Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Demawend, Fall von Meimundis.

Die Fahnen Hulagu's flatterten nun zu Demawend, einer der ältesten Städte Iran's, am Fusse des gleichnamigen Berges gelegen, der ein vulkanischer, durch Erdbeben und Rauch Verwüstungen anrichtet und androht. Hier residirte der Tyrann Sohak, dessen Karbunkel auf der Achsel, wo ihn der Satan geküsst, nach der Volkssage nur durch das Gehirn zweier täglich geschlachteter Menschen gelindert werden konnte. Von dieser Tyrannei befreite sein Volk der Schmied Gjawe, dessen Schurzfell, an einen Spiess gestekt, die Fahne, unter welcher sich die Völker zum Sturze des Tyrannen sammelten, vor dessen Grimm sich die Schlachtopfer seiner Regierung bis in's Gebirge von Kurdistan geflüchtet hatten, und der endlich selbst in's Gebirge von Demawend verbannt ward. Alljährlich am 31. August wird, unabhängig vom moslimischen Kalender, das Befreiungsfest von der Regierung Sohak's zu Demawend gefeiert. Die Bewohner der Umgegend sammeln sich, auf Pferden, Mäulern, Eseln beritten, und ziehen unter lautem Geschrei durch das Feld, jubelnd, dass ihre Väter dem Halloh der Tyrannei entflohen, welche noch so schwer auf ihnen selbst lastet; Nachts werden Feuer auf den Terrassen der Häuser angezündet und die Stadt beleuchtet, Freudenfeuer über die Erlösung von dem Drucke Sohak's, durch welchen die Seufzer der Unterdrückten wie Flammen zum Himmel emporstiegen. Dieses Fest heisst das Fest der Kurden, auf denen Sohak's Tyrannei vorzüglich lastete. Demawend soll schon von Siamek, dem Sohne des Keiomer's, des zweiten Herrschers der Pischdadier, gebaut worden und von Tahmuras Diwbend, d. i. dem Diwbändiger, sollen die Diwe in den Demawend gebannt worden sein, wo sich ihr Daseyn noch durch Rauch und Erdbeben kund gibt. Von hier sandte Hulagu den Schemseddin Kilegi nach Girdkjuh (dem Tigado Haithon's), um den Befehlshaber zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und einen anderen Gesandten an Chuarschah, um diesen zu bringen. Hulagu erwartete den Erfolg dieser Botschaften zu Abbasabad, in der Nähe von Rei, der alten Hauptstadt des persischen Irak. Chuarschah sandte seinen Sohn, einen achtjährigen Knaben, welchen ihm aber Hulagu mit der Botschaft zurücksandte, dass, wenn er selbst nicht kommen könne, er einen anderen Bruder statt Schehinschah's senden möge. Chuarschah sandte seinen Bruder Schiranschah und den Chodscha Assileddin mit dreihundert Mann, um seine Huldigung darzubringen. Nach vier Tagen wurden sie mit einem Diplome zurückgesendet, welches dem Chuarschah, da er Nichts verbrochen, die Gnade des Kaan's versicherte, wenn er seine Schlösser ausliefern wollte; zugleich erhielt das Heer den Befehl, von allen Seiten aufzubrechen. Köke Ilka und Tukatimur nahten sich von der Seite von Ispidar; Chuarschah fragte: warum sie kämen, da er zur Unterwerfung bereit; sie antworteten: es sei die Heeresstrasse, auf der sie nach Fütterung auszögen. Hulagu hatte sich indess gegen Thalkan gewendet, einer Stadt der Landschaft Tocharistan, nach welcher die Mongolen von den Byzantinern den Namen Tocharen erhielten, der noch in dem der Mongolen Tsacharen fortlebt. Ohne einen eingefallenen Regenstrom wäre Chuarschah schon diesen Abend am Fusse seines Schlosses gefangen worden; acht Tage hernach, als sich das Wetter aufgeheitert, ward Kriegsrath gehalten, ob die Belagerung des Schlosses noch bei so weit vorgerückter Jahreszeit zu unternehmen, oder auf's nächste Jahr zu verschieben sei; der Wesir Seifeddin, die Generale Keitbuka und Bukatimur stimmten für die Belagerung. Hulagu sandte abermals Botschaft, halb drohend, halb versöhnend, einen letzten Termin von fünf Tagen zur Uebergabe bestimmend. Chuarschah verlor den Kopf und sandte seinen gelehrten Arzt und Rathgeber Nassireddin von Tus mit seinem Bruder Iranschah und seinem Sohne Turkia mit vielen Geschenken, seine Unterwürfigkeit darzubringen; drei Tage hernach kam Chuarschah selbst, um den Fuss des Kaan's zu küssen; er kleidete seine Unterwerfung in die folgenden beiden, von ihm selbst verfertigten Distichen ein:

O Schah, ich komm' an deinen Hof, gewarnt,
Bereuend Schuld, die mich bisher umgarnt.
Dein Glück hat diesen Lauf für mich genommen,
Wie wär' ich sonst, wozu wär' ich gekommen!

Hulagu sah, dass er einen unerfahrenen Jüngling vor sich hatte; er schmeichelte ihm mit Verheissungen und bewog ihn, alle Burgen seiner Vorfahren, deren Zahl auf hundert stieg, zu brechen, nur Girdkjuh und Lemsir, in welchen sich die Besatzungen noch festhielten, ausgenommen; die zu Meimundis aufgespeicherten Schätze wurden ausgeliefert und unter die Emire des Heeres vertheilt. Hulagu zog vor Alamut, d. i. das Adlernest, den Hauptsitz des Grossmeisters der Assassinen, von wo unter dem Gründer Hasan Ssabbah die Macht des Ordens wie ein Adler aufflog. Der Befehlshaber ergab sich, nachdem er ein Paar Tage Widerstand geleistet. Die Mongolen drangen ein, zerbrachen die Wurfmaschinen und gaben den Einwohnern drei Tage Frist zum Abzuge.

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