Das ABC des Islam
Das ABC des Islam

von

Allama Sayyid Muhammad Husain Tabatabai

 

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Gott ist absolut vollkommen

Gott ist vollkommen. In Ihm sind alle Vollkommenheiten zu einer Einheit, einer einheitlichen Gesamtheit, Untrennhaar voneinander, vereint. Der Vernunft, dem inneren Erkennen des Menschen, ist dieses ‘instinktiv’ bewusst. Es sei denn, dieser wäre so sehr mit den materiellen Dingen des Lebens beschäftigt, das er sich die Zeit und Mühe, sich auch solchen Themen und Gedanken zu widmen, nicht gönnt. so das er diese Wahrheit - d.h. das Gott absolut vollkommen und im Besitze sämtlicher, eine unauflösliche Einheit bildender Vollkommenheiten - in seinem Unterbewusstsein vergräbt’. Oder aber er ist den Verlockungen des irdischen Daseins so verfallen, das sein ganzes Interesse und Augenmerk dem süßen Leben” gilt, dem er weitmöglich zu frönen gedenkt. Nur das scheint für ihn zu existieren. Da aber Kenntnis über die Wahrheiten und entsprechendes Handeln und Verhalten Zügellosigkeiten und Ausschweifungen einen Riegel vorschieben, meidet er es sich über sie - nämlich die Wahrheiten - Gedanken zu machen und schiebt sie weit von sich. Verdrängt sie, vergisst sie, auch wenn sie seinem tiefsten inneren bekannt sind.

Darum ist im Heiligen Koran über die Schöpfung der Geschöpfe als auch die Ordnung, die unter ihnen gegeben, recht häufig die Rede. Unter Hinzuziehung von Argumenten und Nachweisen.

Wie viele sind es doch, die sich dem Diesseits verschrieben haben und ihr Glück in den flüchtigen Amüsements des Erdendaseins sehen. Die infolge ihrer übermäßigen Ambitionen für die materielle Dimension ihres Lebens, die Fähigkeit zu Überlegungen über den Sinn der Schöpfung und die Wahrheiten des Seins aus der Hand gegeben haben.

Der Mensch ist jedoch selbst Teil der Welt des Seins, ist eines der zahllosen Glieder des gewaltigen Seins-Ensembles. Und niemals kann er auch nur für einen winzigen Augenblick der Seinsordnung - ob seinen eigenen spezifischen oder den großen Gesamtordnung - entfliehen oder ihrer entbehren. Immer und Überall ist sie mit ihm, offenbart sie sich ihm und vermag er - so er richtig und wachen Herzens hinschaut - die Existenz des Schöpfers und Erhalters der Welten zu erkennen.

Der Erhabene Gott spricht im 5. Vers der Sure 45, Gatiah:

In der Schöpfung der Himmel und der Erde sind für die Gläubigen Zeichen und Beweise, die sie in Richtung “Tawhid” führen. Und in eurer eigenen Schöpfung und den aller Kreatur, die auf Erden anzutreffen ist, sind für jene, die festen Glaubens sind, Zeichen und Spuren, die den Einen Gott bekennen. Und in der Unterschiedlichkeit, die Tag und Nacht aufzeigen, demzufolge sie bisweilen länger oder kürzer als das andere sind und folglich kälter bzw. wärmer werden..., sowie in dem Regen ,den der Erhabene Gott vom Himmel hinabsendet und die erstorbene Erde durch ihn zu Leben erweckt, als auch um Aufkommen und Wehen der Winde von einer Richtung in die andere, sind zahlreiche Zeichen und Beweise, die jenen, die Verstand und Vernunft nutzen, die Wahrheit deutlich machen.

Erklärung:

Viele Verse des Heiligen Koran rufen den Menschen dazu auf, über die Schöpfung von Himmel, Sonne, Mond und Sterne, Erde, Berge und Meere, Vegetation, Tiere und Menschen nachzudenken. Sie erinnern an ,die erstaunliche Ordnung, die einem jeden von ihnen – im Rahmen der gewaltigen Gesamtordnung der Schöpfung - gegeben ist und durch die sie erhalten werden und sein können.

Wirklich, die Welt der Schöpfung und die Ordnung, durch welche die vielfältigen Erscheinungen, Aktivitäten und Vorgänge in der Welt in Richtung der jeweiligen Schöpfungsziele gesteuert werden, ist über alle Maßen wunderbar.

Weizenkorn und Mandelkern im Erdreich beginnen zu treiben und hervorzusprießen. Der Strauch setzt Beeren an und der Baum Früchte. Und von dem Moment an, da das Samenkorn im Erdhoden liegt, aufbricht, grüne Spitzen hervorbringt und seine Wurzeln ins Endreich hineinsenkt bis zu dem Zeitpunkt, da es sein Ziel erreicht, wird es‘ gefördert” von gewaltigen Ordnungen, deren Ausmaß und Präzision in helles Erstaunen versetzen.

