Der Tod des Husein ...

Der Tod des Husein ben Ali und die Rache

Ein historischer Roman aus dem Arabischen

Ferdinand Wüstenfeld

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Muslim ibn Akil wird vorgeschickt

Er ließ dann Muslim ben 'Akîl rufen] und schickte ihn ab mit Keis ben Mushir el-Çeidâni und 'Omara ben Abdallah el-Arhabi [B el-Sukuni]; er empfahl ihm Gottesfurcht, Geheimhaltung seines Auftrages und Milde gegen die Untertanen; und wenn du siehst, dass die Leute einig und zuverlässig sind, so gib mir bald darüber Nachricht. Muslim ben 'Akîl begab sich nach Medina, betete in der Moschee des Gottgesandten und nahm von seinen lieben Angehörigen Abschied ; er mietete zwei Wegweiser vom Stamme Keis und sie traten mit ihm die Reise an. Aber sie kannten den Weg doch nicht genau und verirrten sich; es überfiel sie ein heftiger Durst, sie waren nicht im Stande weiter zu gehen, standen endlich, dass sie nicht auf dem richtigen Wege seien, und nachdem sie noch angedeutet hatten, in welcher Richtung sich Wasser finden müsse, starben sie vor Durst. Muslim wurde mit seinen Begleitern und den Tieren gerettet und sie erreichten das Wasser, nachdem sie nahe daran waren umzukommen. Muslim schickte den Keis ben Mushir zurück an Husein mit einem Briefe, worin er schrieb; »Ich melde dir, о Sohn des Gottgesandten, dass ich an einen Ort im Gebirge gekommen bin, welcher der Engpass heißt; die beiden Wegweiser, welche ich gedungen hatte, haben den Weg verfehlt und sind vor Durst gestorben. Ich halte dies für eine ungünstige Vorbedeutung für meinen Auftrag, und wenn du mir ihn abnehmen und einen anderen schicken willst, so thue es. Lebe wohl!« — Als Husein diesen Brief erhielt und ihn erbrochen und gelesen hatte, schrieb er als Antwort : »[B Ich fürchte, dass zu dem Briefe, worin du um die Zurücknahme des dir erteilten Auftrages bittest, dich nur der Mangel an Muth veranlasst hat;] was die Vorbedeutung betrifft, von der du redest, so habe ich meinen Vater den Gottgesandten sagen hören: »keiner von uns bekommt eine schlechte Vorbedeutung, keiner legt etwas als solche aus;« wenn du diesen meinen Brief liest, so setze die Reise fort und führe den trag aus. Lebe wohl!« — Sobald der Brief Huseins in Muslims Hände kam und er ihn gelesen hatte, zog er sogleich weiter und kam an ein Wasser des Stammes Teij; hier gewahrte er einen Mann, der nach einem Reh schoss und es niederstreckte; da sprach er : so werden wir, wenn Gott will, unsere Feinde niederstrecken.

