Die Moderne Theologie

Die Moderne Theologie

Ayatollah Dschawadi-Amuli

Inhaltsverzeichnis

Die Namensgebung der Spekulativen Theologie Kalam

Für die Namensgebung dieser Wissenschaft (Kalam) gibt es fünf Annahmen:

1. Da die wichtigste oder erste Frage, mit der sich die Theologen (mutakallimun) befasten, die Frage war, ob das Wort Gottes (Kalam Allah) erschaffen (hadit) oder ewig (qadim) sei, nannte man diese Wissenschaft "Kalam".

2. Da man die Überschriften der verschiedenen Kapitel immer mit dem Satz "ein Wort über..." (Kalamun fî kadha) versah, wurde die damit verbundene Wissenschaft ebenfalls Kalam genannt.

3. Da die spekulative Theologie (kalam) die Fähigkeit zum Disput/Wortgefecht, zu Meinungsaustausch und zur Diskussion impliziert, wurde sie die "Wissenschaft des Wortes" (Kalam) genannt.

4. Ein weiterer Grund für diese Namensgebung ist, dass eine ihrer Disziplinen darin besteht, Meinungen und Thesen der Gegner ständig zu diskutieren und zu widerlegen.

5. Da gesagt wurde "dies ist die Rede/das Wort", nannte man die Wissenschaft Kalam, denn die Vertreter dieser Wissenschaft waren der Meinung, dass die Traditionswissenschaften (naqliyat) und die gottesdienstlichen Handlungen (taabudiyat) gegenüber den rationalistischen Wissenschaften (naqliyat) nichts sind? und also nicht als "Wort" bezeichnet werden können.

Wie auch immer, diese Wissenschaft wurde Kalam genannt. Einen Teil dieser Erörterungen finden Sie im "Muwafiq" des Qadhi Add Ighi und im Kommentar des Mir Sayyid Narif zum Muwafiq. Über die Frage, was die spekulative Theologie (Kalam) sei, sagt er: "Der Gegenstand dieser Wissenschaft ist die Frage wodurch ist das Existierende existent?".

Um die spekulative Theologie Kalam von der Philosophie und der Theologie ilahiyàt (ilàhiyàt bezeichnet im Islam eher die dogmatische oder Fundamental-Theologie, wobei obligatorische Glaubensinhalte vorausgesetzt und nicht mehr diskutiert werden. Kalam ist eine spekulative Theologie, in der Glaubensinhalte auf spekulativem Wege durch Dispute oder “Wortgefechte” ermittelt werden. Hier spielen auch die Logik und die Philosophie eine Rolle.) unterscheiden zu können, wird Kalam mit dem Satz "über das Gesetz des Islam" eingeschränkt. Wenn eine Diskussion also frei ist, fallt sie in den Bereich der Philosophie, wenn sie sich in den Grenzen des Islam abspielt, nennt man sie Kalam.

Die Aschariten vertreten eine spekulative Theologie, aus der das Denken des absoluten Determinismus resultiert (dschabr). Sie sagen, dass dies dem Gesetz des Islam entspricht.

Die Mutaziliten vertreten das Denken der völligen Willensfreiheit (tafwid) und des "Sich-Uberlassen-Seins", dessen Gefahr weit größer ist als die der absoluten Vorherbestimmung. Auch sie sind der Meinung, dass ihre Theorie dem Gesetz des Islam entspricht. Sie haben theologische Argumente, die sie Versen wie "und der Barmherzige lehnte sich auf seinem Thron zurück" (Ta Hà, 5), "die Hand Gottes" (Nahl, 1), "der Befehl Gottes kam" (Maida, 64 und Yusuf, 40 & 67) und ähnlichen entnehmen. Auf der Basis dieser Verse nehmen sie die Körperlichkeit Gottes (tadschsim) an und behaupten, dies entspräche dem Gesetz des Islam. Noch reizvoller als alle anderen vertreten die Chawaridsch eine spekulative Theologie (Kalam) auf der Grundlage des Verses "Wahrlich, die Macht gebührt nur Gott" (Anàm 57, Yusuf 40 & 67). Mit dieser Parole stellten sie sich Ali entgegen und gingen davon aus, dass dies das Gesetz des Islam sei. Eine Philosophie, die besagt :"weder absolute Vorhersehung, noch absolute Willensfreiheit, sondern etwas zwischen beiden." haben sie aufgegeben. Nach diesen Entwicklungen sahen Philosophen wie Farabi und besonders Scheich ar-Rais Abu Ali Sina, der einer der großen Philosophen der Imamiya ist, ein, dass, wenn sie behaupten, "dies entspricht dem Gesetz des Islam", es nicht klar ist, ob die Vorbestimmung Gesetz des Islam ist oder Willensfreiheit bzw. Hurudsch. Es wird daraus nicht klar, was denn Gesetz des Islam ist. Gegenüber diesem Zweifel einigten sie sich, dass der Maßstab dafür, ob etwas mit dem Islam übereinstimmt oder nicht, keine Behauptungen sondern reelle Tatsachen sein müssen. Jetzt tut sich jedoch die Frage auf, ob diese "reellen Tatsachen" eines Beweises bedürfen oder nicht. Wenn sie nicht beweisbar sind, dann stellt jeder doch wieder nur Behauptungen auf. Wenn sie beweisbar sind, welchen Maßstab setzt man bei dieser Beweisführung an? Wie auch immer, diese Meinung setzte sich bis zur Zeit des Muhaqqiq Lahidschi, dem Autoren des "Schawariq" durch, der eines der wichtigsten schiitischen theologischen Bücher verfasste. Er schreibt in der Einleitung des Schawariq: "Als die Philosophie die islamische Welt erreichte, ließen die Aschariten philosophische Inhalte in die spekulative Theologie einfliesen, um andere widerlegen zu können. Die Mutaziliten bedienten sich der Philosophie in der Theologie, um ihre Thesen zu bekräftigen. Die Auseinandersetzung mit der Philosophie begann in Wirklichkeit nicht bei der Mutazila , sondern bei der Aschariya.

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