Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Beibars zu Cäsarea.

Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu Kaissarije (Cäsarea) im Triumphe, unter einem Thronhimmel, wie derselbe ober dem Haupte der Sultane Seldschuken getragen ward, in den Palast des Sultans ein und setzte sich auf den Thron. Mit dem Sultansbunde auf dem Kopfe nahte er sich dem Thore des Harems und sandte den Prinzessinnen des Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten Grüsse; dann setzte er sich wieder auf den Thron und empfing die Huldigung der Ulema und Kadi, der Imame und Scheiche, der Prediger und Leser des Korans, der Fakihe und Fakire; der Ceremonienmeister, mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel angethan, wies jedem die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte den Tusch, der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn erscholl, die Leser lasen Suren des Korans, Dichter declamirten Lobgedichte; Alle wurden mit einem Frühmahle königlich bewirthet; dann begab sich Beibars in die Moschee des Sultans, wo das Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet ward, so auch in den übrigen sechs Moscheen der Stadt; das ausgeworfene Geld war auf seinen Namen gemünzt. Die Schätze, welche Perwane und seine Gemahlin zu Kaissarije zurückgelassen, wurden unter die Emire vertheilt. Perwane, welcher in der Schlacht von Albestan das Heer des Sultans von Rum befehligt hatte, war nach Verlust derselben nach Kaissarije geflohen und hatte sich von hier mit dem Namensträger der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin, nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin war seine von vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin Gurdschi Chatun, die Tochter Ghajaseddin's, des Herrn von Erserum, gestorben. Perwane schrieb an Beibars, um ihm als Herrscher Rums zu huldigen; in seiner Antwort forderte Beibars ihn auf, persönlich zu erscheinen. Perwane bat um einen Aufschub von vierzehn Tagen, in der Hoffnung, dass Beibars, von dem Anmarsche Abaka's benachrichtigt, eher Cäsarea verlassen haben würde, das er wirklich am fünften Tage nach seinem Einzuge verliess. Beibars verliess Cäsarea in dem Augenblicke, wo zu erwarten stand, dass er seine Eroberungen in Rum verfolgen würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten, sonst wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche die Lieferungen genau bezahlten, nicht misshandelt. Während seines Aufenthaltes zu Cäsarea hatte Beibars die Huldigung des Herrschers von Karaman empfangen, welcher, der Gründer der Macht dieses Hauses, von nun an durch vier und zwanzig Jahre ein Nebenbuhler des der Seldschuken und dann durch hundert sechs und siebzig Jahre der Osmanen, bis dass es nach zwei Jahrhunderten und in zehn von den Osmanen wider dieselben geführten Kriegen zertrümmert ward. Schemseddin Mohammed, der Karamane, zog an der Spitze von dreitausend Reitern nach der Hauptstadt Konia, vor welcher er die ihm von Sultan Beibars gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die Stadt nicht, doch würden sie ihn nicht hindern, wenn er die Thore verbrennen wolle, einzuziehen. Er verbrannte zwei Thore, besetzte die Stadt und bemächtigte sich der Citadelle durch List und Gold; dann zog er dem Heere entgegen, welches Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's, von seinen beiden Söhnen befehligt, wider ihn gesendet; der Karamane schlug es und kehrte mit den Köpfen der beiden Söhne des Wesirs nach Konia, verliess dasselbe aber nach sieben und dreissig Tagen und zog sich in's cilicische Gebirge zurück. Im folgenden Frühlinge zog Abaka dreimal gegen Rum. Zu Ablistan oder Elbestan wartete ihm der Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire Fachreddin von Issfahan auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde die noch unbegrabenen Mongolen sah, weinte er, liess mehrere Turkmanen, Urheber von Unruhen, hinrichten und gab den Befehl zur Verheerung der Städte Rums. In dem Ausfluge von sieben Tagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner geschlachtet; es fielen mehr als hunderttausend derselben als ein Opfer des Schwertes. Mohammed Schemseddin Dschuweini, der gerechte und gelehrte Grosswesir, kaufte mehrere derselben mit seinem Gelde los; schon war Siwas zur Hälfte verheert, als er die andere Hälfte durch seine Vorstellungen, dass die Einwohner unschuldig der Rache verfallen, rettete. Nureddin Chasneji und Sahireddin Ibn Husch wurden hingerichtet.

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