über Kalala: Wenn ein Mann stirbt und kein Kind hinterlässt, aber eine Schwester hat, dann soll sie die Hälfte von seiner Erbschaft haben,; und er soll sie beerben, wenn sie kein Kind hat.“ [3]

Und Er sagte, Erhaben und Groß ist Er: „...und wenn es sich um eine Person handelt - männlich oder weiblich - deren Erbschaft geteilt werden soll, und sie hat weder Eltern noch Kinder, hat aber einen Bruder oder eine Schwester, dann haben diese je ein Sechstel. Sind aber mehr (Geschwister) vorhanden, dann sollen sie sich ein Drittel teilen zu (gleichen) Teilen...“ [4]

Es wurde überliefert, dass ein jüdischer Rabbiner zu Abu Bakr kam und sagte: „Bist du der Kalif dieser Ummah?“, und er antwortete: „Ja“, und er (der Rabbiner) sagte: „Wir finden in der Thora, dass die Nachfolger der Propheten die Wissendsten ihrer Gemeinschaften sind, so berichte mir über Allah, Den Erhabenen, wo Er ist, im Himmel oder auf der Erde?“ „Er ist im Himmel auf dem Thron“, antwortete Abu Bakr, und der Jude sagte: „Daraus verstehe ich, dass die Erde ohne Ihn ist, und ich schließe aus (deiner) Aussage, dass Er an einem (einzigen) Platz ist, ohne an einen anderen (sein zu können).“ „Das sind die Worte der Atheisten (zanadiqa)“ sagte Abu Bakr, „geh fort von mir, oder ich werde dich töten.“ Der Rabbiner wandte sich ab in Verwunderung und Spott über den Islam. Der Fürst der Gläubigen (a.) traf auf ihn. „Du Jude, ich weiß, was du ihn gefragt hast und dir nicht beantwortet wurde“, sagte er, „und wir sagen: Allah, Der Erhabene, ist (Selbst) das Wo, es gibt kein „Wo“ für ihn. Er ist darüber erhaben, dass irgendein Ort Ihn enthält. Er ist an jedem Ort, ohne Kontakt mit irgendetwas oder mit etwas benachbart zu sein. Er umfasst Wissen über das, was dort existiert, und nichts davon befindet sich außerhalb Seiner Anordnung. Ich sage dir das, was in einem eurer Bücher steht, welches das bestätigt, was ich dir gesagt habe. Wenn du es verstanden hast, glaubst du daran?“ „Ja“, erwiderte der Jude. „Habt ihr nicht in euren Büchern gefun­den“, sagte er (Imam Ali, a.), „das Musa ibn Imran (a.) eines Tages dasaß, als ein Engel zu ihm von Osten kam, und Musa (a.) ihn fragte: ‚Woher bist du gekommen‘, und der Engel antwortete: ‚Von Allah, Dem Erhabenen‘. Dann kam ein anderer Engel von Westen zu ihm, und er (Musa, a.) fragte (auch) ihn: ‚ Woher bist du gekommen?‘, und er sagte: ‚ Von Allah‘, und ein weiterer Engel kam zu ihm, und er sagte: ‚ Ich bin vom Siebten Himmel von Allah zu dir gekommen‘, und ein anderer Engel kam zu ihm und sagte: ‘Ich bin zu dir von der Siebten tiefsten Erde gekommen von Allah, Erhaben ist Sein Name‘, da sagte Musa (a.): ‚Preis sei Allah, kein Ort ist frei von ihm, und Er ist nicht näher zu einem Ort als zu einem anderen.‘“ Der Jude antwortete: „Ich bezeuge, dass es die Wahrheit ist, dass es keinen Gott außer Ihm gibt, und dass du berechtigter bist, den Platz deines Propheten einzunehmen als der, der ihn innehat.“ Es gibt viele Berichte ähnlich diesem.

[1] Heiliger Qur´an: 80: 31

[2] Den vorderen Teil davon überlieferte Ibn Schahrahschub in seinen „Manaqib“: 2: 32, und Al-Suyuti in „Al-Darr al-Manthur“: 6: 317 über die Vorzüge von Abu ´Ubaid und ´Abd ibn Dschamil; und al-Bahrani überlieferte es im Tafsir „al-Burhan“: 4: 429 / 1; und Al-Huwaizi im Tafsir „Nur al-Thaqalain“: 5: 511 / 14; und ´ Allamah al-Madschlisi überlieferte es n „al-Bihar“: 79: 159 / 13

[3] Heiliger Qur´an: 4: 176

[4] Heiliger Qur´an: 4: 12

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