Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Erstes Buch

Die Dynastien in Fars

In Persien herrschten ausser den Atabegen von Jesd noch die von Schiras, insgemein bekannt unter dem Namen der Salghuren, und zu Darabscherd, einer Landschaft von Fars, die Dynastie Schebankjare aus der Familie Fasluje. VI. Die Vorfahren Fasl Ben Emir Fasluje's waren ursprünglich die Ispehbede, d. i. die Heerführer von Fars; schon zur Zeit Omar's, als Jesdedschird, der letzte Chosroes der Sasan, vor den arabischen Heeren nach Issfahan flüchtete, versammelten sich um ihn die Grossen der Schebankjare, welche mit den Einwohnern der Ebne Run bei Darabscherd einen Bund des Friedens aufrichteten, während Jesdedschird nach Kerman ging. Ali Ben Fasluje war die rechte Hand Horbeid's, des Schwagers Jesdedschird's, und sein Nachkömmling zur Zeit Alp Arslan's des Seldschuken, der obengenannte Emir Fasl Ben Fasluje's, insgemein Fasluje Ben Hasuje genannt, Isfehsalar d. i. General der Reiterei. Unter der Regierung Adhadeddewlet's des grossen Fürsten der Ben Buje überzog dessen Statthalter zu Schiras, Tasch Ferrasch Schebankjare, das Land mit einem Heere, und zu dieser Zeit siedelte sich die Familie Fasluje in der Ebene von Run, in der Nähe der Stadt Darabscherd, an; fünfzehn Jahre später bemächtigten sie sich des Gebietes von Fars, zu dessen Verwaltung Emir Schebankjare Fasluje angestellt worden. Kaurdin, der Bruder Alparslan's, des Seldschuken von Kerman, verheerte Fars, Fasluje flüchtete zu Alparslan, und pachtete von ihm Fars und Darabscherd für siebenundzwanzig Millionen Dirhem; da er sich wider seinen Lehensherrn empörte, überzog ihn Nisameddin, der grosse Grosswesir Melekschah's, mit Krieg, und der Atabege Dschelaleddin Dschanli der Chuansalar, d. i. Obersttruchsess, schlug sich mit dem Erbauer der Residenz zu Darabscherd, dessen langer Namen Nisameddin Mahmud Ben Jahja Ben Hasuje. Dschanli starb während des Feldzugs an einem Blutflusse; ihm folgte sein Sohn Mobariseddin, dann dessen Sohn Nisameddin II., dann der Bruder Mosaffer Mohammed, welcher, ein weiser und gerechter Fürst, seit vierzehn Jahren herrschte, als Hulagu gegen den Westen aufbrach. Von allen Dynastien, welche zur Zeit Hulagu's in Persien herrschten, ist keine merkwürdiger als die VII. der Atabegen Salghuren, deren Geschichte die Hälfte des zweiten Buchs von der Wassaf's füllt, und die er mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit behandelt, weil Fars das Stammland Persiens und Schiras seine Geburtsstadt; auch wir werden in der Folge die Geschichte derselben ausführlicher als die aller übrigen Dynastien erzählen, weil die Regierung der fünf ersten Fürsten, welche alle den Vornamen Mosaffereddin, d. i. die mit dem Siege der Religion Betheilten, führten, eine schöne Zeit des Flores der Herrschaft und der Wissenschaft, des Lebensgenusses und der Poesie, und weil der Namen des letzten Ebubekr Ben Saad's schon durch Saadi's Gülistan allein unsterblich. Hier genüge es zu sagen, dass von dem Ende der Herrschaft der Dilemiten bis zu dem Auftritte des ersten Salghuren Sonkar Ben Mewdud in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des zwölften der christlichen Zeitrechnung, Fars durch sieben Atabege, Statthalter der Seldschuken, verwaltet worden. Der erste Fasluje Schebankjare, dessen schon oben bei der Dynastie dieses Namens Erwähnung geschehen, und von dem die Dichter, auf dessen Namen Fasl, d. i. Trefflichkeit, Verdienst, Wohlthat und Huld anspielend, gesagt:

Vor Gott, dem Allverehrten, war er Huld und Glück,
Den Uebermuth des Aufruhrs hielt Faslui zurück.

Der zweite Rokneddewlet, d. i. die Reichssäule Chumar Tegin, ertrank; der dritte Dschelaleddin Dschanli verheerte das Gebiet der Dynastie Schebankjare; der vierte Karadschu baute eine Medrese zu Schiras und ward zu Hamadan erschlagen; der fünfte Mengubers baute eine Medrese, an der er begraben liegt, dessgleichen seine Gemahlin Sahide die Medrese Issmeti zu Schiras; der sechste Bosabe ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsam getödtet, und der siebente Melekschah hielt der letzte das Ansehen der Seldschuken aufrecht, welchem Sonkar Ben Mewdud, der Gründer der Dynastie der Salghuren, ein Ende machte, indem er sich zum Atabegen unabhängigen Herrscher, aufwarf.

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