Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Bagdad's Eroberung.

Am fünften Februar standen Hulagu's Krieger bereits auf der Mauer des Bollwerks, während auf der anderen Seite die Prinzen noch nicht bis an den Fuss der Mauer vorgedrungen waren. Hulagu sandte ihnen ausscheltendes Wort und befahl zugleich, Brücken zu schlagen. 28. Moharr./

4. Febr. Buka Timur wurde mit einem Toman, d. i. mit einer Abtheilung von zehntausend Mann, auf der Heerstrasse von Medain und Bassra befehligt, um die, so etwa mit den Schiffen auf dem Tigris zu entfliehen versuchten, aufzufangen. Der Diwitdar, welcher auf diese Weise mit mehreren Schiffen zu entkommen hoffte, wurde aufgehalten, drei Schiffe genommen, die anderen versenkt oder zerstört. Auf diese Nachricht entsank dem Chalifen aller Muth zu fernerem Widerstande; er sandte den Fachreddin von Demaghan und den Ibn Dernus mit wenigen Geschenken; denn er fürchtete, dass, wenn er viele sendete, die Grösse derselben für den Maassstab seiner Furcht gelten könnte. Hulagu wies dieselben mit den Ueberbringern zurück. Am folgenden Tage kam Ebulfadhl Abderrahman an der Spitze aller Grossen mit grossen Geschenken; aber auch diese wurden nicht genehmigt. Hulagu sandte den Nassireddin von Tus als Gesandten in die Stadt; welcher Triumph für den rachsüchtigen Astronomen, welcher seiner Empfindlichkeit für die Verschmähung seiner Verse die Stadt des Heils und das Heil des Chalifats geopfert, welcher Triumph für ihn, dem Chalifen nun im Namen des Siegers Gesetze vorzuschreiben! Am folgenden Tage kehrte er zurück, und Hulagu sandte die aus der Stadt gekommenen drei Gesandten, den Fachreddin Demaghani, den Ibnol Dschewsi und Ibn Dernus, mit dem Begehren, dass Suleimanschah und der Diwitdar erscheinen mögen. Sie erschienen wirklich zwei Tage hernach. Hulagu sandte sie wieder in die Stadt zurück, um die Ihrigen mit sich zu bringen. Die syrischen und irakischen Truppen und eine Menge Volkes benützten diese Gelegenheit, um die Stadt zu verlassen und sich in's Lager der Mongolen, wo sie Rettung und Sicherheit zu finden hofften, zu begeben; sie wurden in Tausende, Hunderte und Zehn abgetheilt, den mongolischen Befehlshabern der Tausender, Hunderter und Zehner übergeben und von diesen regelmässig umgebracht. Abgeordnete kamen aus der Stadt, um das Leben der noch Zurückgebliebenen zu erflehen, die Alle unterwürfig. Hulagu begehrte, dass der Chalife seine Söhne sende und selbst komme. Während diesen Unterhandlungen ward einem Inder Bitekdschi, der bei Hulagu in grossem Ansehen, ein Auge ausgeschossen; Hulagu, hierüber ergrimmt, wollte nun von weiterem Aufschub nicht mehr hören. Er befahl dem Nassireddin von Tus, sich an's Thor der Wettrenner zu begeben und die Einwohner mit Zusicherung des Lebens herauszuführen; als diess geschehen, wurden sie Alle niedergemacht. Suleimanschah wurde mit Siebenhundert der Seinen in die Gegenwart Hulagu's geführt. Dieser fragte ihn: Wie kommt's, dass du, ein Sternkundiger, nicht den Frieden vorgezogen und deinem Herrn nicht dazu gerathen? Suleimanschah erwiederte: Der Chalife ist an Geist und Glück verwahrlost und leiht denen, die es wohl mit ihm meinen, kein Ohr. Suleiman und seine Siebenhundert wurden niedergemetzelt, so auch der Diwitdar und dessen Sohn, und die drei Köpfe an Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, gesandt, der, ein Freund Suleimanschah's, seinen Tod beweinte, aber nothgedrungen, um nicht seinen Kopf zu verlieren, den des Freundes an dem Thore seines Palastes aufhängen musste. Nach diesem tragischen Ende seiner Getreuesten rief der Chalife seinen Wesir und fragte ihn, was zu thun; dieser antwortete ihm mit dem arabischen Distichon:

Sie wähnen, es sei leicht, Geschäft zu schlichten,
Indess das Schwert sich schärft, um hinzurichten.

Endlich begab sich der Chalife, mit seinen drei Söhnen und von dreitausend Seiden, Imamen, Scheichen und Kadis begleitet, Freitags den zehnten Februar zu Hulagu. Dieser empfing ihn ohne Merkmal des Zorns und begehrte kalt und ruhig, der Chalife möge Wort in die Stadt senden, dass die Einwohner die Waffen wegwerfen und zur Zählung herauskommen möchten. Der Chalife gehorchte und Bagdad's Einwohner gingen wie Schafe zur Schlachtbank, denn statt gezählt zu werden, wurden sie ungezählt Alle getödtet, der Chalife und seine Söhne in Zelte gewiesen vor dem Gülwadischen Thore, wo der Standort Keitbuka's. Drei Tage hernach begann die allgemeine Plünderung. Alle Paläste und Gebäude wurden niedergebrannt, bis auf einige wenige, ausdrücklich ausgenommene Häuser von Arkaunen, das ist nestorianischen Priestern und Fremden. Die Priester dankten diese Schonung vermuthlich Niemanden Anderem, als ihrer Glaubensgenossin, der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau Tokus, der Keraitin, welcher im Lager Kapelle mit Glockengeläute gestattet ward. Unter den Fremden sind vielleicht fränkische Kaufleute gemeint, Venezianer und Genueser, welche sich zu Bagdad des Handels willen aufhielten.

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