Die funkelnden Sterne am Firmament, die strahlende Sonne, der Mond mit seinem milden Licht, die Ende und ebenfalls die geheimnisvollen Kräfte, die im Samenkorn veranlagt sind, die vier Jahreszeiten, die Atmosphäre, Wolken, Regen und Wind, Tage und Nächte..., sie alle sind an der Entstehung eines Baumes oder Getreidehalmes -beispielsweise - beteiligt. Sorgen Hand in Hand für das Neue, das im Heranwachsen begriffen ist. Gleich Müttern, Schwestern... Bis das es die letzte Stufe seiner Entwicklung und Reife erreicht hat.

Denken wir doch nun an ein neugeborenes Menschlein, dessen Schöpfung und Entstehung weitaus komplizierter ist als die eines jungen Pflänzchens oder einen anderen Kreatur. Auch es - das Menschenkind - ist das Ergebnis präzis koordinierter und komplizierter Aktivitäten und Vorgänge des “Schöpfungsapparates’..., im Verlaufe von Millionen und Milliarden Jahren.

Dem Leben des Menschen - einmal ganz abgesehen von dessen Beziehung zur Umwelt und der Ordnung in ihr -liege eine erstaunliche Ordnung zugrunde, die in ihm selbst veranlagt ist. Seit vielen Jahrhunderten schon beschäftigen sich die Wissenschaftler mit ihr. Und obwohl tagtäglich weitere Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ist dennoch erst ein sehr geringem Teil als das Geheimnisvollen und Unbekannten im Zusammenhang mit dem Menschen, dessen Natur, Sein und Seinsordnung erforscht worden.

Verfügt der Mensch über all das, was er von seiner Natur und Beschaffenheit her bedarf, so ist er “komplett. Ist jedoch das, was er benötigt, nicht vollständig vorhanden..., fehlt ihm zum Beispiel ein Arm oder Bein, so ist er “unvollständig’. Sind aber - in diesem Falle körperliche - Unzulänglichkeiten ausgeschaltet, so ist er physisch gesehen vollständig, vollkommen. Das heißt, seinen physischen Notwendigkeiten wird dadurch, das seine Glieder und Organe intakt und vorhanden sind, entsprochen.

Ebenfalls ist “Wissen” ein Vollständigkeitsmerkmal, ein geistiges. Datum, da es die Finsternis der Unwissenheit was er nun weiß, nahebrachte. Auch Fähigkeiten und Macht zu etwas ist ein Vollständigkeitsmoment. Wer darüber verfügt, vermag dieses 38

“etwas” bzw. Ziel, das er anstrebt, zu ereichen. Ebenso ist es mit “Leben”, “Erfassen”, “Begreifen’ und ähnlichem. Sie alle sind Vollständigkeits- bzw. Vollkommenheitsmerkmale.

Das in dem Schöpfer der Welten - das heißt in jenem, von dem Universum und all das, was in ihm ist, Existenz erhält, der jeglicher nur denkbaren Notwendigkeit Genüge tut und von dem jeder Segen und jedes Vollständig- oder Vollkommensein herrührt - sämtliche absoluten Vollkommenheiten bzw. Vollkommenheitsattribute vereint sind, erkennt der Mensch “instinktiv”..., aufgrund seines inneren Erkennens, seinen gottgebenden Vernunft, seinen wahrheitsliebenden Natur. Schließlich widerspräche es auch jeglicher Logik und Objektivität, anzunehmen, das Er -Gott - seine Geschöpfe mit Vollständigkeiten, über die Er selbst nicht verfügt, versorgen könnte. Das heißt, das Er -von dem alles kommt - Seiner Kreatur etwas gibt, das Er selbst nicht hat...

lm 133. Vers der Sure 6, An´am, weist der Erhabene Gott darauf hin, das Er über sämtliche Vollkommenheiten verfügt.

Nur Er ist absolut bedürfnislos und allmächtig . Er ist es, der die Bedürfnisse eines jeden Bedürftigen behebt.

Und im 8. Vers der Sure 20, Ta Ha, lesen wir:

Die besten und schönsten Eigenschaften sind die Gottes , der keine Gottheiten neben sich hat. Er ist es , der lebendig ist, wissend, sehend , hörend und allmächtig ...,Schöpfer allen Seins und absolut bedürfnislos.

Der Erhabene Gott ist also im Besitze sämtlicher Vollkommenheits- bzw. Vollständigkeitsmerkmale, aller vollkommenen Eigenschaften. Genauer gesagt, sie sind in Form einer Gesamtheit, einer untrennbaren Einheit in Ihm vereint. Sie gehören zusammen. Wenn wir zum Beispiel sagen, Gott ist gerecht, so bedeutet das, das Sein Gerechtsein sämtliche anderen Vollkommenheiten umfasst. Das heißt, sein Gerechtsein ist untrennbar mit sämtlichen weiteren Vollkommenheiten verbunden. Er ist in Seiner absoluten Heiligkeit und Erhabenheit frei und rein von jeglicher Unvollkommenheit bzw. Unzulänglichkeit. Andernfalls, das heißt, wenn Er In irgendeiner Hinsicht unvollkommen oder “unvollständig” wäre, besagte das, das er etwas benötigte, um diese Unvollständigkeit beheben zu können. Das aber würde bedeuten, das er weiteres bzw. “höheres” Wesen als Er sein müsste, das Ihm das gäbe, was Ihm fehlt...

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