Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Unruhen in Rum; Schlacht von Albestan.

Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald neue feindliche Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens und dem Ilchane Persiens herbei. Wir haben schon im vorigen Buche, in der Geschichte Hulagu's, der beiden Brüder Herrscher Rums, Rokneddin's und Iseddin's, und der Theilung Rums zwischen beiden erwähnt. Moineddin Ssahib Perwane, d. i. der Inhaber des Kabinetssiegels, der Wesir Rokneddin's, hatte den Mitregenten seines Herrn bei Alindschak, dem mongolischen Befehlshaber in Rum, eines Einverständnisses mit dem Sultan Aegyptens angeklagt; in der That hatte Iseddin Gesandte an Beibars mit dem Antrage der Abtretung der Hälfte seines Landes gesandt, wenn er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin, auf dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines Bruders und dessen Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete sich zum byzantinischen Kaiser, welcher, um dem Hulagu gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als Staatsgefangenen einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den Herrscher von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem von diesem verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte, die ihn aus Ainos befreiten; er starb als Vassal des Herrschers der goldenen Horde in der Krim. Rokneddin herrschte nun allein, aber nur dem Namen nach, denn der eigentliche Herrscher war Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn bei Abaka empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner Hinrichtung. Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen, wurde mit einer Bogensehne erwürgt, im selben Jahre, wo der letzte der Hohenstaufen, Konradin von Schwaben, auf dem Blutgerüste zu Neapel den Geist aushauchte. Perwane herrschte nun im Namen Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen Sohnes Rokneddin's. Mehrere der Bege Rums, unter diesen auch der Sohn Perwane's, flüchteten zu Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider Abaka auf. Nachdem er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun Jahren zum Nachfolger ernannten Sohn Said Berke in seiner Abwesenheit mit unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet hatte, brach er nach Syrien und von da gegen Cilicien auf. Der Befehlshaber von Haleb und der Emir der Wüste (Isa, der Sohn Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber Chafadsche, welche die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar zog über Aintab, Dulak, Kinuk, d. i. durch den taurischen Pass, die heutige Strasse der Pilgerkarawane. Er mündete in der Ebene von Ablestan oder Albostan, wohin Geographen und Reisebeschreiber das dritte der drei berühmten Tempelstädte Komane, nämlich das kappadocische, verlegen; hier sowohl als in der goldenen Komane an der Vereinigung der beiden Arme des Euphrat in Sakasene und im pontischen wurde die taurische Artemis als Anaitis oder die Kriegsgöttin Enyo in Tempeln verehrt, die unter Hut grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser Gegenden. Der Name Albestan, d. i. der Garten, scheint derselbe mit dem des alten Pästum zu seyn, dessen Tempel vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das pontische Komane ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den Sieg Cäsar's über den Mithridates berühmt, und gleichen Ruhm sollte nun das kappadocische in der Kriegsgeschichte der Mamluken und Mongolen durch die Niederlage der letzten erhalten. Die Reiterei der Mongolen, aus eilf Regimentern von tausend Mann bestehend, ward von Tokus, seinem Bruder Uruktu und von Tudaun, dem Bruder Sughurdschak's, dem Suldusen, befehligt; die Hilfstruppen bestanden aus türkischen, deren Treue in einer Schlacht wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen Hilfscorps von dreitausend Mann. Freitags in der Hälfte Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag Ssalaheddin's und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil dieser vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an einem Freitage erfochten), hatte die Schlacht statt. Der linke Flügel der Mongolen warf das Mitteltreffen der Mamluken, in welchem das Panier des Sultans flatterte, auf den rechten Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und stellte die gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu und Tudaun sassen mit ihrer Reiterei ab, um den Anfall der ägyptischen mittels Pfeilregens aufzuhalten; aber die ausharrende Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen wurden geschlagen; ihre Feldherren Tokus und Tudaun und sechstausend siebenhundert siebzig gezählte Mongolen deckten das Schlachtfeld. Beibars lies sich die Gefangenen vorführen und dieselben zusammenhauen, einige Officiere ausgenommen, mongolische und armenische; die letzten überhäufte er mit Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen der Ungläubigen schlügen; unter den Gefangenen befand sich ein Sohn, ein Neffe und die Mutter Perwane's. Ein Diener Tudaun's brachte die Nachricht der Niederlage dem Ilchan, der erzürnt nach Tebris zurückkehrte.

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