Er reiste dann, bis er Nachts nach Kufa kam, und stieg in der Wohnung des Muchtar ben Abu Obeid el-Thakefi ab; die Leute sammelten sich nach und nach um ihn, er las ihnen Huseins Brief vor und sie fingen an zu weinen und zu klagen. Da erhob sich 'Abis ben Abu Hubeijib el-Jaschkuri, lobte Gott und pries ihn, gedachte des Propheten und wandte sich darauf an Muslim mit den Worten: Ich weiß nicht, was für eine Herzensmeinung die Leute haben, aber von mir selber will ich dir versichern, wenn du mich rufst, so folge ich, wenn du mir befiehlst, so gehorche ich, und ich werde die Feinde mit meinem Schwert treffen, bis ich dafür zu Gott komme. Dann setzte er sich und Hubeijib ben Mudhâhir trat nach ihm auf und sprach: Gott erbarme sich deiner! du hast das Richtige getroffen, was Not tut; bei Gott! ich bin ganz deiner Meinung. Die Einwohner von Kufa kamen nun zu Muslim zu zehn, zwanzig, weniger oder mehr, und huldigten ihm, bis an jenem Tage von früh bis spät 80000 (B 18000) Männer gehuldigt hatten; er meldete dies an Husein und forderte ihn auf, eiligst zu kommen. — Als dies el-Nu'mân ben Baschir el-Ançâri zu Ohren kam, (er war von Mu'âwîja ben Abu Sufjan zum Statthalter von Kufa ernannt und von Jazid bestätigt,) bestieg er die Kanzel, lobte Gott und pries ihn, dachte des Propheten und sprach: Versammelte Männer! ich kämpfe gegen niemand, der mich nicht bekämpft, ich bin gegen niemand feindlich, der es nicht gegen mich ist, und ich greife niemand an, der mich nicht angreift, darum hütet euch vor Aufruhr, vor Abfall von dem Herrscher, vor Widerstand gegen euer Oberhaupt, denn wenn ich bei einem von euch so etwas bemerke, so werde ich ihm den Kopf schlagen, selbst wenn ich bei keinem Hilfe und Beistand fände; ich hoffe aber, dass deren, die das Recht anerkennen, mehr unter euch sein werden, als deren, die ihre Hände für das Unrecht erheben. — Da stand Abdallah ben Schu'ba el-Hadhrami auf und sprach: о Emir, diese Sache kann nur durch Zwang, Gewalt und Blutvergießen beigelegt werden, was du da sagst, ist die Rede der Schwächlinge. Dem entgegnete el-Nu'mân: ich will vor Gott lieber zu den Schwächlingen hören als zu den Ungerechten. Damit stieg er von der Kanzel herab und Abdallah el-Hadhrami verließ die Moschee und schrieb an Jazid einen Brief, worin er sagte: Von Abdallah ben Schu'ba an den Fürsten der Gläubigen Jazid ben Mu'âwîja. Muslim ben 'Akil ist nach Kufa gekommen und die Anhänger Huseins haben ihm gehuldigt; wenn Kufa noch einigen Werth für dich hat, so schicke einen starken Mann dahin, denn el-Nu'mân ist ein schwacher Mann und der Sache Huseins nicht gewachsen. Omar ben Sa'd ben Abu Wakkâç schrieb in gleichem Sinne, und als die Briefe bei Jazid ankamen, ließ er einen seiner gelassenen Namens Sar'gûn rufen und redete ihn an: Hast du schon erfahren, dass Husein seinen Vetter Muslim ben 'Akil nach 'Irak geschickt hat und die Einwohner von Kufa ihm gehuldigt haben? Über el-Nu'man ben Baschir ist mir gemeldet, dass er gegen sie zu schwach sei. Dann las er ihm die Briefe vor, welche er aus Kufa erhalten hatte, und fragte ihn um seinen Rath, wen er zum Statthalter von Kufa machen sollte; gegen Obeidallah ben Zijâd war er sehr eingenommen. Sargûn erwiderte: Wenn Mu'âwîja dir einen Rath gäbe, was würdest du thun? — Danach handeln, war die Antwort. — Da zog Sar'gûn ein Dekret hervor, wodurch Obeidallah ben Zijâd zum Statthalter von Kufa ernannt wurde, und sagte : dies war die Ansicht Mu'âwîja's an seinem Todestage, er hat mir die Ausfertigung aufgetragen. Jazid nahm diesen Rath an, gab el-Nu'mân seine Entlassung und vereinigte die beiden Städte Baçra und Kufa unter Ihn Zijâd, da er die erstere bereits unter sich hatte. Er schrieb ihm also : Meine Anhänger in Kufa berichten mir, dass Muslim ben 'Akil dahin gekommen sei, die Leute versammelt und ihnen den Huldigungseid für Husein abgenommen habe. Ich habe nun meinen Köcher geschüttelt, finde aber darin keinen Pfeil, mit welchem ich meinen Feind schneller erschießen könnte, als dich. Sobald du also diesen meinen Brief gelesen hast, so reise augenblicklich nach Kufa, lass von 'Ali ben Abu Tâlib keinen einzigen Spross am Leben, suche auf alle Weise Muslim in deine Gewalt zu bekommen, töte ihn und schicke mir seinen Kopf zu. Lebe wohl! •—

