Familie el-Zubeir

Die Familie el-Zubeir

Aus dem Arabischen übertragen von Ferdinand Wüstenfeld

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el-Zubeirs Ehefrauen

Von den bekannten sechs Frauen des Zubeir: Asma, 'Atika, Ama, el-Rabab, Zeinab und Umm Kulthum, uberlebten ihn sicher die beiden zuerst genannten, es wird aber nicht erwahnt, welche von den drei nachsten vor ihm gestorben war und an seiner Erbschaft nicht theilnahm; von der letzten hatte er sich geschieden.

Asma war eine Tochter des Abu Bekr, 27 Jahre vor der Flucht geboren und zehn Jahre alter als ihre Schwester Alscha, die Frau Muhammeds; sie wird als die siebzehnte Person gezahlt, welche sich zu Muhammeds Lehre bekannte, und verheirathete sich mit el-Zubeir nach dessen Ruckkehr aus Habessinien, begleitete ihn aber nicht gleich nach Medina, sondern blieb noch einige Zeit in Mekka 1). Als Muhammed sich mit ihrem Vater auf die Flucht begeben wollte, besorgte sie noch einige Mundvorrathe und steckte sie in eine Tasche, und da sie nichts zum Zubinden hatte, riss sie ihren Gurtel mitten durch, band mit der einen Halfte die Tasche zu und mit der andern umgurtete sie sich wieder; davon erhielt sie von Muhammed den Beinamen „Besitzerin zweier Gurtel". Sie folgte ihnen bald nach und gebar in Cuba, dem Vorort von Medina, den Abdallah als den ersten Knaben von Muslimischen Eltern nach der Flucht. Ausser diesem hatte el-Zubeir von ihr noch vier Sohne: 'Orwa, 'Acim, el-Mundsir und el-Muha'gir und drei Tochter: Chadi'ga, Umm Hassan und 'Aischa. Asma hatte eine Vorliebe fur ihren Erstgeborenen Abdallah und begleitete sogar ihn, nicht ihren Mann, auf dem Feldzuge nach Syrien in die Schlacht am Jarmuk, als Abdallah erst dreizehn Jahre alt war. Der Vater wurde daruber eifersuchtig, als er aber einmal seinen Sohn zur Rede stellte, antwortete dieser: Ein Mann wie ich setzt nicht die Ehre seiner Mutter aufs Spiel. Indess entstand daraus ein gespanntes Verhaltniss. Einstmals als el-Zubeir mit ihr einen Zank hatte und sie misshandelte, rief sie nach ihrem Sohne Abdallah um Hulfe; der Vater rief ihm entgegen: Deine Mutter ist Verstossen, wenn du hereinkommst; allein Abdallah entgegnete: so? durch einen solchen Schwur willst du mich hindern meiner Mutter beizustehen? Er drang hinein, und machte sie von ihm los, worauf sie sich von ihm trenne und ganz bei Abdallah lebte; sie war damals schon bei Jahren, Sie war sehr wohlthatig und verschenkte alles, was sie besass, an Arme und zu guten Zwecken, wahrend ihre Schwester A'ischa geizig alles zusammen scharrte. — Ihre letzte Unterredung mit ihrem Sohne bei der Belagerung von Mekka ist bekannt, Chroniken v. Mekka IV. §. 143, und diese sowie ihre nachherige Begegnung mit Ha'gga'g beweisen ihren grossen Verstand, ihren festen Glauben und ihre Standhaftigkeit und Kraft im Ertragen des Unglücks. Sie starb Hundert Jahre alt im Besitz aller geistigen Krafte im J. 73, wenige Tage nachdem von Abd el-Malik der Befehl eingetroffen war, Abdallah von dem Kreuze, an das man ihn geschlagen hatte, wieder abzunehmen, Ibn Coteiba pag. 113. Nawawi pag 822. Ibn el-Athir V. 393.

'Atika, eine Tochter des Zeid ben Amr ben Nufeil, war noch sehr jung der neuen Lehre beigetreten und gehorte zu den nach Medina Gefluchteten, wo sie sich mit Abdallah ben Abu Bekr verheirathete, demselben, welcher Muhammed und Abu Bekr bei ihrer Flucht aus Mekka in der Hohle bedient hatte. Sie war eine schone, stattliche Frau, die ihr Mann sehr lieb hatte, und sie wusste ihn so zu fesseln, dass er nicht nur an den ersten Feldzugen Muhammeds nicht Theil nahm, sondern sogar ofter das Gebet versaumte. Sein Vater Abu Bekr verlangte desshalb, dass er sich von ihr scheiden solle, wozu er aber nicht geneigt war, und erst, als jener ernstlich darauf bestand, entliess er sie. Eines Tages horte ihn sein Vater in Versen sagen: O 'Atika! dich werde ich nicht vergessen, so lange die Sonne glanzt und so lange noch eine geringelte Turteltaube seufzt. O 'Atika! mein Herz ist alle Tage und Nachte mit dem, was die Seele angstigt, zu dir in Sehnsucht hingezogen. Nie sah ich einen meinesgleichen, der eine ihresgleichen verstiess, nie eine ihresgleichen, die schuldlos Verstossen wurde. Sie hat eine mächtige Begabung, Einsicht und Würde, und eine richtige und aufrichtige Haltung mit Anstand.

