Divan der persischen Poesie
Divan der persischen Poesie

Blütenlese aus der persischen Poesie, mit einer litterarhistorischen Einleitung, biographischen Notizen und erläuternden Anmerkungen.

Herausgegeben von Julius Hart.

1887 n.Chr.

Inhaltsverzeichnis

Divan der persischen Poesie

Dschami

Aus »Jussuf und Suleicha«.

Der von den persischen Dichtern mehrfach behandelte Stoff dieses Gedichtes lehnt sich an den Koran und damit indirekt an die Bibel an und behandelt die bekannte Sage von Jakobs Sohn Joseph und der Frau Potiphars. Doch hat bei den Muhammedanern die Legende vielfache Erweiterung und Vertiefung erfahren und endet mit der glücklichen Vereinigung der Liebenden; die Charakterentwickelung Suleichas von sinnlicher irdischer zu rein geistiger himmlischer Liebe ist voll und ganz im Geiste der persischen Mystik gedacht. Das Dschami'sche Epos beginnt, wie hergebracht, mit dem Lobe Gottes, des Propheten und dem Preise des Sultans; wir teilen die ersten Verse der Einleitung mit.

Die Rosenblüt', im süßen Sehnen,
Laß sie, o Gott, entfalten sich,
Und aus dem Hain, dem ewigschönen
Beglück' mit einer Rose mich!

Mein Garten sei ein holdes Lächeln,
Das er der Rosenknospe nahm;
Der Rose Duft soll mich umfächeln,
Und schützen mich vor Geistesgram.

In dem Seraï bittrer Leiden
Laß deine Gnade mich verstehn;
An dir nur soll mein Geist sich weiden,
Mein Mund soll preisend zu dir flehn.

Laß mir mein Licht aus Dunkel strahlen,
Zu siegen auf des Wortkampfs Platz;
Mach' meinen Mund zu Wageschalen
Von meines Herzens Perlenschatz.

Mein Herz durchström' gleich Moschusdüften
Von Qâf zu Qâfe rings die Welt,
Es schweb', wie Ambra in den Lüften,
Des Dichters Geist am Himmelszelt.

Noch kennt man nur des Buches Namen
In dieses Märchenweines Haus;
Nie fand ich es, denn die da kamen,
Die Gäste, gingen nach dem Schmaus.

Sie ließen nur die leeren Becher,
Doch niemals fand ich solchen Wein
Bei irgend einem jener Zecher –
Drum Dschâmî, sei's wie's sei, schenk' ein!

Wollheim.

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