II. el-Muttalib ben Asad ben Abd el-Uzza
1. el-Aswad ben el-Muttalib war es, welcher die
hochfahrenden Plane seines Vetters 'Othman ben el-Huweirith
(VI), sich mit Hulfe des Griechischen Kaisers zum Konige von
Mekka zu machen, vereitelte. Chron. von Mekka II. 143. IV. 55.
Er gehörte zu den Spottern, auf welche sich der Coranvers Sure
XV, 95 bezieht, und soll erblindet sein. Beidhdwi Comment. I.
pag. 507. In der Schlacht bei Badr hatte er zwei Sohne Zam'a
und 'Akil, und einen Enkel, den Sohn des ersteren, el-Harith
ben Zam'a, verloren, und er beklagte ihren Tod in einem
Gedichte. Ibn Hischdm pag. 461.
2. Zam'a ben el-Aswad war durch seine Freigebigkeit berühmt
und einer von den dreien, welche den Beinamen ,,Zad el-rakb,
Reisebedarf", erhielten, weil sie auf den Handelsreisen nach
Syrien für den Mundvorrath der ganzen Carawane sorgten. Hamasa
pag. 464. Camus ed. Cahir. II. 325. — Zam'a gehorte zu den
gemassigten Gegnern Muhammeds; er war mit na<jh Badr
ausgezogen und wurde dort von Thabit ben el-Gids' unter dem
Beistande von Harnza und 'AH getodtet; das gleiche Schicksal
hatte sein Sohn el-Harith ben Zam'a, welcher dem
gemeinschaftlichen Angriffe von Hamza und 'Ali erlag, und sein
Bruder Akil ben el-Aswad, welchen 'Ammar ben Jasir erlegte.
Ibn Hischam pag. 508. Zam'a war mit Muhammed verschwagert,
indem seine Frau Cureiba, die Tochter des Abu Omeija ben
el-Mugira el-Machzurm, eine Schwester der Umm Salima,
Muhammeds Frau, war. Er hatte von ihr zwei Sohne, Jazid und
Abdallah.
3. Jazid ben Zam'a stand in Mekka in hohem Ansehen; so oft
sich die Kureisch zu einer Berathung versammelten, uberliessen
sie ihm die Entscheidung, wenn er ein Unternehmen billigte, so
schwieg er still, wenn er es missbilligte, legte er sein Veto
ein. Er wandte sich aber Muhammed zu, nahm frühzeitig den
Islam an und war unter denen, die nach Habessinien
auswanderten. Nachdem er von dort nach der Einnahme von
Chaibar zuruckgekehrt war, nahm er an den Feldzugen Muhammeds
Theil und er fiel bei Hunein, da er sein storriges Pferd nicht
zugeln und sich desshalb nicht vertheidigen konnte, so dass er
getodtet wurde. Nach anderen blieb er schon in der Schlacht
bei el-Taif. Ibn el-Atfdr V. 110. Ibn Hischam vergl. Register.
Nawawi pag. 635.
4. Abdallah ben Zam'a, einer der angesehensten Kureischiten,
war fruhzeitig der Lehre Muhammeds beigetreten und versah das
Amt, Fremde bei ihm einzufuhren. Er wurde bei der Ermordung 'Othmans
an dessen Seite getodtet. Ibn el-Athlr III. 164. Dass seine
Frau Zeinab hiess, erfahren wir aus dem nachstfolgenden
Gedichte, worin sein Sohn Abu 'Obeida als Ibn Zeinab
bezeichnet wird. — Sein Sohn
5. Jazid ben Abdallah fiel in der Schlacht von el-Harra (Harra
Wakim) bei Medina im J. 63 durch Muslim ben 'Ocba el-Murri.
Ibn el-Athir III. 165.
6. Abu 'Obeida ben Abdallah wohnte auf den Besitzungen des
Abdallah ben Hasan ben Hasan ben 'Ali in Cafar (oder el-Dhafir),
einem der rothen Berge von Malal im Thale Farsch in der Nahe
von Medina, da seine Tochter Hind mit Abdallah verheirathet
war; sie hatte ihm zwei Sohne, Muhammed und Ibralnm, geboren.
Einst hatte der Statthalter von Medina Ibrahim ben Hischam
sein gleichfalls in der Nahe von Malal liegendes Landgut
besucht und bei der Ruckkehr sagte er zu seiner Begleitung:
wir wollen doch einmal bei Abu 'Obeida vorsprechen und ihn
uberraschen, um zu sehen, ob er geizig ist. Als sie nun
plotzlich ankamen, hiess sie Abu 'Obeida willkommen und lud
sie ein, bei ihm einzukehren, worauf Ibrahim entgegnete: wenn
es nicht zulange dauert, sonst will ich mich nicht aufhalten.
