Divan der persischen Poesie
Divan der persischen Poesie

Blütenlese aus der persischen Poesie, mit einer litterarhistorischen Einleitung, biographischen Notizen und erläuternden Anmerkungen.

Herausgegeben von Julius Hart.

1887 n.Chr.

Inhaltsverzeichnis

Divan der persischen Poesie

Hussein Uli Mirza.

Aus »Alkoran der Liebe.«

Buch des Sieges

11.

Sie ruhte so sanft, sie ruhte so süß,
Der Frieden des Himmels lag über ihr.
Sie träumte wohl hold vom Paradies,
Vielleicht auch träumte sie hold von mir.

Die zarten Lippen, sich öffnend flink,
Wie Knospen sich offnen im Rosenkranz,
Fromm lächelten sie, als wäre der Ring
Des Mundes gefaßt in Himmelsglanz.

Nun bebten die Lippen, als sprächen sie leis
Anmutige Worte voll Huld und Zier;
Ich rief: Nichts hör' ich, aber ich weiß,
Sie redet mit Allah – oder mit mir!

12.

Ich sprach: Gazellchen, hüte dich!
Der Jäger naht, ich bin es, ich.
Bereitet ist von mir der Pfeil,
Er trifft dein armes Herz in Eil.

Sie sprach: ei, Jäger, komm herzu!
Denn, weß ich harre, du bist's, du.
Versende nur den Pfeil mit Lust,
Darbiet' ich selbst dir meine Brust.

13.

Sie zu versuchen recht mit Fleiß,
Sprach ich: Fatme, mein Haar wird weiß
Ich fühl' es, ach, mein Herz ist Eis,
Bald schließt sich meiner Liebe Kreis –
Da rief sie: Nein, du bist kein Greis!

In wessen Brust quillt Poesie,
Weß Geist durchschwillet Harmonie,
Weß Seele erfüllet Melodie,
Der bleibt stets jung, der altert nie,
Zu dem sagt Liebe nicht: ich flieh'.

14.

Ich stund an Hafis' Hügel
Mit Fatmen Hand in Hand,
Es trug der Sehnsucht Flügel
Mich in der Lieder Land.
Welch Klingen um mich und Singen,
Welch zauberisch Blütenspringen,
Wie war mein Geist gebannt!
Aus dem Lianenmoose
Drang Nachtigallgekose
Flötend und liebessüß.
Fatme brach eine Rose
Und sprach mit Lächeln dies:
Hussein, laß dich beschenken!
Zu seinem Angedenken
Sandt' aus dem Paradies
Dir diese Ros' Hafis.

Julius Altmann.

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