Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Erstes Buch

Die sieben Kurultai, die Fürsten, welche gehuldigt.

Das Kurultai, das ist allgemeine Volksversammlung, der Landtag, auf welchem Temudschin als Tschengischan, d. i. gewaltiger Herrscher, der Fünf- und Neunfarbigen, der blauen und anderen Mongolen ausgerufen worden, war das vierte der sieben Kurultai, deren die Geschichte Tschengischan's erwähnt. Das erste wurde unmittelbar vor dem Feldzuge wider die Taidschut und der Niederlage der siebzig Kessel, das zweite vor sieben Jahren bei der ersten Thronbesteigung als Herrscher der unterworfenen Stämme der Konghurat und der mit denselben Verwandten, das dritte nach der durch den Fürsten der Tunguten erhaltenen Kundschaft von dem Ueberfalle der Naiman und der Niederlage Tajangchan's, ihres Fürsten, das vierte wurde zur Aufpflanzung der vier schwarzen und neun weissen Rossschweife gehalten, das fünfte hat bald hierauf zur Berathung des siebenjährigen chinesischen Kriegs, das sechste sieben Jahre hernach zur Berathung des siebenjährigen persischen, und das siebente und letzte sieben Jahre später und zwei Jahre vor seinem Tode bei seiner letzten Rückkehr in die Heimath stattgehabt. Diese Kurultai blieben sofort mongolischer Reichsbrauch bei den Thronbesteigungen der Fürsten und anderen grossen Begebenheiten, welche der Chan mit allen Stämmen berieth. Tschengischan spricht in seiner Thronbesteigungsrede an die versammelten Stämme von den zwölf unterworfenen Reichen, worunter die Gebiete der besiegten, ihm unterworfenen Feinde zu verstehen sein dürften; zuerst die sieben des ihm nächsten verwandten, mächtigen Stammes der Konghurat mit seinen sechs Zweigen, dann die des verwandten Stammes der Kijat Burdschin, dann der Tataren und des ihnen engverbündeten Stammes der Mekrin, dann der Taidschut und der Kerait; der noch unbezwungene, mächtigste feindliche Stamm war der der Naiman, wider welchen Tschengischan siebenmal zu Felde gezogen, fünfmal vor seiner Thronbesteigung, zweimal als gewaltiger Chan der Mongolen, und als Verbündeter Owangchan's. Immer waren sie an der Spitze der wider Tschengis verschworenen Stämme und ihre Niederlagen zu Kisiltasch, d. i. am rothen Steine. nicht minder berühmt, als die der siebzig Kessel der Taidschut zu Baldschusch, die der verbündeten Stämme an den sieben Grabhügeln und die Tschengischan's selbst, als er nach der wider Owangchan verlornen Schlacht von wenigen Treuen begleitet zum Quelle Baldschuna geflohen.  Nachdem in der vierten Schlacht wider die Naimanen ihr grosser Fürst Tajangchan geblieben, zog Tschengischan wider dessen Bruder Bujuruk, d. i. den Befehlshaber, welcher ihm als Fürst seines Volkes gefolgt, und schlug denselben an der Sudscha, in der Nachbarschaft des Ulugtag, d. i. des grossen Bergs, die Fortsetzung der Bergkette des kleinen Altai ober dem Balchasch-See. Tajang's Sohn Kuschluk floh mit Tukta, dem Fürsten der Merkit, nach den Ländern am Irtisch. Ihre gefährliche Nachbarschaft mochte ein Hauptgrund des Untergangs der Kirkis und Kemkemdschiut gewesen sein, welche am Irtisch und Jenisei sassen, und welche nun dem gewaltigen Herrscher huldigten; so huldigten ihm auch im Süden Idikut, der Fürst der Uighuren, und die türkischen Fürsten der Hoeihe in der kleinen Bucharei, der Gurchan von Karachatai, der Fürst des Stammes der Karlik von Kajaligh und der von Almaligh. Tschengis besiegelte den Bund der Huldigung durch Verschwägerung, indem er dem letzten eine Tochter seines ältesten Sohnes Dschudschi, dem Fürsten der Karlik eine andere Prinzessin des Tschengischan'schen Hauses, und seine Tochter Il Alti dem Fürsten Idikut zur Frau gab, den er seinen fünften Sohn nannte. Er war nun mit nicht weniger als einem Dutzend der mächtigsten Stämme verschwägert; die zwei Schwestern Tatarinnen ausgenommen, war jede seiner grossen Frauen aus einem anderen Stamme, und ebenso gab er nicht mehrere seiner Töchter an Fürsten Eines Stammes, sondern jede an einen anderen; nur mit dem Stamme der Konghurat war er gegenseitig verschwägert, indem seine erste Gemahlin Burte Fudschin eine Konghuratin und er seine Tochter Tumalun an den Prinzen der Konghuraten vermählte, welcher, wie alle Eidame, den Titel Gurchan führte.

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