—• Wenn du mit dem vorlieb nehmen willst, was ich dir und
deinem Gefolge in der Eile vorsetzen kann; ich will aber
gleich noch mehr schlachten lassen. — Nicht doch! erwiederte
Ibrahim und wollte schon umkehren, aber Abu 'Obeida
wiederholte: verweile nur einen Augenblick, — und da wurden
bereits siebzig Behalter mit Hammelskopfen und eine Menge
anderer in der Eile zubereiteter Speisen aufgetragen und er
fing an noch mehr zu schlachten. Voll Verwunderung sagte
Ibrahim: ihr seht, er muss doch in einer Nacht so viel Schafe,
als dies Kopfe sind, geschlachtet haben. — Der Dichter
Muhammed ben Baschir el-Chari'gl lebte als bestandiger Gast
bei Abu 'Obeida und hatte von ihm Winter und Sommer fur sich
und seine ganze Familie seinen Unterhalt. Als nun Abu 'Obeida
starb und seine Tochter Hind in heftige Wehklagen ausbrach,
ging ihr Mann Abdallah zu Muhammed ben Baschir um ihn
herbeizuholen, dass er sie durch seine Zusprache troste; der
Tod musste wohl erwartet sein, denn Muhammed sagte: ich habe
schon etwas ausgedacht; und indem er zu Hind eintrat,
recitirte er folgendes Klagelied: O du, der du fruh Morgens
die Nachricht vom Tode des Ibn Zeinab bringst, du verkundest
den Tod eines Mannes, der den Kreislauf des Schicksals
erfahren hat. Ich sprach zu ihm, wahrend meine Thranen
(flossen) gleich wie Perlen, die von ihrem Faden herabrollen:
Wahrhaftig! nun ist es vorbei mit der gastlichen Bewirthung
innerhalb Farsch, sobald das Grab dich bedeckt hat. Wenn sie
fruh kommen, rufen sie nur noch deinem Leichnam zu, der rings
von Steinplatten umgeben ist, wahrend der leichte Sand vom
Winde bewegt wird. Am Abend rufen sie dem Abgeschiedenen nach,
bis die seufzenden Athemzuge der Brust aufhoren. Steh' auf!
schlag deine Augen, o Hind! du siehst einen Vater wie ihn
nicht mehr, dem solche Ehre erzeigt wurde. Du konntest, wenn
du um die Ehre streiten wolltest, einen Vater loben, der eine
Zierde war, wie die Armspangen die beiden Hande zieren. Wenn
du ihn jetzt beklagst, wirst du durch die Klage uber ihn
deinen Schmerz lindern, oder von anderen nachsichtig
beurtheilt werden. Lange Nachte werden dich in Trauer lassen
und voruber sind jetzt in el-Earsch die nur zu kurzen
Freudennachte. So moge er dich einen Gott finden lassen, der
aus Erbarmen die Sunde vergiebt, wenn am Tage der Rechenschaft
die Geheimnisse untersucht werden. Wohl wissen die Leute, dass
seine Tochter wahrhaftig sind, wenn sie klagend ihn loben,
oder dass sie noch zu wenig sagen. Wenn der Sohn 1) des
„Reisebedarfs" Abends nicht heimkehrt nach Kafa-Cafar, wird
kein Besucher mehr sich el-Farsch nahern 2). Als er geendigt
hatte, fingen Hind und ihre Dienerinnen nur noch mehr an zu
klagen und Muhammed selbst musste mit ihnen weinen; da sprach
Abdallah zu ihm: habe ich dich deshalb gerufen? er erwiederte:
glaubst du, dass ich sie uber den Verlust des Abu 'Obeida
trosten konnte? bei Gott! mich wird Niemand uber ihn
beruhigen, ich weiss mich selbst nicht zu trosten, wie sollte
einer sie beruhigen, der sich selbst nicht beruhigen kann.
1) richtiger: der Enkel.
2) Nach den verschiedenen Recensionen, die sich einander
erganzen, scheint mir dies die passendste Reihenfolge der
Verse zu sein. Agani XIV. 157. Beiert pag. 534. Jacut III.
875. Ilamdsa pag. 464. Die fruheren Ubersetzer de Sacy,
Freytag, BucJcert, welche nicht erkannten, dass hier Ortsnamen
vorkommen, haben einen sehr geschraubten Sinn herausgebracht.
7. Zu den Nachkommen des Abdallah ben Zam'a gehort
Abul-Bachtari Wahb ben Wahb ben Wahb ben Kathir ben Abdallah.
