Das ABC des Islam
Das ABC des Islam

von

Allama Sayyid Muhammad Husain Tabatabai

 

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Ist “Religion” erforderlich?

Folgende Frage stellt sich hier und zwar: Kann der Mensch ohne Religion, ohne den Glauben an Gott nicht auch glücklich sein bzw. werden? Es wird doch wohl möglich sein, das in einer Gesellschaft die Rechte und Pflichten eines jeden gemäß einer guten, aber von Menschenhirn erdachten Gesetzgebung festgelegt und praktiziert werden. Das anstelle der göttlichen bzw. religiösen Weisungen und Bestimmungen ‘weltliche” eingesetzt und befolgt werden, welche die “himmlischen” überflüssig machen.

Bei ein wenig Überlegung und Einblick in die islamische Gebote und Regelungen wird jedoch das Gegenteil einer solchen Annahme und Vorstellung offenkundig.

Darum, weil das Augenmerk des Islam - der die letzte, abschließende und vollendete der göttlichen Religionen ist - nicht allein der Anbetung und Huldigung Gottes gilt, sondern darüber hinaus sämtlichen Bereichen des individuellen und gesellschaftlichen menschlichen Lebens, zu dem er optimale Richtlinien und Orientierungshilfen anbietet. Allgemeine, universale als auch spezielle, ins Detail gehende. Regelungen, die in erstaunlicher Weise die Gegebenheiten der Welt und des Lebens berücksichtigen.

Kurz, die praktizierte islamische Gesetzgebung dient sowohl dem Wohlergehen des einzelnen als auch der gesamten Menschheit. Und jeder, der aufgeklärten und gerechten Geistes ist, wird diesem Punkt gewiss beipflichten, nämlich:

Die Bestimmungen, die durch den begrenzten Menschenverstand geboren werden, zeichnen sich keinesfalls durch jene hohe Qualität aus, die der göttlichen Gesetzgebung innewohnt. Eine Realität, auf die Gott im Heiligen Koran hinweist. Als Beispiel einige Koranverse:

lm 17. Vers der Sure 3, Al-lmran, heißt es:

Jene Religion, zu der alle Propheten aufrufen, ist die Religion der Anbetung Gottes und Ergebung in Seinen Willen.

Die “Gelehrten” aber hegten in ihrer fanatischen Ereiferung Feindseligkeit und Zwietracht untereinander.

Obwohl sie den rechten Weg vom falschen zu Unterscheiden vermochten, beugten sie sich nicht der Wahrheit. Uneins untereinander, ging ein jeder einen Separaten Weg. Mit dem Ergebnis, das es zu verschiedenen Glaubensgemeinschaften auf Erden kam. Wahrlich, jene, die so handelten, leugneten die Zeichen Gottes. Und Gott wird sie in Bälde für dieses ihr Tun bestrafen.

Im 79. Vers der Sure 3, Al-Imran, lesen wir Wer eine andere Religion als den Islam möchte und befolgt..., niemals wird er vor Gott Anerkennung finden und im Jenseits niemals zu den Erretteten gehören.

Der 204. Vers der Sure 2, Baqarah, sagt uns:

O Muslime! Gebt euch dem Willen Gottes hin und folget nicht Satan, der euer offenkundiger Feind ist. Fügt der Religion nichts hinzu und nehmt ihr nichts!

Und im 93. Vers der Sure 16, NahI, spricht Gott:

O Muslime ! wenn ihr ein Bündnis geschlossen habt, so bleibt ihm treu ! Und wenn ihr schwört und Gott als Zeugen eures Schwurs angerufen habt, so brecht ihn nicht, denn Gott weiß , was ihr tut!

Dieser Koranvers mahnt, das jede Abmachung und jedes Bündnis, das jemand mit Gott oder seinen Mitmenschen abschließt, getreulich einzuhalten ist.

Dann, im 126. Vers der Sure 16, NahI, lesen wir:

Lade die Menschen zu Gott ein, indem du ihnen die Wahrheit kundtust und sie aufklärst über das , was ihnen zum Wohle und was zum Verderben gereicht.

Berate und ermahne sie mit guten Worten. Mit Andersdenkenden diskutiere in guter Art, damit du in ihnen Interesse für deine Worte wecken und sie (möglicherweise) von Gott Überzeugen kannst. Denn Gott ist wissender als die, welche in die Irre gingen und auch wissender als jene, die den rechten Weg fanden.

Dieser Vers appelliert an die Muslime, im Sinne einer Festigung und Publizierung der Religion mit einem jeden so zu sprechen das er versteht und akzeptiert. Und wenn mit Aufklärung ,freundlicher Ermahnung und dergleichen nichts zu erreichen ist, sollte mittels Diskussion und Debattieren -etwas, wodurch möglicherweise ebenfalls Erkenntnis und Zustimmung erreicht werden können - versucht werden, den Betreffenden auf den Weg Gottes zu führen.

Im 203. Vers der Sure 7, A’raf, heißt es: ...

Dieser Koranvers mahnt, nicht zu reden oder sich mit anderen Dingen und Gedanken zu beschäftigen, wenn aus dem Koran rezitiert wird, damit seine Worte und deren Inhalt mit dem Herzen aufgenommen und das göttliche Erbarmen erreicht werden können...

