Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Eroberung von Miafarakain und Hossnkeif.

Hulagu, von dem Widerstande Miafarakain's unterrichtet, sandte den Oroktu mit dem Befehle, dass der Prinz und das Heer so lange weile, bis die Stadt durch Hunger zur Uebergabe gezwungen seyn würde. Dieser Zeitpunkt trat ein; einen ganzen Monat lang schon ass die Besatzung nichts als Hunde, Katzen, Mäuse und Ratten, zuletzt Leichname der Erschlagenen. Da schrieben die wenigen, noch vom Tode Verschonten an Jaschmut: „Die Lebensmittel sind ausgegangen und die Stadt ist ihrer Vertheidiger entblösst; wenn jetzt die Reiter kommen, werden sie keinen Widerstand finden.“ Der Prinz sandte den Oroktu, und dieser fand nur siebzig halb verhungerte, halb durch Wunden verstümmelte Männer, die sich nicht mehr vertheidigen konnten; nur zwei Reiter, die während der ganzen Belagerung in wiederholten Ausfällen Wunder der Tapferkeit gethan, kämpften auch nun mit vorgehaltenen Schilden gegen der Feinde Uebermacht, bis sie derselben erlagen. Melik Kjamil wurde mit seinem Bruder an Hulagu gesandt, der damals zu Tellbaschir (das Turbeysel der Kreuzfahrer in der Nähe von Haleb); Hulagu überhäufte ihn mit Vorwürfen über seinen Undank und seine Treulosigkeit, dass er den Gesandten des Kaan's, der ihm Diplom und Löwenkopf gesandt, getödtet. Er befahl, ihm Riemen Fleisches aus dem Leib zu schneiden und in den Mund zu stecken; der abgeschnittene Kopf wurde als Trophäe in den syrischen Städten zu Haleb, Hama und Damaskus unter Musik herumgetragen und in der letzten Stadt an einem Fenster des Stadtthores, welches das Thor des Paradieses heisst, aufgehängt, erst nach Abzug der Mongolen in dem Grabmale Husein's beigesetzt. 7. Dschem. Der Scheich Schihabeddin, als Dichter unter dem Namen Abu Schama, d. i. Vater des Muttermaals, berühmt, beweinte dessen Tod in einer berühmten Kassidet, woraus die Verse:

Der Sohn des Kämpen kämpfte wider die Barbaren,
Die in Irak aus rauhen Kehlen schnarren;
Hellstrahlend und erhaben in Gefahren,
Starb er den Martyrtod erst nach zwei Jahren.
Entehrt ward nicht sein Haupt durch die Fanfaren,
Womit auch das Husein's ward gefahren;
Es ruht bei ihm nach Abzug der Tataren;
Im Leben und im Tode gleich Verfahren.

Gleiches Schicksal mit dem Fürsten von Miafarakain hatte sein Vetter Mowwahid, der Sohn Turanschah's, des letzten Sultans der Beni Ejub in Aegypten, der Herr des festen Schlosses von Hossnkeif, welches zur selben Zeit wie Miafarakain fiel und dessen Fürst ebenfalls von den Mongolen getödtet ward. Hossnkeif oder Hissnkeifa, von den Byzantinern  das Schloss des Kiphas genannt, liegt auf dem westlichen Ufer des Tigris, auf dem Wege von Miafarakain nach Mossul. Die Stadt hängt mit dem auf einem hohen Berge gelegenen Schlosse mittels einer Brücke zusammen; bevor dasselbe der ejubidische Emir Merd Mahmare befestigte, hiess es bei den Arabern Rasol Ghul, d. i. das Dämonenhaupt, weil es, wie im Sternbild des Perseus das Haupt der Gorgone, welches der Araber ebenfalls Dämonenhaupt nennt, fürchterlich und hoch vom Himmel herunterdroht. Nach der arabischen Legende soll der Name Hossn oder Hissn Keifa ursprünglich Hasan Keifa gelautet haben, und zwar aus folgendem Anlasse: Ein Wackerer, Namens Hasan, im Schlosse gefangen gehalten, erbat sich beim Emire eines Tages die Erlaubniss, eine seiner Stuten auf dem Schlosshofe zu tummeln; die Erlaubniss wurde gewährt; Hasan tummelte und tummelte das Pferd und setzte damit zuletzt in toddrohendem Sprunge über die Mauer, mit dem Pferd hinunterstürzend in den Tigris, den er glücklich durchschwamm. Da erscholl der Zuruf der Bewunderung solcher Tollkühnheit: Hasan Keifa! d. i. Hasan Wohlauf! und der Name blieb dem Schloss. Vielleicht ist es dasselbe mit dem alten persischen Schlosse der Vergessenheit, worin Prinzen und andere Staatsgefangene zu ewiger Vergessenheit eingekerkert worden, und dessen die byzantinischen Geschichtschreiber mehrmals erwähnen; da aber jenes auf persisch Gilgerd genannt wird, so ist es weit wahrscheinlicher, dass dasselbe eins mit einem der festesten Schlösser der Assassinen, mit Girdkjuh, dem Tigado Hethum's, das länger als alle anderen aushielt.

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