Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Verheerung Ciliciens.

Bondokdar lagerte zwischen Derbesak und dem zehn Miglien davon gelegenen Baghr, dessen Einwohner meistens christliche Fischer, und sandte von hier Truppenabtheilungen zu tausend Mann, jede mit Fackeln und mit Barken zur Ueberschiffung von Flüssen versehen, nach verschiedenen Richtungen in's Gebirge. Er lagerte zu Iskenderun hinter einer von König Hethum, dem Vater des regierenden Königs Leo, aufgeführten Mauer und rückte dann gegen Merkes durch den syrischen Felsenpass vor, welcher wegen seiner Enge Ssakaltutan, d. i. Bartanhaltend, heisst. Der Fluss von Merkes ist der alte Kersos, dessen Name sich in dem des Schlosses zum Theile erhalten. Die ägyptischen Truppen verheerten Massissa, das alte Mopsuestia, d. i. der Feuerherd des Mopsus, das, auf beiden Seiten des Dschihan (Pyramus) gebaut, zwölf Miglien von der, unter dem Namen der Goldstoffwiese in den Kriegen der Byzantiner mit Seifeddewlet durch Schlachten berühmten Ebene, eine halbe Tagreise von Adana; eine steinerne Brücke verbindet den diesseits und jenseits des Flusses gelegenen Theil der Stadt. Die auslaufende Bergkette des Taurus, welche sich von Massissa bis an das Meer zieht, heisst der Dschebelon-nur, d. i. der Lichtberg, auf welchem die schönsten Hiacinthen und seltene Pflanzen, unter andern Mandragoren und ein Kraut, welches, weil es die Zähne der Schafe gelb färbt, von den Alchymikern als ein Hauptbestandtheil des Steins der Weisen gesucht wird. Unter Massissa liegt die tiefe Felsenschlucht, welche Kurd Kulaghi, d. i. das Wolfsohr, heisst, zur Linken auf einem hohen Berge das weisse Schloss Jilan Kalaasi, d. i. das Schlangenschloss, das für die Residenz der Schlangenkönigin gilt, die sich mit der Kronjuwele auf dem Haupte manchmal auf der Goldstoffwiese und auf den Höhen des Lichtbergs sonnt. Bondokdar drang in dem Gebirgspasse bis nach Sis, der Hauptstadt des alten armenischen Königreichs, vor, welche mit den nahe gelegenen Festen von Ainsarbe, Tel Hamdun, Serfendkjar und Bersbert von den Arabern die Schneidezähne, d. i. die Gränzfesten des Islams, genannt werden; die letzte war der Schatzhort der armenischen Könige und eine Zeit lang die Residenz derselben. Nachdem Sis verbrannt worden, kehrte der Sultan durch die Felsenschlösser zurück. Vier seiner Truppenabtheilungen hatten sich gegen die am Meere gelegenen cilicischen Städte Tarsus, Adana, Barin und Ajas gewendet. Tarsus, dessen Ruhm bis in die Zeit der assyrischen Könige hinauf datirt, indem sich Sardanapalus dasselbe erbauet zu haben rühmte, ist in der des Chalifats als der Ort, wo der grösste Chalife des Hauses Abbas den Geist aufgab, die in den morgenländischen Geschichten und Geographien berühmteste Stadt Ciliciens; am Cydnus, welcher die Mauern derselben wäscht, hatte Alexander nicht ohne Nachtheil seiner Gesundheit kalt gebadet, glücklicher als Friedrich Barbarossa, welcher in den Fluthen des Saleph oder Calycadnus, der bei Selefke vorbeiströmt, den Tod gefunden. Den Cydnus war Kleopatra in ihrer mit purpurnen Segeln und vielfarbigen Flaggen bepfauten goldenen Galeere hinaufgefahren; hiervon weiss die moslimische Ueberlieferung nichts, doch zeigt dieselbe das Felsen-Sopha der Dschinnen, wo der Chalife Mamun am vorbeifliessenden Wasser sass und einen über eine Elle langen Fisch aus dem Wasser zu ziehen befahl. Der schöne Silberfisch (vermuthlich ein Dschinne) sprang wieder in's Wasser, so dass derselbe die Kleider Mamun's bespritzte; dieser, zornig hierüber, befahl, den Fisch wieder herauszuziehen. „Nun werde ich dich sogleich gebraten essen“, sagte der Chalife, und übergab ihn dem Koch, aber im selben Augenblicke ergriff ihn ein heftiger Fieberschauer; als der Fisch ihm gebraten vorgesetzt wurde, war er nicht mehr im Stande, davon zu essen, und nach einigen Tagen ward er vom Fieber hinweggerafft. Durch diese Volkssage und durch die, welche nach Tarsus die Höhle der Siebenschläfer verleget (wiewohl man sie auch zu Ephesus und Damaskus zeigt), ist Tarsus nicht minder geschichtlich merkwürdig, als in der Geschichte der byzantinischen Feldzüge, in welchen Tarsus, vom byzantinischen Befehlshaber gütlich übergeben, die äusserste Gränzfeste des Islams ward. Zu Adana, der Hauptstadt der heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, welche Harun Raschid am Ufer des Sihan, d. i. des Sarus, erbaut hatte, wurden die Männer getödtet, die Weiber und Kinder geraubt. Ajas, am Ufer des Meeres, zwei Tagreisen von Baghras und eine von Tel Hamdun entfernt, war in den Händen der Franken, welche ihr Habe auf die Schiffe im Hafen retteten. Die Stadt wurde von den Aegyptern verbrannt; tausend Franken und Armenier, die sich zur See retten wollten, gingen in derselben zu Grunde[558]. Massissa wurde verbrannt. Im folgenden Spätjahre wurde Bire von Obotai vergebens belagert; nach aufgehobener Belagerung zog eine ägyptische Truppenabtheilung nach Cilicien, wo dieselbe in der Nähe von Meraasch von Sinbad, dem Oheim des Königs, angegriffen ward. 29. Nov. 1275 Das Treffen kostete dem Oheim des Königs, vierzehn Grafen und dreihundert Armeniern das Leben. Die Turkmanen, wiewohl Sieger, zogen sich zurück.

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