Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Erstes Buch

Ogotai's Bauten, Feste, Jagden, Freigebigkeit und Unmässigkeit.

Die Verwaltung der von der goldenen Dynastie eroberten chinesischen Länder übertrug Ogotai dem weisen Wesire Jelwadsch, welcher schon im ersten Jahre des Feldzugs zehn Steuerämter zur Einrichtung und Einhebung der Steuern niedersetzte, deren jedes einen Präsidenten und Vicepräsidenten hatte und deren Beamte chinesische Gelehrte. „Das Reich“, stellte der weise Staatsmann dem Herrn vor, „ist zu Pferd erobert worden, kann aber nicht zu Pferd regiert werden“; sechs Jahre hernach wurden die ersten Tresorscheine für die Summe von zehntausend kleinen Barren, d. i. für fünfzigtausend Unzen Silber, ausgegeben.Er stiftete zwei hohe Schulen, die eine zu Pingang in Schendai, die andere zu Peking in Petsche-li, wohin die mongolischen Emire ihre Söhne sandten, um in der Geschichte, Geographie, Arithmetik und Astronomie unterrichtet zu werden. Durch Colonien, aus China weggeschleppte Maurer, Zimmerleute, Maler und Vergolder, wurde während des Feldzugs zu Karakorum, welches auf der Ostseite des Berges Utekian, in der Nähe des Flusses Orghan, ehemals die Residenz der Uighuren, die neue Residenz des Herrschers gebaut und geschmückt, welche Ordubaligh, d. i. Lagerballei, genannt ward, als Seitenstück zur chinesischen Residenz Peking, welche später unter Kubilai den Namen von Chanbaligh, d. i. Chansballei, erhielt. In zwei besonderen Quartieren derselben wohnten die Moslimen und Chinesen von den Mongolen getrennt; an den nach den vier Himmelsgegenden gelegenen Thoren wurden die Märkte der Schafe und Ziegen, Ochsen und Pferde gehalten; zwölf Götzentempel, zwei Moscheen, eine christliche Kirche zeigten, dass nebst dem herrschenden heidnischen Kultus auch die freie Ausübung der anderen gestattet ward. Die Stadt wurde täglich durch fünfhundert Wagen verproviantirt, deren einige sehr gross, von acht Ochsen gezogen; der Palast der Residenz hiess Karschi; Goldschmiede, unter denen ein französischer, von den Mongolen auf ihrem Raubzuge durch Ungarn von Belgrad weggeschleppter, arbeiteten an den goldenen und vergoldeten künstlichen Thieren, welche als Fontainen an festlichen Tagen statt Wassers Kumis, Wein, Meth und Reisabsud spien. Den Frühling brachte der Kaan auf den Weiden zu, wo vormals die Herden Efrasiab's geweidet haben sollen und wo er das Zelt Gewher Chagan, d. i. des Chakan's Edelstein, baute, den Sommer am Gebirge Ormektu, wo das goldene Zelt (Sira Ordu) aufgeschlagen, dessen Nägel Gold, das von innen mit goldenen Tapeten behangen, tausend Personen fassen konnte; den Herbst brachte er zu Köschei Nawer, vier Tagreisen von Karakorum, zu, und im Winter jagte er grösstentheils zu Ongko, an dem Gebirge von Telenku; nur einen Monat lang schenkte er seine Gegenwart der Residenz; zwei Parasangen davon hatte er ein hohes Köschk erbaut, welches Terghubaligh, d. i. Proviantballei, hiess; hier ward vor dem Einzuge in die Stadt Einen Tag Rast gemacht, an welchem der ganze Hofstaat einfarbig gekleidet erscheinen musste. Während des Aufenthalts in der Residenz (Karschi) wurden täglich Feste gegeben und die reichsten Geschenke gespendet, denn Ogotai war an Freigebigkeit ein zweiter Hatim; die Zeit verging unter Bogenschiessen, Scheibenwerfen, Ringen, Jagen. Vor der Stadt war ein Stück Landes im Umfange von zwei Tagreisen mit einem Walle aus Lehmen und Reisig als Park umfangen, in welchen das grosse, auf dreissig Tagreisen ausgedehnte Jagdrevier des Heeres, immer näher zusammenrückend, das ganze Wild der Gegend hineintrieb. Die Prinzen und Emire erlegten dasselbe in des Chanes Gegenwart; das erlegte wurde unter den Hofstaat und das Volk vertheilt. In Chorasan wurde die Stadt Herat, welche bei der Eroberung durch das Blutbad von hundertachtzigtausend ihrer Bewohner entvölkert und niedergebrannt wurde, wieder aufgebaut; fünfzigtausend Gefangene wurden zu diesem Ende dahin befehligt. Die Statthalterschaft Chorasan's war dem Uiraten Arghun anvertraut, die von Persien dem Körges (Blindaug), welcher mit Dschurmaghun nach Persien gekommen; über die Länder vom Gebirge Chankai bis an den Oxus war Mesud, der Sohn von Jelwadsch, als Statthalter bestellt. Ogotai's Freigebigkeit kannte keine Gränzen, aber auch nicht seine Unmässigkeit im Trinken, welche seinen frühzeitigen Tod herbeiführte; sein Bruder Dschagatai hatte ihn beschworen, sich die Zahl der Becher zu mindern; er minderte die Zahl, nahm aber Becher von grösserem Umfange. Abika, die Schwester Sijurkukteni's, die Gemahlin Tuli's, um deren Hand Tschengischan vergebens bei Owangchan geworben und die heimlich an einen Tafeldecker vermählt an der chinesischen Gränze ihren Jurt hatte, kam alljährlich mit ihrem Sohne, welcher mit dem Amt eines Mundschenken bekleidet war, zur Aufwartung. Eines Nachts, wo ihr Sohn den Wein kredenzt hatte, starb Ogotai. 11. Dec. 1241. Man wollte Abika und ihren Sohn der Vergiftung beschuldigen, aber Iltschidai und die anderen Emire vertheidigten ihre Unschuld, indem es klar war, dass Ogotai im Uebermasse des Rausches vom Schlage getroffen worden.

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