I)a hatte sein Vater Mitleid mit ihm und gestattete ihm sie wieder zu sich zu nehmen. Hiernach machte er den Feldzug nach el-Taif mit, wo er durch einen Pfeil, welchen Abu Mih'gan el-Thakefi abgeschossen hatte, verwundet wurde; zwar wurde die Wunde geheilt und vernarbte, A aber er siechte hin und starb wahrend des Chalifats seines Vaters. 'Atika dichtete ihm eine Todtenklage:

Ich habe den besten der Menschen verloren nach ihrem Propheten und nach Abu Bekr, und er war nicht lassig. Nun schwore ich, dass mein Auge nicht aufhören wird zu trauern uber dich und dass nie meine Haut aufhoren wird bestaubt zu sein. Verwundert sahen die Augen einen Mann wie ihn voll Kampflust, bestens schützend in der Schlacht und mit grosster Statthaftigkeit. Wenn die Lanzenspitzen gegen ihn gerichtet wurden, sturzte er sich ihnen entgegen in den Tod, bis er die Lanze blutigroth verliess.

Dann heirathete sie Zeid ben el-Chattab, oder er heirathete sie nicht, weil er in dem Kampfe gegen die Abtrunnigen in el-Jemama blieb, und sein Bruder Omar ben el-Chattab nahm sie im J. 12 zur Frau. Als er das Hochzeitsmahl zubereitet hatte, lud er mehrere dazu ein, unter anderen auch 'AH ben Abu Talib; dieser bat um Erlaubniss mit 'Atika reden zu dürfen und Omar sagte: ich bin nicht eifersuchtig, thu es! Er stellte sich also an die Thur und fragte sie: Wie steht es nun mit deinem Gelübde, als du sprachest:

Nun schwore ich, dass mein Auge nicht aufhören wird zu trauern uber dich — Da fing sie an zu weinen und Omar sprach: dazu habe ich dich nicht eingeladen, o Abul-Hasan! so machen es die Weiber alle. Aber 'Ali erwiederte mit dem Koranspruch Sure LXI, 2. 3: „O ihr, die ihr glaubet! warum versprechet ihr, was ihr nicht haltet? Es ist sehr verhasst bei Gott, dass ihr versprechet, was ihr nicht haltet." — Als Omar ermordet wurde, sprach 'Atika in einer Todtenklage: O mein Auge, lass die Thranen fliessen, und o Jammer, bleibe nicht zuruck, über den edlen Imam! Sag denen, die im Kriege und gegen Unglück kampfen: sterbet! ihm hat bereits das Schicksal den Becher des Todes zu trinken gegeben. Hiernach heirathete sie el-Zubeir. Sie pflegte immer dem Freitags-Gebet in der Moschee beizuwohnen und schon als Omar um sie warb, hatte sie die Bedingung gemacht, dass er sie nicht am Besuch der Moschee hindere und ihr desshalb nichts zu Leide thue, und er hatte ihr dies, wiewohl ungern, zugestanden. Mit Zubeir machte sie es ebenso und auch er musste sich dazu verstehen. Sie wollte nun auch zum letzten Abendgebet in die Moschee gehen, das war ihm doch etwas zu unangenehm , indess hinderte er sie nicht daran. Als ihm nun aber die Geduld riss, ging auch er zum Abendgebet, kam ihr zuvor und lauerte ihr am Wege auf, an einer Stelle, wo sie ihn nicht sehen konnte, und als sie vorüberkam, schlug er sie auf den Rucken, da lief sie eiligst davon und ging nachdem nie wieder aus. Seinen Tod durch 'Amt ben Gurmuz beklagte sie in folgenden Versen: Treulos verfuhr Ibn Gurmuz gegen einen Corpsfuhrer zu Boss, der nie flüchtig war, als er ihn antraf. O 'Amr! hattest du ihn vorher aufgeweckt, du wurdest gefunden haben, dass er nicht unbeständig weder im Herzen noch mit der Hand zitterte. Wie vielen Schaaren hat er sich entgegen geworfen, von denen ihn deine Lanze nicht abwendig gemacht hatte, du Sandpilz ! Kinderlos werde an dir deine Mutter, wenn du einen seinesgleichen der vorübergeht, besiegen willst, sei es heute oder morgen! Bei Gott, deinem. Herrn! da du einen Muslim getodtet hast, komme uber dich die Strafe eines vorsetzlichen Morders.

