Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Streifzug in Armenien.

Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft an Beibars, um zu begehren, dass der Sultan selbst oder einer der ersten Männer des Reichs an den Hof Abaka's komme, den Frieden zu unterhandeln. Bondokdar antwortete: wolle der Ilchan den Frieden, so möge er selbst oder einer seiner Brüder an den Hof des Sultans kommen. Auf die Nachricht, dass mongolische Truppen die beiden Gränzplätze Rahbet und Birtha am Euphrat bedrohten, brach Bondokdar auf und führte auf Kameelen zerlegte Schiffe mit sich, um damit den Euphrat zu überschiffen. So haben wir noch jüngst erlebt, dass zur Einrichtung der Dampfschifffahrt auf dem Euphrat das Schiff der Wüste durch die Wüste Schiffe trug. Durch die Taubenpost hatte Bondokdar die Nachricht erhalten, dass die Mongolen vor Bire, und durch dieselbe versprach er der Stadt den schleunigsten Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und zwanzig Poststationen zwischen Damaskus und Bire wurden in sieben Tagen zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber entweder nicht angelangt oder zu wenig, denn der Uebergang über den Euphrat ward mittels fünf und dreissigtausend Kameelen bewerkstelligt, auf denen das Heer überschwamm. Die Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt dem ägyptischen Heere überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar verfolgte sie und erbeutete von den Nachzüglern einen grossen Theil des Gepäcks; mit demselben und einer grossen Anzahl von Gefangenen zog er im Triumphe zu Damaskus ein. Der Befehlshaber von Haleb, Hossameddin von Aintab, sandte einen Streifzug nach Armenien, weil dasselbe für die Streifereien des Kastellans von Kinuk die begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen, die Männer wurden niedergehauen, die Weiber in die Sklaverei geschleppt; die Mauern der Hauptstadt Sis widerstanden, aber Tarsus wurde eingenommen und verheert. Beibars vernahm zu Kairo die Verheerung Armeniens und den Marsch Abaka's längs des Sab gegen den Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab sich nach Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich zeigte. An seinem Hofe erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige Melik Schemseddin Behadir, Herr von Samosate, Sohn des Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm, welcher nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan und endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte; er hatte schon seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste geleistet und durch einen auf seine Veranlassung im Namen des Sultans an einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen, von Reliquien begleiteten Brief, den er hernach auffangen liess, die Hinrichtung dieses Bischofs bewirkt; auch wider den Katholikos, d. i. den Patriarchen der Nestorianer, welcher, von den Moslimen durch falsche Anklagen verfolgt, Bagdad verlassen und sich zu Irbil niedergelassen hatte, war neue Verfolgung im Anzuge; um derselben zu entgehen, verlegte er seinen Sitz von Irbil nach Aschim in Aserbeidschan, in der Nähe der Hauptstadt, weil die Tyrannei nur am leidentlichsten im Mittelpunkte. Beibars, der sich über Verletzungen des mit dem Könige von Armenien geschlossenen Vertrags zu beklagen hatte, beschloss, Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus im Geleite Manssur's, des Herrschers von Hama, und Scherefeddin Isa's, des Emirs der syrischen Beduinen, auf. Der Emir und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb, erhielten den Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu nehmen; aber zu Sermin angelangt, liess Beibars dort sein Gepäcke unter der Obhut des Befehlshabers Ben Sonkar zurück und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch die Einnahme Ssalaheddin's und fünfzig Jahre hernach durch einen Sieg der Saracenen über die Templer in der Geschichte der Kreuzzüge schwarz gezeichnete feste Burg liegt am Nehr Eswed, d. i. am schwarzen Flusse, welcher dem See von Antiochien zueilt, auf einer Anhöhe inmitten fruchtbarer Fluren und Gärten. Von den Mongolen erobert, ward sie an König Hethum abgetreten, von diesem vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar übergeben worden.

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