Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Hulagu's Aufbruch von Haleb, Keitbuka zu Damaskus.

Hulagu befand sich nach der Eroberung von Damaskus, mit den Plänen weiterer ägyptischer Eroberung beschäftigt, zu Haleb, als er die Nachricht von dem Tode seines Bruders, des grossen Kaan's Mengku, erhielt. Er brach sogleich auf, wie es scheint in der Absicht, die oberste Herrschaft des Reichs im Kurultai zu Karakorum für sich selbst anzusprechen, erfuhr aber schon zu Tebris, dass sein Bruder Kubilai zum Kaan und Moilchan ausgerufen worden, und kehrte in der Folge wieder nach Haleb zurück. Ehe er Haleb verlassen, befahl er die Schleifung der Mauern und des Schlosses von Haleb, was vollzogen ward; den Oberbefehl über das Heer liess er in den Händen Keitbuka's, des bisherigen Befehlshabers des Vortrabs. Dieser war im zauberischen Thale von Ghuta gelagert, welches durch die üppige Fülle seines Grüns und Baumwuchses eines der vier Paradiese des Ostens (die drei anderen sind die Auen von Obolla an der Mündung des Euphrats, das Zauberthal Schaab Bewwan in Fars und die Ebene von Soghd im Lande jenseits des Oxus). Wiewohl diese vier vorzugsweise die Paradiese des Ostens heissen, so zählen doch genauere Geographen und eifrige Moslimen deren acht, indem nach der Lehre des Koran's die Zahl der Höllen sieben, die der Paradiese aber acht, indem Gottes Grimm minder als seine Huld und jenseits wie diesseits verdiente Strafe von unverdienter Gnade überwogen wird. Diese vier anderen Paradiese sind das Thal von Tebris, das von Mamschanrud zu Hamadan, der Sommeraufenthalt der Bewohner Malatia's zu Sebusi, dem vom Flusse des Messias bewässerten Thale, und endlich das des Bosporos, dessen Schönheiten nach dem bekannten Distichon des türkischen Dichters Melhemi die Schönheiten der vier ersten Paradiese weichen müssen. Im schönen Thale von Ghuta gelagert, empfing Keitbuka Gesandte der Franken, welche ihm den Prinzen Sahir, den Bruder Jusuf Nassir's, des ehemaligen Sultans von Haleb, zuführten. Keitbuka bestätigte ihn im Besitze seines Leibgedinges, nämlich der Herrschaft von Ssarchad; eine Heeresabtheilung wurde unter Kuschluchan's Befehl gegen Nablus (Neapolis) gesandt, das alte, zwischen den Bergen Garazin und Tobal, welche die Kibla der Samaritaner, gelegene Sichem, und die Besatzung, welche ausfiel, zusammengehauen. Die Mongolen kehrten das grosse syrische Gestade bis hinunter nach Ghasa sengend und brennend aus. Panias, die anderthalb Tagreise nordöstlich von Damaskus gelegene kleine Stadt, wurde verheert. Während dieser Begebenheiten ward Keitbuka Herr von Nassir's, des flüchtigen Sultan's von Haleb, Person. Nur von seinem Bruder Sahir, dem Melik Ssalih Nureddin, dem Sohne des Herrn von Himss, und drei kaimarischen (richtiger kimerischen) Emiren (gebornen Chuaresmiern) begleitet, war er bis nach Kathije an Aegyptens Gränze gekommen, von wo, sich nicht weiter in's Land wagend, er nach Schaubek und, alles seines Gepäckes und Gefolges verlustig, sich nach Kerek und von da nach Belka begab. Durch zwei kurdische Hellebardiere an Keitbuka verrathen, wurde er am See von Sisa ergriffen und vor Keitbuka geführt, der belagernd vor Adschalun's Mauern stand. Keitbuka zwang ihn, den Belagerten den Befehl der Uebergabe zuzurufen; die Stadt ergab sich und die Mauern derselben, welche Iseddin, einer der Emire Ssalaheddin's, erbaut[394], wurden geschleift. Keitbuka sandte den Sultan Nassir mit seinem Bruder Sahir, mit Ssalih, dem Sohne des Sultans von Himss, und mit Asis, dem minderjährigen Sohne von Moghis, dem Sultan von Kerek, nach Tebris in die Gegenwart Hulagu's. Dieser empfing die vier Prinzen des Hauses Ejub gnädig und versprach dem Sultan von Haleb, ihm sein väterliches Erbe zurückzustellen, sobald Aegypten im Besitze des mongolischen Heeres.

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