Dieser Befehl datierte vom 10. Dsul-Hi'g'ga des Jahres 60 der Hi'gra, in welchem Husein getötet wurde (Fußnote: Diese letzten Worte in В und ö sind unrichtig, da Husein erst im folgenden Jahre seinen Tod fand. ). — Er übergab diesen Brief an Muslim ben Omar el-Bahili und trug ihm auf, sich nach Bасга zu begeben und ihn dem Ibn Zijâd zu überbringen; dies geschah und als Ibn Zijâd das Schreiben gelesen hatte, traf er Anstalten, um nach Kufa abzureisen.

Während er damit beschäftigt war, kam ein Bote von Husein an mit einem Briefe an die Häuptlinge und Angesehenen von Baçra, worin er sie aufforderte ihm Hilfe zu leisten, dazu gehörten el-Ahnaf ben Keis el-Tamimi, Abdallah ben Ma'mar, el-Mundsir ben el-Gârûd, Mas'iid ben Amr el-Azdi, Omar ben Abdallah el-Kureschi, Keis ben el-Câsim ben Habâb und andere. Der in einer einzigen Zuschrift an alle richtete Brief lautete: Im Namen Gottes des barmherzigen, des erbarmenden! Von Husein ben 'Ali an seine Anhänger und Verbündeten unter den Einwohnern von Baçra. Gott hat Muhammed aus allen seinen Geschöpfen ausgewählt, ihn durch sein Prophetentum geehrt und mit seiner Sendung begnadigt, dann hat er ihn zu sich genommen, sein Segen und sein Friede sei mit ihm! Er hat die Verehrer Gottes mahnt und die Religion, womit er gesandt wurde, ist in allen Ländern verbreitet; sein Volk sind seine Heiligen und Frommen und seine kommen sind unter allen Menschen die würdigsten, um nach seinem Tode an seine Stelle zu treten. Nun hat uns eine Partei die Herrschaft übertragen und wir unterwerfen uns, wir haben unser Wohlgefallen an der Verabscheuung des Schlechten und der Beförderung des Wohls, und wir sind dieser Regierung würdiger als einer, welcher mit Unrecht zum Herrscher über uns gesetzt wird. Ich habe euch diesen meinen Brief geschickt und rufe euch zu dem Buche Gottes und zu der Lehre seines Propheten Muhammed und wenn ihr auf meine Stimme hört und meinem Befehle folgt, so werde ich euch den Weg des Rechtes führen. Friede sei mit euch und Gottes Erbarmen und sein Segen!

Unter den Angesehenen, denen der Brief vorgelesen war, befand sich nicht einer, welcher darüber nicht Stillschweigen beobachtete, außer el-Mundsir ben el-Gârûd, dessen Tochter mit Obeidallah ben Zijad ver- heiratet war, die Hochzeit hatte erst vor einiger Zeit stattgefunden und el-Mundsir gehörte zu den Anhängern des Jazid. Als er den Brief gelesen hatte, nahm er den Abgesandten Huseins fest und führte ihn in die Wohnung des Ihn Zijad, er hieß Dsarrâ' und war ein Bruder des Husein. Sobald Ihn Zijad den Brief gelesen hatte, befahl er dem Abgesandten den Kopf abzuschlagen und er wurde an dem Schatzhause in dem Quartier der Banu Sadûs aufgehängt. Dsarrâ' war der erste Abgeordnete, welcher im Islam umgebracht wurde.

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