Seine Mutter 'Obda bint 'AH ben Jazid ben Rukana hatte sich
nach dem Tode seines Vaters wieder verheirathet mit Ga'far
el-Cadic (gest. im J. 148), wodurch der junge Abul-Bachtari
mit diesem in nahere Verbindung gekommen war, so dass er von
ihm, ebenso wie von Hischam ben 'Orwa (VII, 64) und anderen,
manche Uberlieferung von Muhammed horte, welche er wieder
weiter erzahlte. Indess wird seine Autoritat in diesem Stucke
nicht sehr hoch gehalten, da man ihm schuld giebt, er habe
Traditionen selbst erfunden oder entstellt. Er kam von Medina
nach Bagdad zur Zeit des Cbalifen Harun el-Raschid , welcher
ihn nach dem Tode des Cadhi Abu Jusuf Ja'cub ben Ibrahim
el-Hanefi im J. 182 zum Cadhi des westlichen Stadttheiles von
Bagdad, 'Askar el-Mahdi, ernannte. Spater wurde er von diesem
Posten wieder enthoben und Harun schickte ihn an die Stelle
des Cadhi Bakkar ben Abdallah (VII, 43) nach Medina, wo er das
Justiz- und Kriegs-Departement verwaltete, und als er hier
wieder entlassen wurde, kehrte er nach Bagdad zuruck und starb
dort im J. 200. Seine historischen und genealogischen
Schriften sind von den spateren sehr hoch geschatzt und viel
benutzt. Ibn Coteiba pag. 258. Ibn Challikan vit. No. 796.
8. Habbar ben el-Aswad war ein heftiger Gegner Muhammeds.
Abul-'Aci ben el-Rabf, der Schwiegersohn Muhammeds, war bei
Badr, wo er gegen ihn focht, gefangen genommen und nach Medina
gebracht; Muhammed stellte fur seine Freilassung die
Bedingung, dass er sich von seiner Frau Zeinab scheiden und
fur ihre ungehinderte Abreise von Mekka sorgen solle und ihr
Schwager Kinana ben el-Rabf Hess sich bereit finden, sie nach
Medina zu begleiten. Als einige Manner ihre Abreise von Mekka
erfuhren, waren sie daruber sehr aufgebracht, sie eilten ihnen
nach und Habbar war der erste, der sie bei l)su Tawan
einholte, und er versetzte der Zeinab einen so derben Schlag
mit der Lanze, dass sie auf der Stelle eine Fehlgeburt hatte.
Desshalb sprach Muhammed gegen ihn den Fluch aus, dass er
seinen Sohn verlieren und erblinden mochte, was auch erfolgt
sein soll. Ibn Doreid pag. 59. Wenn dies nicht eine
Verwechselung mit seinem Vater ist, so kann dies Schicksal ihn
erst in spateren Jahren betroffen haben, denn wir finden ihn
noch bei der Einnahme von Mekka unter den Proscribirten,
indess wurde er begnadigt und er bekehrte sich zum Islam,
worauf ihm Muhammed die Zeinab als Frau wiedergab. — Auf der
Hochzeit seiner nicht mit Namen genannten Tochter nahm Habbur
eine Pfanne und einen Kessel und schlug darauf wie auf Pauken,
und als Muhammed den Larm horte und den Grund davon erfuhr,
sagte er: das ist eine ordentliche Verheirathung, keine
Buhlerwirthschaft. So erzahlte es sein Sohn Abdallah ben
Habbar, wie er es von seinem Vater gehort hatte. Ibn Hischam
pag. 467. Nawawl pag. 604. Ibn rt-Athtr V. 53.
9. Die Schwester des Habbar, Fachita bint el-Aswad, war mit
Omeija ben Chalaf verheirathet; da sie sich zu dem Theile
ihrer Familie hielt, welcher Muhammed anerkannte, wahrend
Omeija einer der entschiedensten Gegner desselben war, so war
dies Grund genug, dass sie sich von ihm trennte und sie
heirathete ihren Stiefsohn Qafwan ben Omeija. Ibn el-AtMr V.
515. Ibn Hagar IV. 718.
10. Abu Hubeisch Keis ben el-Aswad hatte eine Tochter,
Fatima bint Abu Hubeisch, welche in den Traditionswerken
erwahnt wird, indem sie an Muhammed eine ihren Zustand
betreffende Frage in Bezug auf das Gebet richtete, die er
beantwortete. Bokhari par Krehl I. 89. Nawawi pag. 852. Ibn
el-AtMr V. 518. Ibn Hagar IV. 733.