Zuletzt warb noch 'Ali ben Abu Talib um 'Atika's Hand, sie sagte aber: o Furst der Glaubigen! du bist der Herr der Muslimen und musst dich für die Menschen erhalten; alle Männer, die ich gehabt habe, sind gestorben und ich mochte dich vor dem Tode bewahrt sehen. Damit lehnte sie eine Verbindung mit ihm ab. Ibn el-Athir V. 497. Ibn Hagar IV. 685. Hamasa pag. 493.

Ama, eine Tochter des Chalid ben Sa'id und der Omeima bint Chalaf, wurde in Habessinien, wohin ihre Eltern gefluchtet waren, geboren; Zubeir hatte von ihr zwei Sohne: Chalid und 'Amr. Ibn Hischam pag. 210. Sie wird ofter nach ihrem Sohne mit dem Vornamen Umm Chalid genannt. Ibn el-Athir V. 401. 579. Ibn Hagar IV. 452. 863.

Zeinab bint Bischr ben Abd 'Amr ben Keis ben Tha'laba vom Stamme Bekr ben Wall, war die Mutter des Ga'far ben el-Zubeir. Agani XIII. 104.

Umm Kulthum, die Tochter des 'Ocba ben Abu Mu'eit und der Arwa bint Kureiz ben Zama'a, hatte sich früh zu Muhammeds Lehre bekannt, war aber nach dessen Flucht in Mekka geblieben, bis sie zur Zeit der Friedensunterhandlungen zwischen Muhammed und den Mekkanern bei el-Hudeibia am Ende des J. 6 ganz allein Mekka verliess; sie traf einen Mann vom Stamme Chuzaa, der sie begleitete, so dass sie beim Abschluss des Waffenstillstandes glucklich nach Medina kam. Da eine Bedingung desselben die war, dass wahrend seiner Dauer keiner ohne Zustimmung der Angehörigen von der einen Partei zur anderen ubergehen solle, so begaben sich ihre beiden Bruder 'Omara und el-Walid nach Medina, um sie von Muhammed zuruckzufordern; er verweigerte dies durch den Koranvers Sure LX. 10. Ibn Hischam pag. 754. Sie verheirathete sich mit Zeid ben Haritha und nachdem dieser im J. 8 bei Muta gefallen war, nahm sie el-Zubeir zur Frau. Er war gegen sie sehr hart und sie wünschte von ihm wieder geschieden zu sein, was er nicht zugeben wollte. Als er einst sich wusch, um das Gebet zu verrichten, bat sie wieder sehr dringend, und ohne es zu wollen, stieß er im Arger das Scheidungswort aus, worauf sie ihn sogleich verließ und zu ihrer Familie ging. Hier kam sie alsbald mit einer Tochter nieder, die sie Zeinab nannte; ein Verwandter brachte Zubeir die Nachricht und dieser rief aus: sie hat mich uberlistet, moge Gott sie uberlisten! Er beklagte sich bei Muhammed, welcher ihm erwiderte: über sie ist schon ein Ausspruch Gottes erschienen , bewirb dich wieder um sie. Er entgegnete : Dann wird sie nie zuruckkehren. — Sie verheirathete sich hierauf mit Abd el-Rahman ben 'Auf, dem sie ausser andern Kindern den Humeid und Ibrahim gebar und nach dessen Tode nahm sie 'Amr A ben el-Aci zur Frau, sie starb aber schon nach einem Monate. Nawawi pag. 866. Ihn el-Athir V. 614. Ihn Hagar IV. 615. 952.

el-Rabab war eine Tochter des Oneif ben 'Obeid vom Stamme Kalb, von ihr hatte Zubeir zwei Sohne Hamza und Muc'ab und eine Tochter Ramla. Agani XVI. 88. Ibn Sa'd.

1) Es wird zwar nirgends ausdrücklich gesagt, dass die Verheirathung noch in Mekka erfolgt sei, es wurde dies aher eine richtige Folgerung sein, wenn die Nachricht gegrundet ware, dass Asma schwanger war, als sie sich auf die Flucht begab. Naivawi pag. 823. Ibn el-Athir V. 292. Dem widerspricht indess die glaubwurdige Uberlieferung, dass Abdallah erst zwanzig Monate nach der Flucht geboren wurde, wodurch das Gespott der Nichtbekehrten, dass die Frauen der Muslim unfruchtbar seien, ein Ende nahm.

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