Faszination Frau

Faszination
Frau im Islam

 Fatima Özoguz und Mihriban Özoguz

Wir berühren nicht jeden

Die bereits beschriebenen Mahram-Regeln betreffen nicht nur den Hidschab und das Ansehen bzw. Sich-Zeigen. Auch berührt eine Muslima keinen Nicht-Mahram. Das fällt natürlich in einer europäischen Gesellschaft besonders ins Auge, wenn uns jemand freundlich die Hand reicht und wir mit höflicher Bestimmtheit die Handreichung nicht erwidern und in der Kürze der Zeit versuchen zu erläutern, dass es keine Ablehnung des Gegenüber ist. Es hat auch nichts damit zu tun, ob das Gegenüber ein Muslim ist oder nicht. Es hat mit der ganz natürlichen “Affinität“ von Mann und Frau zu tun, dessen Grenze wir religiös bedingt so setzen, dass wir außer unserem eigenen Ehemann und den Mahram-Verwandten keinen Mann berühren. Dabei fällt uns immer wieder der deutsche Schlager ein: „Tausend Mal berührt, tausend mal ist nichts passiert ...“ . Sicherlich wird doch durch die einfache Begrüßung per Handschlag nichts “passieren“. Auch muslimische Männer sind – entgegen der Vorstellung vieler – keine Monster, die jede Frau überfallen würden, die ihnen die Hand reicht. Aber der Islam geht in der Beziehung Mann-Frau einen realistischen Weg, welcher der gegenseitigen Anziehungskraft einen Riegel vorschiebt, da jene Anziehungskraft innerhalb der Gesellschaft ohne geregelte Bahnen schädlich ist. Fängt nicht jede Beziehung auch hier früher oder später mit der ersten “Berührung“ an, und sei es nur das Handgeben?

Wir stehen in jeder Form zu unserer Weiblichkeit und bekennen uns auch zu den Unterschieden der Geschlechter. Wir erkennen, dass der Mann durchaus mehr visuell orientiert ist und die Frau durchaus mehr auf Berührungen reagiert. All diese Erkenntnisse und noch viel mehr spiegeln sich in den Regeln für Mann und Frau im Islam wieder, und dafür sind wir dankbar.

Es sei ergänzend erwähnt, dass auch orthodoxe Juden das andere Geschlecht nicht berühren. Man kann sich doch auch vernünftig miteinander unterhalten und auf der gesellschaftlichen Ebene ggf. auch kooperieren, ohne sich gegenseitig zu berühren. Im alten Knigge, dem Buch der Anstandsregeln, war vermerkt, dass ein Mann von sich aus einer Frau nie die Hand reichen darf, ohne dass sie es tut. Und z.B. die englische Königin gibt kaum jemanden die Hand ohne Handschuhe. All jene Verhaltensformen gehen auf den gleichen Ursprung zurück, ohne dass es die Leute heute wissen; denn wer kennt heute schon noch Knigge.

Da wir uns seltener in der Öffentlichkeit befinden als unsere in der Arbeitswelt tätigen Männer, schmerzt es natürlich zu erleben, dass unseren Ehemännern vorgeworfen wird, sie würden Frauen verachten, weil sie ihnen die Hand nicht geben würden. Genau das Gegenteil ist der Fall. Aus einer besonderen religiösen Treue zu einer bestimmten Frau bewahren sie diese “Berührungsexklusivität“ für ihre eigene (oder zukünftige) Ehefrau auf, und wir freuen uns über diese besondere Widmung, die alleine uns zusteht. Mag sein, dass solch ein Verhalten in einer Gesellschaft, in der allgemeines Flirten zum Freizeithobby auch von einigen Verheirateten gehört und als normal“ empfunden wird, etwas merkwürdig erscheint. Aber es schadet doch der Gesellschaft nicht, wenn eine bewusste Minderheit es mit der Treue etwas “genauer“ nimmt?! Unsere nichtmuslimischen Freunde und Bekannten jedenfalls, denen unser Handgebe-Verhalten bekannt ist, kommen dennoch sehr gerne zu uns, und wir haben beste nachbarschaftliche Verhältnisse, auch ohne Handgeben und auch viele Freude zusammen.

 

Und sie sprachen zu dem Weisen: „Obgleich die Sonne so wertvoll ist, hörten wir doch niemals, dass jemand mit ihr Freundschaft schloss oder ihr seine Liebe schenkte.“ Der Weise antwortete: „Weil sie täglich zu sehen ist, außer zur Winterzeit, in der sie – ähnlich wie der Mond – in Schleier gehüllt und liebenswert ist.

Gedicht von Saadi, aus dem Persischen

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de