Der Tod des Husein ...

Der Tod des Husein ben Ali und die Rache

Ein historischer Roman aus dem Arabischen

Ferdinand Wüstenfeld

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Abbas holt Wasser

Ahl Michnaf sagt: Der Durst wurde für Husein, seine Frauen und Begleiter sehr drückend, sie beklagten sich bei ihm darüber und er liess desshalb seinen Bruder 'Abbas rufen und sagte ihm: lieber Bruder, siehst du nicht, was wir und diese Kinder vom Durst zu leiden haben? gehe hin und hole uns etwas Wasser. Er antwortete: gewiss, Gott und dir gehorsam. Dann beeilte sich 'Abbas und ging fort, indem er sprach:

Kämpfen will ich heute mit wohlgeleitetem Muthe,
vertheidigen den Enkel des Propheten Ahmed.
Ich werde euch treffen mit der Indischen Schneide,
bis ihr ablasst vom Kampfe gegen den Herrn.
Ich bin 'Abbas, der sich die Liebe erworben hat,
der Spross 'Ali's, des heiligen Beschützers.

Abu Michnaf sagt : 'Abbas zog mit seinen Begleitern fort, bis sie an das hohe Ufer des Euphrat kamen; hier stürzten Leute auf sie ein und fragten: wer seid ihr? Sie antworteten: Freunde Huseins; der Durst quält uns so , dass wir kaum noch athmen , aber noch grösser ist für uns die Sorge um unseren Gebieter Husein und seine kleinen Kinder. Als sie diese Worte hörten, konnten sie sich nicht beherrschen, sondern machten auf sie einen gemeinschaftlichen Angriff, indess 'Abbas hielt Stand mit den Seinen, sie bestanden einen schweren Kampf, 'Abbas tödtete mehrere von ihnen und streckte die tapfern nieder, indem er sprach:

Ich fürchte den Tag nicht, wenn sich der Tod erhebt
um mich todt niederzustrecken beim Zusammenstoss.
Mein Leben für das Leben des heiligen, schuldlosen;
ich bin standhaft und übe auf dem Kampfplatz Vergeltung.
Ich fürchte den Gegner nicht, wenn er herannaht,
vielmehr werde ich die Schädel treffen und einzeln spalten.

Als er diese Verse beendet hatte, machte er einen Angriff auf die Leute, vertrieb sie von der Tränke, stieg mit einem Schlauche hinab und füllte ihn; er streckte die Hand aus um zu trinken, erinnerte sich aber an Huseins Durst und sprach: bei Gott ! ich werde kein Wasser kosten , so lange mein Herr durstig ist ; er verliess die Tränke mit den Worten:

O Seele ! nach Huseins Tode ruhe,
denn nach ihm kannst du nicht mehr leben.
Dieser Husein durstet nach dem Tode,
und du wolltest aus dem kühlenden Quell trinken?
Das sei fern, das wäre nicht eine That der göttlichen Lehre
oder der rechten, wahren , sicheren Erkenntniss.

Er machte auf die Leute einen Angriff und bestand einen schweren Kampf, sodass seine Haut von den Pfeilen der eines Igel glich; da griff ihn el-Abrad ben Scheiban (L. ben Schatwa el-Guhenl) an, er traf seine rechte Hand , sodass sie sammt dem Schwerdte davon flog. Er fasste das Schwert mit der linken Hand und erneuerte den Angriff, indem er sagte:

Bei Gott! wenn ihr mir die rechte Hand abhauet,
so werde ich doch kämpfend meinen Glauben vertheidigen
Und einen Imam, der zuverlässig ist in der Erkenntniss,
den frommen , glaubhaften Enkel des Propheten,
Eines Propheten der Wahrheit, der uns eine Religion gebracht hat
im wahren Glauben an einen einzigen helfenden Gott.

Bei diesem Angriffe auf die Leute tödtete er von ihnen mehrere Männer, bis ihm Abdallah ben Jazid el-Scheibani auch die linke Hand abhieb; da nahm er das Schwerdt in den Mund und sprach:

O meine Seele! fürchte dich nicht vor den Gottlosen.
und lass dir verkünden das Erbarmen des Auserwählten
Mit dem Propheten , dem Herrn der Gerechten.
Sie haben mir in ihrer Gewaltthätigkeit meine Linke abgehauen.
Schon stürzen herbei die Schaaren der Ungläubigen,
so führe sie, o Herr, in die Gluth der Hölle.

Er wiederholte den Angriff gegen sie , während seine Hände von Blut trieften, wodurch er geschwächt wurde ; da stürzten sie insgesammt auf ihn, ein Mann schlug ihn mit einer eisernen Stange mitten über den Kopf, sodass er ihm den Schädel spaltete, und er wurde zu Boden gestreckt, indem er ausrief: o Abu Abdallah, sei von mir gegrüsst!

Als Husein sah, dass er niedergestreckt war, rief er aus : o mein Bruder! O 'Abbas ! o mein Herzblut I Er machte mit seinem Pferde einen Angriff gegen sie, trieb sie von ihm fort, stieg ab und hob ihn auf den Rücken seines Pferdes; er kehrte dann zu seinem Zelte zurück, legte ihn vor demselben nieder und weinte, sodass er alle, die um ihn versammelt waren, zum Weinen brachte, und er sprach: Gott lohne es dir, was du an mir als Bruder gethan hast, du hast für Gott einen wahren Kampf gekämpft. Dann wandte er sich an seine Begleiter und sagte: liebe Leute wisset, dass jenes Volk es auf keinen anderen abgesehen hat als auf mich ; sobald die Nacht euch deckt, geht unter ihrer Dunkelheit wohin ihr wollt. Sie erwiederten : o Sohn des Gottgesandten, mit was für einem Gesichte sollten wir vor deinem Grossvater Muhammed und vor deinem Vater 'Ali erscheinen? bei Gott! das wird niemals geschehen, wir wünschen vor deinen Augen zu sterben. Gott lohnte ihnen dies mit Wohlthaten und so verbrachte er die Nacht.

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