Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Die Beni Ejub zu Miafarakain und Hossnkeif.

Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des Hauses Ejub, welche mit seiner Macht in Berührung, von demselben, weil sie widerstanden, vernichtet, oder weil sie gehuldigt, noch einige Zeit geduldet worden, war die von Haleb, wo die unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's herrschten, die mächtigste, deren Uebermacht soeben die von Damaskus verschlungen hatte. In Mesopotamien, zu Miafarakain und Hossnkeif, und an der Gränze Syriens, zu Kerek, herrschten Abkömmlinge Melikol-aadil's (d. i. des gerechten Königs), des Bruders Ssalaheddin's, zu Hama die Nachkommen Schehinschah's, des Bruders Ssalaheddin's und Melikol-aadil's, und zu Himss die Schirkuh's, des Oheims der drei Brüder. Melik Nassir Jusuf, der Urenkel Ssalaheddin's, war nach seines Vaters, Melikol-asis, Tode schon in seinem siebenten Jahre zur Regierung gelangt, welche während seiner Unmündigkeit für ihn seine Grossmutter, die Tochter Melikol-aadil's, die Frau Ssaffije, führte. Seinem Vetter, dem Herrn von Himss, Manssur Ibrahim, dem Urenkel Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's, stand er mit einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche nach dem Sturze des chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden, wie die Condottieri des Mittelalters, Mesopotamien und Syrien durchrannten und ausraubten. Er bemächtigte sich ihrer beiden Hauptplätze, Harran's und Rakka's. Für den Sohn und Nachfolger Manssur Ibrahim's, Melikol-eschref Musa, nicht so freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater, hatte er demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und ihm dafür das aus der Geschichte der Kreuzzüge bekannte Schloss von Tell baschir gegeben. Im folgenden Jahre hatte er wider Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, ein Heer gesandt, welches das Feld zu Nissibin behauptete und im Besitze des ganzen Lagers des flüchtigen Feindes blieb. Als im nächsten Jahre die Herrschaft des Stammes der Beni Ejub in Aegypten erlosch, luden die Emire von Damaskus den Herrn von Haleb zur Besitznahme ihrer Stadt ein. Er zog dahin, und, in der Absicht, auch Aegypten zu erobern, dem Heere der Mamluken entgegen; er schlug dieselben zwar zuerst bei Abbasa, ward aber dann geschlagen und floh nach Damaskus zurück. Er zog zum zweitenmale aus, und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass der Jordan die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den mächtigsten Herrscher der Beni Ejub in Syrien, wandte sich also jetzt Hulagu's erobernde Macht; aber auf dem Wege dahin standen ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's, die Herren von Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die Festigkeit ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu Miafarakain herrschte Melikol-kjamil, der Sohn Melikol-Mosaffer's, des dritten der drei Söhne Melikol-aadil's, welche nach ihrem Vater Herren dieser festen Stadt; der von Hossnkeif war Melikol Mowwahid, der Ururenkel Melikol-aadil's, aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines Vaters Tod den Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem Sohne Melik Ssalih Nedschmeddin die Stadt Amid und das Schloss Hossnkeif als Leibgedinge, und als Ssalih's Enkel Moaasem Turanschah sich nach Aegypten begeben, um dort die Herrschaft, welche in ihm enden sollte, zu übernehmen, blieb Hossnkeif seinem Sohne Mowwahid als Leibgedinge. Die beiden Herren von Hossnkeif und Miafarakain waren würdige Träger des Namens Ejub, indem sie, stolz auf ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit ihrer Burgen, dem mongolischen Eroberer zu huldigen verschmähten, während ihr mächtiger Vetter Nassir von Haleb huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und von demselben Jerligh und Paise, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen des Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu, als er das persische Gebiet betreten, hatte er heimlich unterwürfige Botschaft gesandt, entfloh aber nun bei der Annäherung Hulagu's nach Aegypten.

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