Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Gesandtschaft an Beibars, dessen Tod, Perwane's Hinrichtung.

Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen. Die Emire stellten ihm vor, dass in der Mitte des Sommers die Beschwerden des Zuges zu gross, dass der Marsch besser bis auf den Herbst verschoben bliebe. Er sandte also indessen Botschaft an Bondokdar: „Ihr seid wie Räuber auf die Vorwachen unserer Heere gefallen und habt dieselben erschlagen, und als Wir uns genaht, seid ihr wie Diebe entflohen; seid ihr Männer, so erscheinet nun auf dem Kampfplatze:

Komm', dass du meine Lanze streifest,
Komm', dass du meinen Zügel greifest;
Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben,
Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben;
Hast du von Männern je gehört der Schlachten,
Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?“

Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald darauf starb. Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem Bruder, dem Prinzen Konghurtai Aghul zur Huth, liess Tokat und das Schloss Perwane's verwüsten und kehrte nach Alatak zurück. Als er am Schlosse von Baiburt vorbeikam, das in Armenien durch die Schönheit seiner Mädchen berühmt, wie Ersendschan durch die Fette seiner Schafe und Kumach durch die Feinheit seiner Leindwand, erbat sich ein Scheich die Erlaubniss, ihm frei die Wahrheit sagen zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er: „Herr, dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen Unterthanen Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme entwischet, hast du denselben an deinen Völkern ausgelassen, hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen Länder verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen gethan?“ Die Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck auf Abaka, der die Freigebung von viermalhunderttausend Gefangenen befahl. Im Lager von Alatak wurde Moineddin Perwane vor Gericht gestellt, dreier Staatsverbrechen angeklagt: dass er zu Ablistan geflohen, dass er nach der Niederlage sich nicht zum Herrn begeben, dass er denselben nicht frühzeitig genug vom Anzuge der Aegypter unterrichtet. Die von Syrien zurückgekommenen Gesandten Abaka's sagten überdiess wider ihn aus, was sie dort erfahren, dass Beibars auf dessen Einladung nach Rum gekommen, das er in seine Hände zu liefern versprochen, dass er hernach aber vor demselben geflohen sei. An Perwane, welcher den Sultan Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches mit Gleichem vergolten; Abaka war schon auf dem Punkte, ihm zu verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als die Wittwen der zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei vor dem Palaste Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi Behadir mit zweihundert Reisigen erhielt den Befehl der Hinrichtung; Perwane war, sobald er sich umringt sah, seines Looses gewärtig und bat, nur noch ein Gebet von zwei Verbeugungen verrichten zu dürfen; nachdem er es verrichtet, wurde er zusammengehauen. Die Angabe des armenischen Mönchs Geschichtschreibers, dass Abaka vom Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und selbst davon gegessen haben soll, verdient wenig Glauben. Moineddin Suleiman Perwane aus Dilem war der Sohn Mobariseddin Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum gekommen, vom Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad's als Eidam begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle als Wesir erhalten hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte Rum im Namen der Seldschuken als unumschränkter Herr; Rokneddin Kilidsch Arslan hatte ihm die Stadt Sinope verpachtet, deren Besitz auch nach seiner Hinrichtung auf seinen Sohn Mohammed und von diesem auf den Enkel Perwane's, Mohesebeddin Mesud, überging. Dieser bemächtigte sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach seinem Tode in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin nach Rum gesandt, um dem verwüsteten Lande wieder aufzuhelfen; er baute die verheerten Städte wieder auf, führte aber auch die Stempelgebühr ein, welche vordem in Rum nicht bestanden. Der Fürst von Karaman, der sich in unwegsamen Wäldern verborgen hielt, ward mit denselben verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier erhielt die Statthalterschaft Malatia's. Schemseddin, nachdem er die Angelegenheiten Rums eingerichtet, wandte sich nach dem Kaukasus und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der mongolischen Herrschaft unterwarf.

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