Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Erstes Buch

Die der persischen Ilchane

Die Geschichte des von Hulagu gegründeten Reichs der persischen Ilchane, d. i. Landes- und Volksfürsten [denn Il heisst sowohl das eine als das andere], füllt nur Ein Jahrhundert, von der Hälfte des dreizehnten bis in die Hälfte des vierzehnten unserer Zeitrechnung, während welchem siebzehn Ilchane gezählet werden, von denen aber nur die neun ersten achtzig Jahre den Thron als Alleinherrscher füllten, die acht anderen sich um denselben mit ihren Mitbewerbern stritten, bis dass das mit so grosser Machtäusserung gegründete, mit so grossem Glanze unter neun Herrschern aufrecht gehaltene Reich der Ilchane, nach dem Tode Ebu Said's, durch die inneren Kriege der Thronanmasser zerfiel und sein Andenken nur in drei, aus den Ruinen derselben emporgeschossenen Pilzlingen mongolischer Dynastien, in denen der Indschu, Tschoban und Ilkaan, noch kurze Zeit hinterliess, wie das untergegangene Reich der goldenen Horde in Kipdschak in den aus seinen Trümmern entstandenen Dynastien der Chane von Kasan, Astrachan und der Krim noch längere Zeit fortgelebt. Jene persischen und diese kipdschakischen Dynastien gehören aber nicht mehr eigentlich der Geschichte der Mongolen an, deren Herrschaft nur von Tschengischan's Auftritt als Eroberer bis zum Untergange der goldenen Horde in Russland und zur Erscheinung Timurs, nur zweihundert Jahre gedauert. Die Hälfte dieser Zeit nimmt die Geschichte der persischen Ilchane als die glänzendste der vier Uluse in Anspruch, die glänzendste durch die Eroberungen des Gründers Hulagu und seines Nachfolgers Abaka, durch die gesetzgebende Weisheit Ghasan's des siebenten und seines Nachfolgers Oldschaitu nicht unrühmliche Regierung, endlich durch den Flor der persischen Literatur während dieses Jahrhunderts. Die grössten Geschichtschreiber der Perser, Dschuweini, der Wesir Hulagu's, und Reschideddin, der Wesir Ghasan Chan's, haben die Geschichte Tschengischan's und der Ilchane Persiens aus den Quellen des goldenen Archiv's, d. i. des mongolischen Staatsarchivs, und der Begebenheiten ihrer eigenen Zeit als Augenzeugen und mithandelnde Werkzeuge beschrieben. Als Augenzeugen und Zeitgenossen schrieben auch Hamdallah Mestufi, der Verfasser der bessten persischen Geographie und Universalgeschichte, Binaketi, der Epitomator des grossen Werkes Reschideddin's, und Wassaful-hasret, d. i. der Lobredner der Majestät, unter Oldschaitu und Ebu Said, dessen in allen Künsten der Rhetorik üppig wuchernder Styl wohl das Lesen seines Werkes erschwert, aber der historischen Wahrheit so wenig Eintrag thut, dass derselbe die einzige verlässliche Quelle, aus welcher die späteren, mit Recht geschätzten persischen Schreiber der Universalgeschichte: Mirchuand, Chuandemir, Hafis Ebru und Ghaffari geschöpfet. Schon Wassaf, wiewohl er erst unter dem achten und neunten Herrscher der Ilchane seine Geschichte schrieb, die mit Hulagu, dem Gründer der Dynastie, beginnt, fühlte zu Ende seines Werkes die Nothwendigkeit, demselben aus Dschuweini auch einen kurzen Ueberblick der Geschichte Tschengischan's und seiner vier ersten Nachfolger anzuhängen, welche besser dieselbe eingeleitet hätte, wie Scherefeddin von Jesd die Geschichte Timur's mit einem kurzen Ueberblicke der Geschichte Tschengischan's und der vier Uluse aus den obigen Quellen eingeleitet hat. Die Nothwendigkeit solcher Einleitung dringt sich auch hier um so unabweislicher auf, als Tschengischan nur acht und zwanzig Jahre vor der Gründung des persischen Reichs durch Hulagu verstorben, als die mongolischen Stämme und die der Gründung des Reichs Hulagu's gleichzeitigen asiatischen Herrscher den Lesern unbekannt. Dieses Buch leitet daher dieselben durch die möglichst kurze Kunde über dieses Volk des Morgenlandes und seine Stämme, über Tschengischan und seine vier ersten Nachfolger, und über die dem Auftritte Hulagu's gleichzeitigen Herrscher Asiens in die Geschichte der persischen Ilchane ein.

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