Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Drittes Buch

Ssalih's, des Sohnes Bedreddin Lulu's, Empfang und Ende.

Bedreddin Lulu, der sechs und neunzigjährige Greis, der vierzigjährige Herrscher von Mossul, welchen Hulagu in Anbetracht seines hohen Alters der Pflicht, im letzten Feldzuge persönlich zu erscheinen, enthoben und seiner statt seinem ältesten Sohn Ssalih der Belagerung Miafarakain's beizuwohnen, aufgetragen hatte, war während derselben gestorben. Bedreddin Lulu, d. i. Vollmond-Perle, erst Sklave des sechzehnten Atabegen von Mossul, dann Obersthofmeister von dessen beiden Söhnen Mesud und Mahmud, eignete sich, nachdem sie bald auf einander gestorben, den Thron selbst an und mass seine Macht mit der der Fürsten aus dem Hause Ejub; zuerst mit Ssalih Nedschmeddin, dem Sohne Kjamil's, dem Herrn von Sindschar, das er zweimal belagerte; das erstemal war er durch das dem Sultan zu Hilfe eilende Heer Chuaresmschah's die Belagerung aufzuheben gezwungen; das zweitemal aber entriss er die Stadt dem Enkel Melikol aadil's, Dschewad; hierauf die festen Städte Nissibin und Dara den Händen der Chuaresmier, den Sohn Melik Ssalih's, den nachmaligen letzten Herrscher der Beni Ejub in Aegypten, aus der Gefangenschaft der Chuaresmier befreiend. Zehn Jahre hernach wurden ihm diese Städte von dem wider ihn gesandten Heere Nassir's von Haleb wieder abgenommen. Seiner Unterwürfigkeit und Huldigung gegen Hulagu ist schon oben Erwähnung geschehen. Nach seinem Tode wurden seine drei Söhne, Ssalih, Mosaffer Ali und Melik Modschahid, von Bondokdar, dem Sultane Aegyptens, mit den Fürstenthümern von Mossul, Sindschar und Dschesiret Ben Omar belehnt. Ssalih wurde in's Lager gefordert und die Tochter Dschelaleddin Chuaresmschah's, welche ihm Hulagu früher vermählt, wurde zur Huldigung nach Syrien gefordert; dort nahm sich seiner Rokneddin Beidak an; aber Hulagu sandte den Senedarghun Nujan mit einem Tomane mongolischen Heeres, um Mossul zu besetzen und die Schätze auszuliefern. Als Ssalih in seine Stadt zurückeilte, fand er alle Wege von Mongolen besetzt; er verweilte zu Dschewsak, wo ihn die mongolische Schlachttrompete aus weichlichem Wohlleben aufschreckte; da eilte er nach Mossul und rüstete die Stadt zur Verteidigung wider die Mongolen, die Einwohner mit der Hoffnung tröstend, dass sein Beschützer, Beidak der Syrer, bald zum Entsatze erscheinen werde. Von beiden Seiten flogen Felsenstücke und feuerbeschwingte Pfeile; mehrere wackere Mongolen, welche bereits die Mauern erstiegen hatten, wurden getödtet und ihre Köpfe in's mongolische Lager gepfeilt. Melik Ssalih, von einem Pfeile verwundet, eilte in's Lager zu Hulagu, um ihm von dieser halsstarrigen Empörung Ssalih's Kunde zu geben. Beidak, von der üblen Lage seines Schützlings unterrichtet, sandte ihm Truppen zu Hilfe, die von Sindschar aus durch Taubenpost von ihrer nächsten Ankunft Wort sandten. Die Taube ward von einem Mongolen geschossen, der Brief dem Senedarghun Nujan gebracht. Er legte sich in Hinterhalt, schlug die von Beidak zu Hilfe gesandten syrischen Truppen und steckte die Mongolen in ihre erbeuteten Kleider; unter dieser Verlarvung erschienen sie vor den Mauern Mossul's, dessen Einwohner, sie für den syrischen Entsatz haltend, ihnen entgegen gingen, aber alle niedergemacht wurden; dennoch hielt sich die Stadt noch sechs Monate, bis die Sonne in ihrer höchsten Hitze, im Löwen, und die Hungersnoth in der Stadt aufs Höchste gestiegen. Da verliessen die Vertheidiger Mossul's, durch Hunger gezwungen, die Stadt und wurden vom Schwerte der Mongolen gefressen. Ssalih unterhandelte nun die Uebergabe um Schonung des Lebens und sicheres Geleite an Hulagu. Senedarghun verhiess und gewährte beides, aber nur der Person Ssalih's, denn die Besatzung wurde bis auf Wenige zusammengehauen. Neun Tage dauerte das Morden, die Stadt ward entvölkert, nur nach Abzug der Mongolen kamen etwa Tausend, die sich in's Gebirg gerettet hatten, wieder in die Stadt zurück. Hulagu war über Ssalih's Empörung so ergrimmt, dass er an demselben ein Beispiel mehr als gewöhnlicher, ekelhafter, unmenschlicher Grausamkeit aufstellte; er wurde, das Gesicht auf die Schaam gebunden, in einen Filz gewickelt und in die Sonne geworfen; so musste er elend verschmachten; sein dreijähriger Sohn wurde nach Mossul gesendet, am Ufer des Tigris entzweigehauen und die zwei Hälften auf den beiden Seiten des Flusses aufgehangen, bis sie verfault, abfielen. Solche echt mongolische Grausamkeit schändet den Ruhm Hulagu's, welchem sein Volk den Ehrennamen Ssain Adschu, d. i. der Schwierigkeitenlöser, beilegte, welcher mit seinen Söhnen für das Hemd des mongolischen Reichs galt, während alle anderen Prinzen nur als Oberkleider angesehen wurden.

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