Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Zweites Buch

Die Gemahlinnen Hulagu's.

Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den Mongolen immer den andern weit voraus und welche die Frau und Gebieterin des Harems, wie noch heute bei den Perserinnen die grosse Frau, war Tokus Chatun, d. i. die Frau Neun, die Keraitin, welche der Vater Tuli kurz vor seinem Tode zur Frau genommen, aber ohne dieselbe zu berühren gestorben war. Nach der mongolischen Sitte, vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu vermählt, sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China den Oxus passirt hatte. Tuli war in seinem vierzigsten Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre alt; seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter, hätte also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als wirkliche Mutter neues Gewicht beifügen können; allein sie ward nie Mutter und behauptete sich dennoch bis zu ihrem Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und Gebieterin des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und mütterliche Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, dass sie vielleicht um Vieles älter, erst dem Vater Tuli und dann dem Sohne von der Mutter des letzten, der staatsklugen Sijurkukteni, ihrer Tante, mehr an die Hand, als ins Bett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin und ihre Schwester Tukini zur Beischläferin, die ihm eben so wenig als die Schwester Kinder gab. Sie waren beide die Töchter Ettiko's, des zweiten Sohnes Owangchan's, die Nichten der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche die Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren also beide die Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni, und in der freien Ausübung ihres Cultus eben so wenig beirrt, als ihre Tante Sijurkukteni vom Gemahle Tuli. Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von nestorianischen Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die grosse Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem Gemahle. Wie sich Hulagu zwei Schwestern Keraitinnen, die eine als Frau, die andere als Beischläferin, genommen, so auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit dem Hause Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme der Uirat, nämlich Kubak oder Kojuk Chatun, die Mutter seines zweiten Sohnes Dschumkur, und ihre Stiefschwester Oldschai, die Mutter seines eilften Sohnes Mengku Timur; beide waren die Töchter Turaldschi's, des Sohnes Kutuke's, des Fürsten der Uirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine Tochter Dschidschegan zur Frau gegeben, welche ihm den Sohn Buka Timur geboren; aus einer anderen Gemahlin hatte Turaldschi die beiden Töchter Kubak und Oldschai, welche also die Stiefschwestern Dschidschegan's, der Tante Hulagu's, seine Stiefbasen waren; die beiden anderen Gemahlinnen waren zwei Konghuratinnen: Kutui Chatun, aus deren Lager Hulagu sieben Beischläferinnen genommen, die Mutter Tekschin's, seines vierten, und Ahmed Tekudar's, seines siebenten Sohnes; und Mertai Chatun, welche kinderlos, wie die grosse Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini; endlich die Frau Jisut oder Jisuntschin, aus dem Stamme Suldus, die Mutter des Kronprinzen Abaka. Wir mussten in diese Umständlichkeiten eingehen, weil sich nur aus denselben das Resultat der die Wahl der Gemahlinnen mongolischer Herrscher leitenden Staats- und Familien-Maximen klar herausstellt. Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte, nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei Stiefbasen; dann waren die zwei Stämme, denen diese zwei Schwesterpaare angehörten, nämlich die Kerait und die Uirat, sowie der der Konghurat, aus welchem die zwei anderen Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten verschwägerten, die früher als andere der aufsteigenden Macht Tschengischan's, sich derselben unterwerfend, gehuldigt. Die Wahl der Frauen Gemahlinnen wurde also vorzüglich durch die Politik, durch die Freundschaft der Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt.

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