Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Miafarakain.

Ehe wir die Erzählung des syrischen Feldzugs weiter verfolgen, wenden wir uns nach Mesopotamien zurück, wo Hulagu auf seinem Durchzuge seinen Sohn Jaschmut mit einer Heeresabtheilung belagernd vor der Stadt Miafarakain gelassen, welche nordöstlich von Diarbekr gelegen. Miafarakain, das südlich demselben gelegene Hossnkeif und das noch südlichere, am Berge Dschudi oder Masius gelegene Mardin, das alte Merde, drei der festesten Horte des arabischen Irak und Gränzfestungen des byzantinischen und persischen Reichs, wollen ihrer Wichtigkeit wegen vom Leser dieser Geschichte näher gekannt sein. Das erste, auf armenisch Nefrgerd, auf griechisch die Stadt der Martyrer geheissen, ist vielleicht das alte Carcatiocerta, welche die Hauptstadt Sophiene's, wie Miafarakain die Hauptstadt des Landes Bekr's war; sie liegt am dritten Gränzflusse des byzantinischen und persischen Reichs, am Nymphius, der heute der Goldfluss heisst und nördlich der Stadt aus einer Quelle entspringt, welche die Quelle Bekr's heisst. Die orientalischen Geographen nennen nur ein einziges Denkmal der Stadt, aber dieses einzige macht viele andere zum Ruhme der Stadt überflüssig und leuchtet hell hervor aus dem Dunkel unbekannter Martyrer, von denen die Stadt den armenischen und griechischen Namen hat; es ist das Grabmal Seifeddewlet's, d. i. des Reichsschwerts, des grossen Fürsten der Beni Hamdan, dessen zahlreiche glückliche und unglückliche Kämpfe gegen das byzantinische Reich, dessen Kriegsthaten in Asien von Haleb bis an die Ufer des Bosporos die Geschichte erzählt und Motenebbi in unsterblichem Gedichte verherrlicht hat. Hier ist das eigentliche Land Bekr's, von welchem die spätere Hauptstadt desselben, Amid oder Diarbekr, den heutigen Namen trägt. Ursprünglich der Sitz des Stammes Bekr Ben Wail, dann der Könige von Kinde, aus welchen Amrolkai's, einer der sieben grössten Dichter vor Mohammed, um des von den Beni Esed erschlagenen Vaters Tod zu rächen, Bundesgenosse des griechischen Kaisers, zuletzt von seinen Feinden im Bade mittels vergifteten Kleides getödtet. Nach der Eroberung unter dem Chalifate Omar's herrschten hier die Dynastien der Beni Merwan und Beni Ortok, und als Hulagu's Heer vor Miafarakain belagernd erschien, war dasselbe seit siebzig Jahren in den Händen eines Zweiges der Beni Ejub, deren vierter Herrscher, Melikol Kjamil, durch die Hinrichtung des Gesandten und durch die Verweigerung der Unterwerfung unter die Macht des Kaan's und Ilchan's gesichert. Als Prinz Jaschmut mit den beiden ihm untergebenen Feldherren, Ilkai Nujan und Suntai, zur Uebergabe aufforderte, antwortete er: der Prinz möge nicht kaltes Eisen schmieden und Unmögliches nicht erwarten. Ist er nicht der Sohn des Vaters, der dem Chorschah (dem Fürsten der Assassinen), dem Chalifen von Bagdad, dem Hosameddin Aka (dem Befehlshaber von Deriteng) und dessen Sohne Tadscheddin (dem Befehlshaber von Irbil) das gegebene Wort gebrochen und sie trotz des gewährten sicheren Geleites getödtet hat? Da mich gleiches Loos erwarten würde, wie sie, will ich mich bis auf den letzten Odemzug vertheidigen. Er öffnete seine Schätze und Magazine der Besatzung und sagte ihnen: Theilt euch darein, denn ich bin nicht, Gott sei Dank! der Chalife Moteaassim, dessen Geiz die Ursache von Bagdads Ruin. Wurfmaschinen wurden wider Wurfmaschinen aufgepflanzt und zwar mit so grosser Genauigkeit der Richtung der einen gegen die andere, dass die geschleuderten Felsenstücke mehrmals in der Luft zusammenstiessen und, durch den Zusammenstoss zerschmettert, als Kies und Sand herunterregneten. Endlich gelang es den Belagerten, die Wurfmaschinen der Belagerer mittels geschleuderten Naphtafeuers zu verbrennen.

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