Und im 62. Vers der Sure 4, Nissa, lesen wir:

O die ihr glaubt! Folget den Weisungen Gottes, Seines Gesandten und der Imame, denen zu folgen Gott und der Prophet euch geboten haben. Und wenn ihr an Gott und den Tag der Auferstehung glaubt , so Iöst eure Probleme mit Hilfe des Koran und den Empfehlungen des Propheten. Dieses ist besser für euch und verhilft euch zu einer erfreulichen Zukunft.

Dieses koranische Wort macht darauf aufmerksam, das es für die islamische Gesellschaft kein anderes und geeigneteres Mittel gibt, als ihre Konflikte und Kontroversen, mittels Koran und Sunna des Propheten zu lösen. Und beseitigt ein Muslim mit Hilfe seiner Vernunft eine Schwierigkeit, so geschieht dieses dennoch in Berücksichtigung des Wortes Gottes und eingedenk dessen, daß der Koran selbst an Verstand und Vernunft appelliert und dazu aufruft, von ihnen Gebrauch zu machen.

Im 153. Vers der Sure 3, Al-Imran, läßt Gott uns wissen :

Aufgrund Seiner Huld, die Er - Gott - dir schenkt, ist es, das du so freundlich und warmherzig bist. Wärest du abweisend und hart gewesen oder hättest schroff mit ihnen (den Menschen) gesprochen, würden sie dich gemieden haben. Sei daher nachsichtig, wenn sie sich nicht recht verhalten und erbitte Gottes Vergebung für sie. Berate dich mit ihnen in Dingen, die die Öffentlichkeit betreffen. Und da Gott jene, die Ihm vertrauen, gern hat und sie unterstützt, sei zuversichtlich und verlass dich voll und ganz auf Ihn , wenn du eine Entscheidung getroffen hast.

Gutes, wohlwollendes Verhalten und gemeinsames Beraten bewirken Freundschaft und Zuneigung füreinander. Der, welcher die Gesellschaft führt und betreut, sollte dieses beherzigen und bedenken, das er Sympathie und Vertrauen der Bevölkerung besitzen bzw. gewinnen muss, um Einfluss auf sie nehmen zu können.

Der Allmächtige Gott ruft daher Seinen Gesandten, den Betreuenden und Führenden der Muslime, auf, letzteren mit Güte und Nachsicht zu begegnen und sich mit ihnen zu beraten. Doch da nun mal der gewöhnliche Mensch irren und somit Fehlentscheidungen treffen kann - nicht aber der Prophet, da er unfehlbar, “ma´sum” ist - ordnet Gott an:

Nach deiner Beratung mit den Muslimen aber treffe deine Entscheidung, und zwar selbstständig .Und da niemand dem Willen Gottes zuwiderhandeln kann, verlass dich ganz auf Ihn und vertraue Ihm die Angelegenheit an.

Im Zusammenhang mit den Juden und Christen - deren Himmlische Schrift die Thora bzw. das Evangelium ist, die ebenfalls gesellschaftliche Weisungen und Bestimmungen beinhaltet - spricht der Erhabene Gott in der Sure 5 Ma’idah:

Doch wie sollten sie deinen Schiedsspruch erkennen , die weil sie doch die Tora in Händen haben , in der Gottes Entscheidung und Gebot ist, von dem sie sich abwenden ? (Sie werden sich mit deinem Richterspruch , der dem der

Thora entspricht, nicht zufrieden geben). Darum, weil ihr Glaube an Gott nicht echt ist. Wir haben ihnen (den Kindern Israel) die Thora hinabgesandt, welche Rechtleitung und Licht enthält. Damit die gottergebenen Propheten gemäß diesem Buch unter den Juden Recht sprechen. Und auch die Wissenden und Gelehrten unter ihnen (Juden), deren Aufgabe es ist, das Buch zu schützen, zu bewahren, zu publizieren und ihm gemäß zu entscheiden. Ihr sollt nicht die Menschen fürchten, sondern Mich. Und verachtet Meine Zeichen nicht. Diejenigen, die nicht nach dem entscheiden , was Gott hinabgesandt hat ,sind wahre Ungläubige...

Und wir entsandten anschließend Jesus. Den Sohn der Maria , auf das er bestätigte, was schon vor ihm in der Tora war. Zur Rechtleitung und Ermahnung der Gottesfürchtigen. Die Leute des Evangeliums sollten nach dem vorgehen und entscheiden . was Gott darin hinabgesandt hat. Diejenigen, die nicht nach dem vorgehen und entscheiden was Gott hinabgesandt hat, sind wahre Frevler. Und wir haben dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, damit es das bestätige, was von Gottes Wort vor diesem da war und darüber Gewissheit gebe. Richte nun zwischen ihnen nach dem, was Gott dir hinabgesandt hat.

Die Thora als auch das Evangelium, die heute in der Hand der Juden und Christen sind, bestätigen dieses. Zahlreiche rechtliche und strafrechtliche Bestimmungen sind in der Thora enthalten, und ihre Schari’ah, d.h. ihr Religionsgesetz, wird seitens des Evangeliums ganz offenbar bestätigt.

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